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Stoffmuster des 18. Jahrhunderts

 

Wie schon hier ausgeführt, ist es schwierig, fürs 18. Jh. geeignete Muster von ungeeigneten zu unterscheiden. Daß ein "Blümchenstoff" geeignet ist, ist eher unwahrscheinlich. Ich habe hier ein paar "gute" und "schlechte" Beispiele aus dem Angebot einiger Stoffanbieter zusammengetragen, um das Auge zu üben.

 

Muster, die man nicht wählen sollte:

Zu symmetrisch. Ein solches Stoffmuster wäre fürs mittlere 16. Jh. und ca. 1695-1710 vielleicht geeignet, wenn der Rapport nicht allzu groß ist (max. 25 x 25 cm), aber danach nur für Tapeten, Vorhänge und Möbel. Zu symmetrisch. Das Muster ist so dicht und flächig (und der Rapport vermutlich ca. 30 x 30 cm oder mehr), daß es wirklich nur noch für Mobiliar geeignet ist. Bei kleinerem Rapport wäre das Muster, wie das links, für mittleres 16. und um 1700 denkbar.
Mal abgesehen davon, daß Lila als Hintergrundfarbe eine Unmöglichkeit ist, ist das Muster zu dicht und die Umrisse der Blumen zu verschwommen. Die abstrakte Art, wie die Blumen dargestellt sind, wäre aber OK. Die Blumen sind in Farbe und Schattierung zu realistisch dargestellt. So etwas eigent sich nur für Innendeko, und auch da frühestens Ende des 19.Jh., wenn überhaupt.
Falsche Blumen. Die Verteilung des Musters wäre für nach 1750 ganz in Ordnung, aber Chrysanthemen spielen in europäischen Stoffmustern keine Rolle. Die Blätter sind zu stark schattiert und als Hintergrundfarbe wären eher Elfenbein, Dunkelrot oder Braun denkbar. Falsches Layout. Blumenmuster verlaufen gewöhnlich in Schlangenlinien, die Streifen bilden. Auch Veilchen sind sehr untypisch, und sie wären nicht so stark schattiert.
Zu realistisch. Die Blüten haben Perspektive und sind stark schattiert. Im 18. Jh. sind Blüten stärker stilisiert. Die beiden Stoffe oben sind typische Bettwäschestoffe des frühen 20. Jh. und leicht als solche kenntlich. Ähnliche Muster gibt es in Rot, Blau, Lila und auch mehrfarbig. Gut erhaltene Bettwäsche oder unverarbeitete Stoffballen mit solchen Mustern sind bei Nostalgikern beliebt (u.a. bei mir); sie für vermeintlich historische Kleidung zu zerschneiden, ist ein Frevel, der mit öffentlicher Auspeitschung bestraft werden sollte. Schenk den Stoff lieber mir! :-)
Die Verteilung und die Abstraktion wären an sich ganz gut, aber v.a. bei den braunen Stielen ist das Muster zu realistisch. Für einen Möbelstoff des späten 18. Jh. wäre so ein Stoff vermutlich geeignet, für Kleidung aber nicht. Ein typischer Toile de Jouy, dessen Muster fur das mittlere bis späte 18. Jh. authentisch ist - aber nur für Innendeko, nicht für Kleidung!
Muster und Farben wären in Ordnung, wäre das Muster eingewebt und nicht aufgestickt - maschinell natürlich. Und das sieht man. Zu bunt und irgendwie zu... naiv.. Baumwollstoffe dieser Zeit beschränken sich meist auf wenige Fartöne, va. rötliche. Gelb, Grün und Blau mußten von Hand aufgemalt werden, so daß neben den Rottönen meist nur je eine dieser Farben vorkommt.

 

Gut-Beispiele:

Die Verteiling in Ranken stimmt und die Blüten sind stark stilisiert. Hell-Dunkel-Schattierungen kommen nur als klar voneinander abgegrenzte Flächen vor. Blumen in Rottönen sind typisch, aber das Grün ist zu quietschgrün. Die lockere Aufteilung des Musters paßt ins späte 18. Jh., vor allem nach 1760. Die Farben sind etwas eintönig, aber nicht verkehrt. Die Blüten sind so stark stilisiert, daß man darin keine reale Blume erkennen kann.
Eine solche Anordnung in Streifen findet man vor allem ab ca. 1760/65. Auch hier sind die Blumen stilisiert und nicht in natürlichen Farben dargestellt. Ein typischer europäischer Zitz aus dem Hause Den Haan & Wagenmakers. Andere Hintergrundfarben als diese wären eher ungeeignet.
Zwei weitere Zitze des gleichen Herstellers, des kleinen Musters wegen v.a. fürs späte 18. Jh. geeignet. Außer Rot und Ecru wäre für diese Zeit auch Braun als Hintergrund geeignet. Ein indischer Stoff, dessen Muster große Ähnlichkeit mit europäischen Mustern des 18. Jh. aufweist. Indische Blockducke wurden auch im 18. Jh. importiert. Die verschiedenen Farben werden mit mehreren Modeln übereinander gedruckt, ähnlich wie beim Vierfarbendruck auf Papier, was mehr Farbvarianten erlaubt. Heute werden werden die Modeln oft so nachlässig aufgesetzt, daß z.B. das Rot einer Blume einen Zentimeter neben der zugehörigen Umrandung auftaucht. Einen so schlampig bedruckten Stoff hätte man im 18. Jh. gar nicht erst importiert.
Ein besonders großflächiges Zitz-Muster aus dem Hause Den Haan & Wagenmakers In den letzten Jahren hat IKEA einige Stoffmuster des Musée de l'Impression sur Etoffes reproduziert, z.B. das hier gezeigte,
Alvine Blom.
Ein leider allzu großflächiges Muster vom fliegenden schwedischen Händler - etwas kleiner, und das Muster wäte auch für anderes als Möbel brauchbar. In früheren Jahren hat der fliegende schwedische Händler auch schwedische Stoffmuster des 18. Jh. reproduziert. Dieses hier ist fast schon zu großflächig.
Ein weiteres IKEA-Muster, v.a. fürs späteres 18. geeignet

Und noch ein eher großflächiges IKEA-Muster, wohl auch aus dem Musée de l'Impression sur Etoffes

 
Zwei Repros nach zeitgenössischen Originalen von Duran Textiles