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Die Herstellung einer Contouche

Schritt 5: Drapieren der Robe


Setze zuerst die beiden (oder, bei schmalerem Stoff, drei) Rückenteile zu einem zusammen und mach Dich gleich ans drapieren der Rückenfalten. Stecke das obere Ende der hinteren Mitte links auf links auf die Mitte des Futters. Die Zugabe muß über das Futter hinausragen. Stecke die Markierung für die Ärmelnaht so, daß sie auf die Kante des Futters trifft. An die Zugabe wirst Du den Ärmel dransetzen, also muß die über das Futter hinausstehen. Und nun geht's ans Faltenlegen. Bei gestreiften Stoffen kann einen das auf die Palme bringen, weil der geringste Fehler gleich auffällt, aber es ist superwichtig, daß die Falten schön gerade fallen - sie machen schließlich den Reiz einer Contouche aus! Die Skizze unten zeigt, wie die Falten gelegt werden.

Skizze: Faltmethode

 

Zieh von jeder Seite her eine Falte auf die Mitte zu und steck sie so fest, daß die äußeren Faltenbrüche (a) genau auf die Rückenmitte treffen. Faltentiefe ungefähr 3 Fingerbreit. Dann faltest Du erstmal nur auf einer Seite weiter. Leg den Stoff wieder gerade nach außen (d.h. auf das Armloch zu), steckst eine Nadel 1-2 Finger breit außerhalb des vorigen inneren Faltenbruchs und faltest dann wieder nach innen (b). 2 Fingerbreit von der hinteren Mitte steckst Du wieder und faltest nach außen. Bisher lagen alle neuen Falten auf der vorigen; nun müssen die Falten unter die jeweils vorige gesteckt werden. Nach etwa einer Handbreit faltest Du etwa so weit unter, daß der innere Faltenbruch den vorigen trifft (b), von dort wieder nach außen, bis die Falte zwei Finger breit unter der vorigen hervorschaut, dann faltest Du wieder unter bis mindestens b oder noch weiter (d). Wenn dann noch Stoff übrig ist, legst Du eine weitere Falte, die tief unter den anderen versteckt ist (e). Wenn Du so viel Stoff hast, daß die Falte e sehr tief wird und ihr äußerer Bruch sehr nah an den Punkt c rückt, dann solltest Du die gesamte Faltung nochmal aufmachen und jede der vorhergehenden Falten etwas tiefer machen, um die Weite mehr zu verteilen. Ist alles zu Deiner Zufriedenheit gefaltet, legst Du die andere Rückenhälfte ebenso. Sofern Du nicht einen symmetrisch gemusterten Stoff hast, müssen beide Seiten nicht auf den Millimeter gleich sein.

Halte Dich nicht sklavisch an diese Skizze! Historisch haben keine zwei Contouches genau die gleichen Falten, und je nach Mode war der Faltenteil mal breiter, mal schmaler: Um 1730-40 trafen die äußersten Faltenbrüche auf die Ärmelnaht, während sie später weiter innen lagen. Wichtig ist nur das Prinzip - und die Proportion. Die obersten Falten (b) sollten ungefähr Handbreit (ohne Daumen) sein, die Falten darunter (a und c) lugen etwa zwei Finger breit hervor. Wenn du Stoffüberschuß hast, dann steck ihn möglichst eher in die äußeren Falten bzw. in solche versteckten Falten, denn da können sie sich am besten, ahem, entfalten. Da wird die Weite gebraucht. Die Oberkante sollte dabei völlig gerade verlaufen - nur dann hängen auch die Falten gerade. Sind die Falten so justiert, daß sie die vom Futter festgelegte Rückenbreite gerade ausfüllen und gerade hängen, dann hefte sie ordentlich aufeinander fest, aber nicht am Futter.

Lege nun den gefalteten Oberstoff am besten auf ein Bügelbrett. Lege die Falten von der Oberkante weg möglichst gerade bis zur Taille und stecke sie in gewissen Abständen mit Glaskopf- oder Stahlnadeln am Bügelbrettbezug fest, so daß sie nicht verrutschen. Bügle sie dann ordentlich ein, aber nur bis maximal Taillenhöhe.

Die Falten im Vorderteil: Mach einen Kniff 4-5 cm einwärts von der Vorderkante und ziehe ihn auf der Außenseite Richtung Armausschnitt, bis die Vorderkante mit dem inneren Faltenbruch etwa gleichauf liegt. Die Zugabe muß den Bruch natürlich noch überragen! Die wird nach innen gefaltet, so daß sie zwischen der äußersten Schicht und dem inneren Faltenbruch zu liegen kommt, also schön versteckt. Diese vordere Falte heißt in englischen Texten robings; ein deutsches Wort dafür ist mir noch nicht begegnet. Hefte die Robings fest. Diese Falte geht von der Schulternaht bis zum Saum durch und kann, je nach Geschmack, ab der Taille frei hängen oder sogar noch tiefer werden. Letzteres läßt die dreieckige Öffnung der Oberrocks, die für das Rokoko so typisch ist, noch weiter aufklaffen. Dafür muß man sie die ganze Vorderkante entlang zunähen, sonst nur bis zur Taille.

Stecke oder hefte die Robings mit untergefalteter Kante fest, so daß der innere Faltenbruch nicht ganz bis zur Vorderkante reicht. Nähe sie dann mit Saumstich zusammen, so daß die Naht immer nur punktweise nach außen tritt.

Schließe nun die Seitennaht im Oberteil und im Rockteil. Da der Rockteil später noch Taschenschlitze bekommt, hefte die oberen ca. 25 cm des Rockteils nur aneinander und fang dann erst mit der richtigen Naht an. Bügle die Nähte platt.

Nun ist ein guter Zeitpunkt, die Seitenfalten im Rockteil zu legen, denn wenn der Oberstoff aufs Futter geheftet ist, kommt man an diese Stelle nicht mehr so gut ran. Da Seitenfalten oft für Verwirrung sorgen, obwohl sie ziemlich einfach sind, demonstriere ich die Vorgehensweise in Fotos. Die Fotos zeigen zwar die Rockfalten eines Manteau de Lit (daher der Keil in der Achsel), weil ich gerade ein solches in der Mache hatte, aber die Methode ist die gleiche. Die Bilder sind durch anklicken vergrößerbar.

 
Zuerst mal etwas Nomenklatur: Es gibt die Seitennaht im Oberteil (markiert) und die Seitennaht im Rockteil (ganz unten rechts, senkrecht verlaufend). Bei einer Robe wäre da der noch zugeheftete Taschenschlitz. Dazwischen verläuft waagerecht die Oberkante des Rockteils, die nun in Falten gelegt wird. Die Seitennaht im Oberteil reicht ein Stück weit über die Oberkante des Rockteils hinaus (ganz schwach sieht man im Bild die Stiche der hier bereits gekappten Kappnaht1), weil wir dort ja viel zugegeben haben, d.h. die Taille liegt tiefer als die Oberkante des Rockteils. Das untere Ende der Naht markiert die Taillenhöhe.
Zur Vorbereitung solltest Du die Seitennähte (in Oberteil und Rockteil) auseinanderbügeln und dabei geradeaus über das Ende der Seitennaht Oberteil hinaus nach unten bügeln. Der erste, äußerste (in Foto der unterste, weil von der Innenseite her fotografiert) Faltenbruch sollte nämlich die Seitennaht gerade fortführen. Leg dann das Teil ausgebreitet so vor Dich hin, daß die Seitennähte senkrecht in der Mitte liegen.
Die Oberkante des Rockteils liegt ungefähr im rechten Winkel dazu. Sie klappt im Foto nach ein paar cm nach unten weg, weil ich die Seitennaht des Rockteils nach unten gezogen habe, damit man anhand des Karos nochmal schön sieht, daß der soeben eingebügelte äußerste äußerste Faltenbruch eine gerade Verlängerung der Seitennaht darstellt.
Jetzt ziehen wir die Seitnnaht Rockteil wieder hoch, so daß sie genau auf der Seitennaht Oberteil zu liegen kommt. Dort wird sie festgesteckt; die Nadel liegt senkrecht. Die Oberkante Rockteil liegt möglichst genau im rechten Winkel dazu. Wir haben jetzt quasi eine riesengroße Seitenfalte. Zu groß. Nun teilen wir sie auf mehrere kleine auf.
Nimm die oberste Lage auf der rechten Seite der Riesenfalte ein bißchen hoch und laß die untere Lage liegen. Ca. 5 cm rechts der Seitennaht knickst die die untere Lage um, so daß sie einen Faltenbruch bildet (parallel zur Seitennaht) und die Oberkante des Rockteils wieder nach links zurückläuft. Steck den neuen Faltenbruch fest. (die Nadeln immer sekrecht) Mach Deinen neuen Faltenbruch in Verlängerung der Seitennaht (Oberteil). Steck ihn fest. Falte den Stoff zurück nach rechts. Mach wieder einen Faltenbruch, der in etwa auf dem ersten liegt. Und wieder zurück...
Je nachdem, wie breit der Rockteil geschnitten ist, und wie tief Du die Falten legst, geht das so drei- bis viermal, bevor die Seitennaht des Rockteils wieder auf die Seitennaht des Oberteils zu liegen kommt. Wenn es sich mit drei oder vier Falten à 5 cm Breite nicht ausgeht, dann verändere die Maße ein wenig, d.h. mach alle Falten nur 4 cm breit oder die ersten 1-2 Falten 5 cm breit, die nachfolgenden nur vier... . Es müssen nicht alle Falten genau gleich breit sein: Von außen sieht man das alles nicht. Mach mindestens drei Falten und variiere die Faltentiefe so lange, bis es sich so ausgeht, daß keine Falte weniger als 3 cm tief ist.
Mach dann das gleiche auf der linken Seite. Auch hier gilt: Ob die Falten links und rechts genau gleich tief sind, danach kräht kein Hahn. Hauptsache, es sind gleich viele, die ungefähr gleich tief sind.
Schau noch mal nach, ob die Oberkanten der Falten genau im rechten Winkel zur Seitennaht liegen. Bei ungefütterten Kleidungsstücken wie dem Manteau de Lit sowie bei Roben der Zeit bis ca. 1740 (d.h. immer dann, wenn das Gewand in der Taille nicht eng anliegt) werden die Falten gleich so festgenäht. Bei späteren, taillierteren Roben werden die Falten erstmal nur geheftet und dann, wenn man die Seitennaht des Oberstoffs auf die Seitennaht des Futters genäht hat, durch Futter und Oberstoff festgenäht. Dadurch hängt das Gewicht des Rockteils nicht nur am Oberstoff. Laß auf der Außenseite die Stiche möglichst nur als kleine Pünktchen sichtbar werden.

Nun solltest du die oberen 20-25 cm der seitlichen Rocknaht wieder auftrennen und versäubern, denn das werden die Taschenschlitze sein. Die Taschen sind ein extra Kleidungsstück, unter dem Rock getragen, siehe hier und hier. Die Schlitze sind nötig, um in die Taschen greifen zu können. Warum die Schlitze nicht gleich offenlassen? Weil man dann die Falten nicht so gut legen kann.

Eine andere Art, die Rockfalten zu legen, habe ich im Victoria and Albert Museum gesehen (Bild links). Wenn Du die Methode oben verwirrend fandest, dann solltest Du diesen Absatz überspringen2, denn dies ist noch einen Tick komplizierter. Dabei faltet man wie gehabt nach außen, und zwar das vordere Rockteil, dann aber auf dem Rückweg 1-2 cm über die Seitennaht des Oberteils hinaus. Dann macht man mit dem hinteren Rockteil weiter: nach außen, dann bis genau zur Seitennaht. Dann wieder vorn: nach außen, dann zurück über die Seitennaht hinaus. Und so weiter im Wechsel zwischen vorn und hinten, bis wieder die Seitennaht des Rockteils auf die des Oberteils trifft. Dabei verzahnen sich die Falten des vorderen und hinteren Rockteils so, daß die den Taschenschlitz verdecken. Da man eher von hinten in die Tasche greift, dürfen die vorderen Falten weiter nach hinten überlappen als umgekehrt.

 

Setze den fertig gefalteten Oberstoff aufs Futter, so daß 1. die Oberkante der Rückenfalten auf die Oberkante des Futters trifft, 2. die Rückenmitte des Oberstoffs auf die des Futters, 3. die Vorderkanten von Futter und Oberstoff aufeinandertreffen (wobei das Futter ein paar Millimeter hinter der Vorderkante des Oberstoffs sitzen sollte, damit es nicht hervorblitzt) und 4. die Taille des Vorderteils auf der gleichen Höhe sitzt wie das untere Ende der Seitennaht im Futter. Hefte entlang des Halsausschnitts im Rücken und entlang der Vorderkanten. Jetzt kommt es darauf an, das Oberteil so zu justieren, daß es glatt anliegt - dazu brauchst du einen Helfer. (Eine Schneiderpuppe ist nur ein Notnagel - zieh ihr das Korsett über und zieh es so fest zu, wie Du es an dir selber tun würdest. Damit das geht, mußt Du die Puppe wahrscheinlich etwas kleiner einstellen und dann am Busen etwas ausstopfen.)

 

Zieh das Korsett an und die Robe darüber. Stecke die Vorderkanten genau so ans Korsett wie bei der Anprobe des Futters. Laß die Zugbändchen im Rücken so anziehen, daß das Futter glatt anliegt, aber nicht spannt. Wenn jetzt der Oberstoff vorn nicht glatt liegt, muß evtl. ein Abnäher gesteckt und/oder etwas Stoff in eine verdeckte Falte unterhalb der großen Falte (der robings) an der Vorderkante geschoben werden, bis der Oberstoff glatt, aber nicht straff anliegt. Man streicht den überschüssigen Stoff dahin, wo er sich am leichtesten verbergen läßt, und steckt ihn dort fest. Später wird dort eine leichte Handnaht gesetzt, um ihn festzuhalten. Hinten streicht man waagerecht von der Seitennaht unter die äußerste Watteaufalte und steckt den Oberstoff da fest. Achtung: Nur am Futter feststecken, nicht am Korsett!

Wenn Deine Contouche für die Zeit um 1720-40 gedacht ist, solltest du diesen letzten Schritt (d.h. anheften im Rücken) weglassen, denn zu der Zeit hing der Oberstoff noch recht frei von der Schulter weg und war auch nicht an der Seitennaht befestigt.

Laß bei der gleichen Gelegenheit die Schulternaht des Vorderteils mit schon umgeschlagener Zugabe auf das Rückenteil stecken, so daß die Kante weitgehend parallel zur Schulternaht des Futters verläuft, zur Seite hin abfallend und in jedem Fall hinter der Schulter. Im Idealfall trifft die Kante der großen Falte im Vorderteil so auf die Kante der äußersten Rückenfalte, daß es ein bißchen so aussieht, als wären sie dieselbe Falte. Wenn nicht, macht nichts. Ende der Anprobe. Zieh die Contouche vorsichtig aus, damit die Nadeln am Platz bleiben.

Nähe die Schulternaht und alle eventuellen Abnäher von außen her so, daß außen nur kleine Stiche zu sehen sind. (Von innen gearbeitete Abnäher waren damals nicht Gang und Gäbe, während außen sichtbare Stiche nicht als unfein galten.) Wenn alles schön glatt sitzt (ziehen soll es aber nicht!), hefte den Oberstoff tief im Schatten der äußersten Rückenfalte parallel zum Futterstäbchen am Futter fest (außer für 1720-40). Mach dabei eine lockere Naht aus Heftstichen, denn es kommt öfters mal Zug auf diese Naht, z.B. wenn Du eine extreme Bewegung machst oder Dir jemand (und das kommt leider häufig vor) auf die Schleppe steigt. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Die Naht hält, und der Stoff reißt (denn einer von beiden muß nachgeben), oder die Naht reißt, und der Stoff hält. Unnötig zu sagen, was besser ist.

Nähe die Vorderkanten des Oberstoffs auf die des Futters, und zwar so, daß die Naht nur als kliene Pünktchen nach außen tritt. Am besten geht das mit Saumstich. Ab da, wo das Futter zu Ende ist, nähst Du nur noch die Kante (mit untergeschlagener Zugabe) auf den inneren Faltenbruch der Robings.

 

 

1) Laß Dich nicht verwirren: Die Kappnaht wird nur bei Chemisen und beim Manteau de Lit angewendet. Sie wird nur erwähnt, weil die Fotos ein Manteau de Lit zeigen.
2) Verwirrung beim bloßen Durchlesen zählt nicht. Wer beim lesen nicht den Stoff vor sich liegen hat, ist fast immer verwirrt.

 

 

Schritt 6: Ärmel und sonstiges