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stammt, wie der Name schon sagt, aus der Region um Miesbach und Tegernsee, also aus dem Oberland, d.h. aus der Voralpenregion Bayerns.
Bis um die Mitte des 19. Jh. war er jedoch auf seine Ursprungsregion beschränkt; überall anders trugen "anständige" Frauen Hauben. Tatsächlich stammt der Hut wahrscheinlich ursprünglich noch nicht einmal aus dem Oberland, sondern ist von Österreich (genauer gesagt, Tirol) her eingewandert. Da die Trachten-Erneuerungs-Bewegung des 20 Jh. von der Miesbacher Region ausging, bildeten sich sogar in der Münchner Kiesebene Gebrigstrachtenvereine, die lieber die Miesbacher/Tegernseer Tracht pflegen als die einheimische. Daher wird der Miesbacher heute oft für die typisch bayrische Frauen-Kopfbedeckung gehalten, obwohl die Kopfbedeckungen mehr als jedes andere Kleidungsstück die regionalen Grenzen einer Tracht markieren.
Der Hut ist aus sehr steifem Wollfilzvon 3-5 mm Dicke, meistens schwarz, manchmal auch grün. Je nach Region und Mode war der Gupf mittelhoch oder flach, die Krempe leicht nach oben gebogen. Es gibt ihn ohne jede Dekoration oder mit mehrfach um dem Gupf gewundener Kordel (meistens golden). Die Unterseite der Krempe ist manchmal mit sorgfältig gefälteltem Stoff, Borte oder Spitze belegt. Blumen oder Federn konnten zur Dekoration dienen, aber der Adlerstoß sollte nur dort getragen werden, wo es tatsächlich Adler gibt bzw. einmal gab - eben in den Bergen. Nichts ist lächerlicher als ein Flachlandbajuware, der sich mit Hochlandfedern schmückt.
Bilder : Frauen- und Männerversion, Unterseite eine Frauenhutes (1890er) - alle im Münchner Stadtmuseum.
ist die eigentliche Kopfbedeckung der Münchnerin von mindestens Mitte des 18. Jh. bis etwa Mitte des 19. Jh. Im frühen 19. Jh. wurde sie mitunter sogar zu modischen Kleidern des Biedermeiers getragen. Es scheint, daß die Riegelhaube nicht ausschließlich in München getragen wurde: Im 18. Jh. gibt es Abbildungen, die nicht aus München stammen (u.a. Frau Bögner aus Tauberbischofsheim oder die Votivbilder aus Niederschönenfeld im nördlichen Bayrisch-Schwaben); aus dem 19. Jh. sind Hauben erhalten, auf deren Innenseite ein gedruckter Zettel mit dem Namen und Adresse der Herstellerin klebt. Diese "Riegelhaubenmacherinnen" oder "Goldstickerinnen", wie sich sie auf den Zetteln bezeichnen, wohnten z.B. in Augsburg oder Regensburg.
Sie stammt wahrscheinlich von Hauben des frühen 18. Jh. ab. Ihre Geschichte ist nur lückenhaft belegt. Meine gegenwärtige These lautet so: Im frühen18. Jh. gab es in ganz Europa eine Art Standard-Haubenform , bestehend aus Haubenboden, Rand, evtl. einem Spizen- oder Batistvolant und einem schmalen Band, das den Haubenboden im Genick so weit zusammenraffte, daß sie fest auf dem Kopf saß. (Siehe auch Hauben des 18. Jh.) Aus diesen Hauben, die normalerweise aus weißem Leinen gefertigt wurden, entwickelte sich in Süddeutschland eine prächtigere Form aus Brokatstoff mit einer Seidenschleife statt desschmalen Bandes im Nacken. Diese Haube wurde allmählich steifer - vielleicht, weil der kostbare Stoff besser zur Geltung kam, wenn er glatt aufgespannt wurde. Dann wurden Gold- oder Silberstickerei und Hohlspitze hinzugefügt; beide wirken besser und lassen sich besser anbringen, wenn die Unterlage recht steif ist.
Die
Bandschleife im Nacken entwickelte sich allmählich von einer funktionalen
Schleife zu einem bloßen Symbol einer Schleife, wie es für die Riegelhaube
typisch ist. Die Riegelhaube wurde bis ca. 1800 allmählich etwas kleiner.
Von 1800 bis 1820 schrumpfte sie rapide von knapp kopfumschließend auf
gut Handtellergroß, um danach wieder geringfügig größer
zu werden. Ab ca. 1850 geriet sie, zusammen mit der Münchner Tracht überhaupt,
beinahe in Vergessenheit.
Ich bin auf der Jagd nach der frühestmöglichen Riegelhaube bzw. ihren ältesten Vorfahren, auf daß ich beim Re-enactment ungestraft eine Riegelhaube tragen kann. Die früheste mir bekannte Darstellung ist eine Figur aus Nymphenburger Porzellan (Bild rechts), eine Zofe darstellend, von Bustelli und auf 1755 datiert (Bayerisches Nationalmuseum). Zu jener Zeit waren Riegelhauben noch relativ groß, bedeckten knapp die Ohren und hatten möglicherweise noch eine richtige Schleife hinten. Wer eine ältere Darstellung kennt, fühle sich hiermit inständig gebeten, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Zur Herstellung einer Riegelhaube des 18. Jh., siehe hier.
Auch wenn gerade für die frühe Zeit Hauben in allen möglichen Farben nachgewiesen sind, ist der größte Teil doch entweder mit Metallgarn, Bouillon und Pailletten in Gold oder Silber bestickt, oder mit schwarzen bzw. schwarzen und blauen Perlen (runde und Stifte). Nur ganz selten findet man z.B. Hauben, die mit silberfarbenen (Stift-)Perlen bestickt sind (z.B. im nächsten Bild, Mitte)
Es heißt allgemein, daß silberne Hauben von unverheirateten, goldene von verheirateten Frauen getragen wurden, aber selbst anständig recherchierte Quellen* sind sich da nicht sicher. Immerhin habe ich nun zwei Abbildungen aus dem sehr späten 18. Jh., in denen kleine Mädchen goldene Riegelhauben tragen (siehe auch "Münchner Tracht vor 1800" -> Wallfahrtskirche Niederschönenfeld). Die Bedeutung der schwarzen Hauben ist nicht ganz klar; vermutlich wurden sie von Witwen getragen, aber auch das ist wohl eher Spekulation. Es gibt daneben - selten, aber doch - auch Hauben aus Samt, Satin oder Brokat, mit farbigen Perlen oder Metallspitze.
Bilder (alle im Münchner Stadtmuseum):
Gold und silberne Perlen:
Brokat, Samt und Satin (gestreift):
Schwarze und blaue Perlen:
weißgekalkte Silberbullion:
Frühe Riegelhauben (alle Wallfahrtskirche Niederschönenfeld, Fotos Monika Höde):
sehr frühe Form, in gold
(datiert 1798)
frühe Form, in gold und rot
(1797)
vorklassische Form, in gold
(1817)
*) Szeibert-Sülzenfuhs, Rita. Die Münchnerinnern und
ihre Tracht : Geschichte einer traditionellen Stadttracht als Spiegel der weiblichen
Bürgerschicht. Dachau: Verlagsanstalt Bayernland, 1997