Personal hygiene

in the 18th century

 

When I was in school, our teacher told us stories about 18th century hygiene that were both amusing and horrible. People didn't bathe, but preferred to cover the stink with perfume and the dirt with make-up. The pathways of Versailles were covered in crap. In palaces, people withdrew behind the floor-length curtains to let flow... onto the hardwood floor. A history teacher! If only I could travel back in time and give her a piece of my mind...

What has been said about hairdos applies here as well: There is a grain of truth in it, but it's not as bad as some history books or teachers would have you believe.

Every bygone era is as much a foreign culture as one from a distant country. You cannot expect Amazonian hunter-gatherers to conform to the dress styles you consider normal, and likewise, you cannot expect the 18th century to have the same ideas of hygiene as the 21st century 1st world citizen. Back then, hygiene was quite important – but it was different.

Bathing

"They didn't bathe" is one very popular cliché. So let's have a look at what bathing meant in the 18th century – or any century before that.

If you can visit an open air museum with original buildings, pay attention to the numer of rooms, their sizes, and how many people originally lived in there. You'll find that ordinary people often lived in very cramped conditions. They couldn't afford the extra space for a designated bathroom. The alternative was a large vessel which had to be stored away somewhere, maybe in a barn. It could be made of wood or copper. Both were about expensive to make (relative to the family's income) as vessels of the same materials and similar size would be nowadays. Imagine a four-digit sum, be it Euros, Dollars or Pounds.

Now for the water. A modern tub can hold 150-200 litres. Let's be generous and assume 100L. For a temperature of 30°C, which is barely lukewarm, you'll need 30-35L boiling water and 65-70 L cold water (depends a bit on how cold your cold water is). 10-20 buckets full had to be pumped up or lifted bucket by bucket, then carried to the house. Few households would have had pots larger than 10L, so the water would have to be heated in batches of about 10L at a time. Nuber one is ready, poured into the tub, then number two is put on the fire, while number one gently cools. When all is said and done, you probably had to bring 50 litres to the boil, only to get a lukewarm bath. For one person. Oh, and someone has to chop and carry the wood for the fire.

The above should make it clear that bathing was, in pre-industrial times, extremely costly in terms of space, work, time and fuel, so that only a select few could afford a warm bath at home. It therefore made sense to use public baths as the ancient Romans did and some Japanese still do. The fact that we have indoor plumbing and hot running water doesn't entitle us to look down on bygone eras.

It isn't easy to find books on the subject that go beyond the old cliché level. One such by Georges Vigarello (see foot notes) has assmbled a number of original texts from th Middle Ages to the modern age which show that bathing was quite normal during the Middle Ages, but was slowly discredited during the 15th and 16ht century. There are various possible reasons for that; the one I've most often heard is that bath houses often doubled as brothels, or at least peep-shows. According to Vigarello, this is at least partially true, which would mean that bath houses were a major source of STD. To make matters worse, a new illness appeared around 1500, possibly one of the first American imports: Syphilis. In an era that had vague and superstitious ideas of how diseases were transmitted, bathing could conceivably be held to blame.

 

Ein weitaus einleuchtenderer Grund für den Niedergang der Badekultur aber besteht in der damals herrschenden Vorstellung, daß Wasser in der Lage sei, durch die Poren in den Körper einzudringen, ihn durch und durch aufzuweichen und ihn somit allen möglichen, im Wasser und in der Luft lauernden Gefahren gegenüber wehrlos zu machen². In einer Zeit wiederkehrender Pestepidemien erschien dies als äußerst bedrohlich. Entgegen gängiger Vorstellungen war die Pest nicht auf das Mittelalter beschränkt (man denkt da meist an die Epidemie von 1349/50), sondern flammte vor allem im 16. und 17. Jahrhundert immer wieder auf – eben in jener Zeit, als das Waschen mit Wasser zunehmend als schädlich betrachtet wurde.

Das heißt aber nicht, daß die Menschen von Sauberkeit nichts mehr hielten. Sie mußten nur Möglichkeiten finden, ohne Wasser oder zumindest ohne Eintauchen in selbiges sauber zu werden. Im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts wandelte sich deshalb der Sauberkeitsbegriff: Man rieb sich das Gesicht und z.T. den Körper mit sauberen (vielleicht auch nassen), parfümierten Tüchern ab, wechselte häufiger die Wäsche und puderte die Haare mit parfümierten Pudern. Hatte man im Mittelalter das Hemd einmal im Monat gewechselt, so wechselte man es im späten 17. Jh. zweimal die Woche. Weiße Wäsche und Wohlgeruch, ordentliche und der Mode entsprechende Kleidung wurden mit Sauberkeit gleichgesetzt³. Woran sonst konnte man auch Sauberkeit festmachen? Woran könnten wir heutige, wenn wir mal ehrlich sind, erkennen, ob jemand sauber oder schmutzig ist, wenn nicht am Geruch und dem Zustand seiner Kleidung? Vom Körper sah man nur Gesicht und Hände, dazu einen Teil der Wäsche. Übler Geruch galt als unsauber und schädlich, aber wenn man ihn nicht roch, dann galt er als neutralisiert (denkt außer mir noch jemand an Deo?).

Für die Zeit von Louis XIV dürften also einige der Geschichten, die uns heute so unglaublich vorkommen, wahr sein. Das gemeine Volk, das sich nicht genug Wäsche leisten konnte, um sie täglich zu wechseln, dürfte tatsächlich ziemlich gestunken haben. Wir dürfen aber auch nicht unterschätzen, daß selbst trockene Abreibungen, Katzenwäsche4; und frische Wäsche ein gewisses Maß an Sauberkeit gewährleisten. Übrigens war es noch nicht einmal nötig, Gerüche mit dem Luxusartikel Parfüm zu überdecken. Siehe weiter unten unter "Olfaktorisches".

Bathseba, 1457 Dürer, um 1500 Rubens, frühes 17. Jh. Artemisia Gentileschi, um 1650

 

Als ich nach Abbildungen von Badeszenen suchte, um diese Seite zu beleben, stolperte ich über das Thema der "Bathseba im Bad", das offebar v.a. vom Mittelalter bis ins 17. Jh. des öfteren gemalt wurde. Es fiel sofort auf, daß spätmittelalterliche Darstellungen Bathseba in einem Holzzuber sitzend zeigen, während man auf Abbildungen des 16. und 17. Jh. nur Bathsebas sieht, die neben einem Springbrunnen sitzen, neben einer großen Metallschüssel, oder von einer Dienerin die Beine mit einem Tuch abgerieben bekommen. Eine völlig ins Wasser getauchte Bathseba konnten sich Künstler des 17. Jh., im Gegensatz zu jenen des Spätmittelalters, offenbar nicht vorstellen – was die Ausführungen oben zu bestätigen scheint. Wobei man aber auch nicht übersehen darf, daß Renaissance und Barock das Thema gern zum Vorwand nahmen, um nacktes Fleisch darstellen zu dürfen, was in einem Zuber nicht gar so leicht möglich ist – aber, wie Dürer (Bild oben) vorführt, auch nicht unmöglich.

Da oft zwischen Barock (also frühes 17. bis frühes 18. Jh.) und dem 18. Jahrhundert (Rokoko bis Klassizismus) kein Unterschied gemacht wird, werden die oben geschilderten Verhältnisse häufig auch für das ganze 18. Jahrhundert behauptet. Tatsächlich aber wandelt sich ab ca. 1720/30 der Sauberkeitsbegriff ein weiteres Mal: Wasser gilt nun nicht mehr als nur schädlich; die Bathsebas sitzen nun neben Teichen oder großen Becken. Vollbäder werden zur Entspannung, für die Schönheitspflege und zu medizinischen Zwecken genommen; gewisse Körperregionen werden wieder mit Wasser gewaschen 5:

"Die Pflege der vornehmen Körperteile ist eine unumgängliche Notwendigkeit. Man muß sie jeden Tag waschen und dem zu diesem Zweck bestimmten Wasser alle Arten von aromatischen Pflanzen oder alkoholhaltigen Flüssigkeiten beimengen." (Le médecin des dames, 1772) 6

Dies gilt zunächst vor allem für den Adel und – etwas später – für das wohlhabende Bürgertum, wie einge von Vigarello zitierte Nachlaßinventare zeigen: Bidets, kupferne oder marmorne Badewannen, Nachtstühle und Wasserklosetts finden sich vor allem im Besitz des Adels7. Andererseits darf man, anders als Vigarello es tut, aus dem Mangel solcher Utensilien in bürgerlichen Nachlässen nicht schließen, daß der gemeine Bürger sich nicht wusch. Man hatte bloß nicht genug Platz im Haus für all diese Dinge, nicht genug Geld für eine Wasserleitung vom Brunnen ins Haus, oder nicht genug Personal (siehe Ausführungen zum Personal- und Sachaufwand für ein Bad weiter oben).

Wer sich das nicht leisten konnte, wusch sich wahrscheinlich mit Hilfe eines Waschlappens und eben jener Gefäße, die sonst zum Wäschewaschen und Geschirrspülen dienten. Solche großen Keramik-, Zinn- und Kupferschüsseln oder Holzgelten tauchten in Nachlaßinventaren dann eher nicht als Waschschüsseln auf, dürften den Gemeinen aber durchaus zum Waschen gedient haben.

Im letzten Viertel des 18. Jh. wandelt sich der Sauberkeitsbegriff dahingehend, daß man fließendem Wasser nahezu alles Gute zutraut. In den 1780en mehren sich die Stimmen derer, die glauben, daß man die Straßen von Paris nur täglich mit Wasser durchspülen müsse, um Krankheiten in den Griff zu bekommen. (Interessanterweise wurden die Straßen von Paris auch im späten 20. Jh. noch gereinigt, indem Wasser in großen Mengen durch die Gossen geleitet wurde.) Gleichzeitig erhalten immer mehr Häuser reicher Bürger und Adliger direkte Wasserzuleitungen, die privates Baden ermöglichen.

 

Aborte

Natürlich gehört auch das Klo zum Thema Hygiene. Meinen Recherchen zufolge ist es nicht wahr, daß man in Versailles gewohnheitsmäßig hinter die bodenlangen Vorhänge pinkelte und kackte, wie es meine Geschichtslehrerin erzählte. Wenn es in zeitgenössischen Quellen heißt, daß die Wege im Park von Versailles verkotet waren, heißt das nicht unbedingt, daß sie voller Fäkalien waren: Der Ausdruck "Kot" bezeichnete damals jede Art feuchten Drecks, also auch Matsch. Im 19. Jh. tat man sich viel darauf zugute, ach so viel besser zu sein als das Ancien Régime, und strich diese Überlegenheit gern heraus, indem man überlieferte Anekdoten übertrieb, verallgemeinerte, kreativ mißverstand und vielleicht sogar Märchen erfand. Da kam es gerade recht, daß man den Begriff "Kot" auch anders deuten konnte. Es wird überliefert, daß während höfischer Zeremonien Louis XIV niemand fortgehen durfte, auch nicht aufs Klo, weshalb manche Höflinge an Ort und Stelle laufen lassen mußten8. Aber auch wenn das wahr sein sollte, heißt das noch lange nicht, daß so etwas eine alltägliche Gewohnheit war, sonst hätte es auf Versailles keine (met verlöff, met verlöff) Kackstühle gegeben, von denen Liselotte von der Pfalz erzählt (die als Schwägerin von Louis XIV im Schloß von Versailles wohnte):

"Ich weiß ein Galand, welchen ich aber nicht nennen will noch darf, welcher als mit seiner maitresse auf'n kackstuhl geht und wann eins von ihnen seine sachen verricht hat, dann setzt sich das andere drauf, und entretenieren einander auf diese weise." (An Herzogin Sophie am 24. Juli 1678)

In den Schlössern des 18. Jh. gibt es nicht nur Kack- oder Nachtstühle, sondern zuweilen auch Erker, in denen man sich auf ein Brett mit Loch darin setzt. Die Fäkalien fielen dann vermutlich auf eine Art Misthaufen, der auch die Abfälle und Abwässer der Küche aufnahm, wie z.B. in dem Jagdschloß, das kürzlich im Freilichtmuseum in Bad Windsheim wiederaufgebaut wurde. Im gleichen Museum finden sich auch ein Häcklerhaus9 aus dem 18. und eine Mühle aus dem 16. Jh., mit angeschlossenem Abort in Form einer Bretterbude über einer Grube im Boden, sowie zwei Höfe, bei denen die Bretterbude über den Misthaufen ragend gebaut ist. Im Freilandmuseum Wackershofen hat ein Gasthof aus dem 18. Jh. einen Klo-Erker im Obergeschoß. Ein Klo war also, zumindest auf dem Land, durchaus kein Luxus und selbst das "niedere Volk" zog es vor, Exkremente außerhalb des Wohnhauses abzuladen. Warum also sollte es ausgerechnet der Hochadel anders halten?

 

Olfaktorisches

Selbst wenn man akzteptiert, daß Hygiene damals anders betrachtet wurde als heute, bleibt die Frage: Wie hielten es die Menschen damals aus, daß sie selbst, ihre Mitmenschen und deren Exkremente die Luft verpesteten?

Wer einmal unter damaligen Bedingungen gewirtschaftet hat, z.B. in einem Freilichtmuseum, ahnt einen Teil der Antwort: Der Holzrauch der Küche, der Öfen und (in Schlössern) offenen Kamine zieht durchs ganze Haus und durchdringt die Kleidung und Hautporen jedes Bewohners. In einem Dorf rauchen viele Schlote - irgendwann riecht einfach jeder nach Rauch. Der Holzrauch überdeckt alles. Mit der Zeit stumpft die Nase ab und nimmt den Rauchgeruch nicht mehr wahr, die davon überdeckten Körpergerüche erst recht nicht. Wenn ich von einer histrorischen Veranstaltung heimkomme, rieche ich den Rauch in den Textilien erst, wenn ich geduscht habe. Andere Gerüche als Rauch habe ich selbst im heißesten Sommer nicht wahrgenommen.

Obendrein hielten viele Angehörige der Unter- und Mittelschicht Vieh, das z.T. im Wohngebäude untergebracht war (auch das wird in Freilichtmuseen deutlich). Der Geruch des Viehs und seiner Exkremente überdeckt, im Verein mit dem Holzrauch, jeglichen menschlichen Eigengeruch.

 

 

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Quellen:

*) Quadratmeter-Schätzungen für Häuser in den Freilandmuseen Bad Windsheim und Fladungen, kombiniert mit Museums-Angaben über deren Bewohner
1) Vigarello, Georges. Wasser und Seife, Puder und Parfüm: Geschichte der Körperhygiene seit dem Mittelalter. Frankfurt/M.: Campus, 1992, S. 38-46; 2) S. 17ff; 3) S. 73ff; 5) S. 115ff; 5) S. 132; 6) S.130f, 135f
Zimmermann, P. Die junge Haushälterinn. Luzern: J.M. Anich, 1807 (Erstauflage 1787)
Casanova, Giacomo. Erinnerungen.
Bräuning-Oktavio, Hermann (Hrsg.). Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans, gen. Liselotte. Altenburg, o.J. (Mit den Worten "met Verlöff, met Verlöff" pflegte Liselotte Deftigkeiten einzuleiten.)
4) Gelten nicht Katzen als sauber, obwohl sie nie baden?
8) Ich weiß nicht mehr, wo ich diese Geschichte gefunden habe, und kann daher nicht nachprüfen, ob nicht auch das ein Märchen ist. Interessant ist aber, daß ähnliches von den Predigten eines Pariser Priesters des 17. Jh. berichtet wird (Jacob Blume. Von Donnerbalken und innerer Einkehr. Göttingen: Werkstatt, 2002) Solche Ähnlichkeiten lassen schnell den Verdacht auf Legende aufkommen.
9) Häckler oder Heckler waren Kleinbauern, die gerade so viel Land besaßen, wie sie mit der Hacke bearbeiten konnten. Sie hatten oft einen Weinausschank als Nebenerwerb.

Siehe auch:
"Stimmt's?"

 

 

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