{"id":1248,"date":"2011-06-16T20:06:23","date_gmt":"2011-06-16T19:06:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=1248"},"modified":"2011-11-22T00:14:44","modified_gmt":"2011-11-21T23:14:44","slug":"ein-neues-zelt-konstruktion","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=1248","title":{"rendered":"Ein neues Zelt: Konstruktion, Schnitt"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl ich schon ein quadratisches Zelt habe, hat mir die Kostruktion einiges Kopfzerbrechen bereitet.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nVon Anfang an war klar, da\u00df die Seitenl\u00e4nge ca. 3 Meter betragen sollte, und da\u00df die Seiten zus\u00e4tzliche Steher (d.h. senkrechte, abgespannte Stangen) brauchen. Das alte Zelt hat an der Dachkante eine Seitenl\u00e4nge von 2,4 m und h\u00e4ngt selbst bei stammster Abspannung ein wenig durch. Da das Bett an einer Wand stehen mu\u00df, hing die Seite immer ein wenig \u00fcber das Bett, was vor allem in Regenn\u00e4chten kein sch\u00f6nes Gef\u00fchl ist.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nEs war auch abgemacht, da\u00df die W\u00e4nde extra Teile werden sollten, um mittels Haken und \u00d6sen ans Dach geh\u00e4ngt zu werden, wie es auch bei den Milit\u00e4rzelten der Fall war. Beim alten Zelt sind Dach und W\u00e4nde zu einem Teil zusammengen\u00e4ht, aber da Leinen viel schwerer ist als Baumwolle, kam das nicht in Frage. Au\u00dferdem wollte ich unbedingt Fenster mit Raffrollos haben (auch die gab es bei den Milit\u00e4rzelten!), denn selbst bei m\u00e4\u00dfig warmem Wetter kann sich in einem Zelt unglaubliche Hitze stauen.<!--more--><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nDie W\u00e4nde sollten m\u00f6glichst wieder 1,8 m hoch sein, damit man sich beim eintreten nicht b\u00fccken mu\u00df. Das w\u00e4ren dann (bei einer Seitenl\u00e4nge von 3 m) 12 x 1,8 Meter. Deshalb sollten die W\u00e4nde aus mindestens zwei Teilen bestehen, damit ich nicht so viel Stoff auf einmal schleppen mu\u00df.  Die M\u00f6glichkeit, eine Seite als Sonnensegel hochzuklappen, h\u00e4tte ich gern behalten, aber das h\u00e4tte eine Dreiteilung der W\u00e4nde bedeutet: 3 Meter Sonnensegel plus 9 Meter, die zu halbieren w\u00e4ren. Das war symmetrisch nicht zu machen, weil noch zwei weitere \u00dcberlegungen ins Spiel kommen:<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nDa\u00df man im 18. Jh. aus technischen Gr\u00fcnden selten breiter als 1 m gewebt hat (d.h. ein authentisches Zelt darf keine breiteren Bahnen haben) und da\u00df Bahnen von 1 m Breite gut auf die verf\u00fcgbaren Stoffballen (Breite 2,15 m) pa\u00dften. F\u00fcr Bahnen von 1 m Breite sprach auch, da\u00df ich auf diese Weise zwei Steher pro Seite anbringen konnte: Bei den historischen Zelten sind Steher immer da angebracht, wo auch eine Naht im Zeltstoff ist, die zus\u00e4tzlich mit einem Leinenband verst\u00e4rkt ist. Das hat sicherlich statische Gr\u00fcnde. Ich h\u00e4tte die 9 Meter also 4:5 aufteilen m\u00fcssen, was mich per se nicht gest\u00f6rt h\u00e4tte, aber der asymmetrisch versetzte Hintereingang h\u00e4tte nicht dazu gepa\u00dft, wie ich die Inneneinrichtung verteilen mu\u00dfte.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nIch entschied mich daher f\u00fcr eine L\u00f6sung ohne Sonnensegel (mittlerweile habe ich sowieso ein extra-Segel), die der Konstruktion der ovalen Milit\u00e4rzelte \u00e4hnelt: In der vorderen und hinteren Mitte ist jeweils eine Bahn am Zeltdach angen\u00e4ht, die den vorderen und hinteren Eingang darstellt; beidseits davon werden dann die beiden Wandteile (je 5 x 1,8 m) ans Dach gehakt. In die Mitte derselben, d.h. in die Mitte beider Seitenw\u00e4nde, kommen dann die beiden Fenster.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nDas Dach stellte eine rechte Herausforderung dar. Es besteht aus vier gleichschenkligen Dreiecken (eins pro Seite des Quadrats, im Bild unten CBD), die wiederum als je zwei rechtwinklige Dreiecke (ABC) aufgefa\u00dft werden k\u00f6nnen:<br \/>\n<div id=\"attachment_1263\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/grundriss1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1263\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/grundriss1-300x295.gif\" alt=\"grundriss\" title=\"grundriss\" width=\"300\" height=\"295\" class=\"size-medium wp-image-1263\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/grundriss1-300x295.gif 300w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/grundriss1.gif 507w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1263\" class=\"wp-caption-text\">Grundri\u00df des Zelts<\/p><\/div><br \/>\nDa alle acht rechtwinklige Dreiecke sind, m\u00fc\u00dfte sich die L\u00e4nge der Schr\u00e4ge (d.h. der Strecke zwischen Eckpfosten B und Mittelpfosten C) nach Pythagoras berechnen lassen, wenn die L\u00e4ngen der anderen zwei Seiten ([AB] und [AC]) bekannt sind. Die L\u00e4nge der unteren Kante [AB] ist klar: halbe Seitenl\u00e4nge, also 1,5 Meter. Und die H\u00f6he? Bei meinem alten Zelt ist die Mittelstange 1 m h\u00f6her als die W\u00e4nde, aber da das Dach schr\u00e4g ist, betr\u00e4gt die H\u00f6he der Stoffbahn eben nicht 1 m. Um zu bestimmen, wie hoch so ein achtel-Dreieck sein soll, mu\u00df man das Zelt von der Seite her betrachten:<br \/>\n<div id=\"attachment_1260\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/dach-von-seite1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1260\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/dach-von-seite1-300x196.gif\" alt=\"dach von seite\" title=\"dach von seite\" width=\"300\" height=\"196\" class=\"size-medium wp-image-1260\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/dach-von-seite1-300x196.gif 300w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/dach-von-seite1.gif 830w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1260\" class=\"wp-caption-text\">Dach, von der Seite betrachtet<\/p><\/div><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nDas ist wieder ein rechtwinkliges Dreieck. Laut Pythagoras ist a\u00b2+b\u00b2=c\u00b2, oder [AC&#8216;]\u00b2+[CC&#8216;]\u00b2=[AC]\u00b2, oder 1,5\u00b2+1\u00b2=[AC]\u00b2, oder 2,25+1=?[AC] ? 1,8. Die Seite [AC] ist also etwa 1,8 m lang.  Nach dem gleichen Schema k\u00f6nnen wir nun die Schr\u00e4ge [BC] berechnen: [AB]\u00b2+[AC]\u00b2=[BC]\u00b2 oder 1,5\u00b2 + 1,8\u00b2 = [AC]\u00b2 oder 2,25 + 3,24= ?[AC] , d.h. [AC] ? 2,34.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nUm meinen Plan zu \u00fcberpr\u00fcfen, baute ich ein Modell aus Papier. Die Ma\u00dfe stimmten, aber die Dachschr\u00e4ge stellte sich als zu flach heraus (was auch logisch ist, da das neue Zelt ja etwas gr\u00f6\u00dfer ist als das alte): Je steiler die Dachneigung, desto besser l\u00e4uft der Regen ab, desto weniger leicht suppt es durch. Ich verl\u00e4ngerte also die Mittelstange auf 2,9 m &#8211; die zehn Zentimeter machen erstaunlich viel aus &#8211; und berechnete alles neu.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nDa die Bahnen nur 1 m breit sein sollen, und weil es sinnvoll ist, die Steher da anzubringen, wo eine Naht den Zeltstoff verst\u00e4rkt, sollten auch die Dach-Bahnen einen Meter breit sein. Das bedeutet, da\u00df es eine mittlere Bahn gibt, die entlang der Mitte ca. 2,4 m lang ist und 1 m breit, und seitlich daran angesetzt je zwei rechtwinklige Dreiecke, die jeweils ebenfalls 1 m breit sind.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nNun erst konnte ich den Stoffverbrauch bestimmen. Schon im Vorfeld hatte ich festgestellt, da\u00df die g\u00fcnstigste Quelle f\u00fcr Leinwand der K\u00fcnstlerbedarfshandel <a href=\"http:\/\/www.boesner.com\">Boesner<\/a> ist. F\u00fcr die W\u00e4nde hatte ich schon fr\u00fcher einen Ballen (10m x 2,15 m) der Sorte Toledo besorgt. Toledo ist ein mittelschweres (375g\/m\u00b2), relativ g\u00fcnstiges (ca. 180 \u20ac pro Ballen) Leinen, das nicht allzu dicht gewebt ist und daher nicht f\u00fcr ein Zeltdach geeignet. Aber f\u00fcr senkrechte W\u00e4nde, so dachte ich mir, m\u00fc\u00dfte es reichen, zumal die W\u00e4nde gef\u00fcttert werden sollen &#8211; was sie noch schwerer macht, so da\u00df es erst recht sinnvoll ist, einen leichteren Stoff zu w\u00e4hlen. Ein Ballen reicht f\u00fcr meine Zwecke um 2 m nicht, aber ich hatte fr\u00fcher schon einen halben Ballen Toledo sehr g\u00fcnstig auf eBay geschossen. F\u00fcrs Dach hatte ich die Sorte Toscana (ebenfalls von Boesner, ebenfalls 10 m x 2,15 m) vorgesehen, die viel dichter, aber auch viel schwerer ist (510g\/m\u00b2). Das Dach wollte ich nicht f\u00fcttern, um es nicht noch schwerer zu machen (nach meinenr Rechnung wird es schon ohne die angesetzten &#8222;T\u00fcren&#8220; ca. 12 kg wiegen), au\u00dferdem h\u00e4tte der Futterstoff nicht ausgereicht. Als Futter hatte ich 17 Meter eines IKEA-Stoffs mit 18.-Jh.-Muster gekauft &#8211; einen der letzen, bevor auf allzu moderne Muster umgestellt wurde &#8211; , ohne genau zu wissen, wieviel ich brauchen w\u00fcrde. Es sieht so aus, als ob es knapp werden w\u00fcrde. Da der Futterstoff eine Bahnbreite von 1,5 m hat, die Au\u00dfenh\u00fclle aber eine von 1 m, wird das Futter in der Mitte einiger Zeltbahnen eine Naht haben m\u00fcssen.<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl ich schon ein quadratisches Zelt habe, hat mir die Kostruktion einiges Kopfzerbrechen bereitet. &nbsp; Von Anfang an war klar, da\u00df die Seitenl\u00e4nge ca. 3 Meter betragen sollte, und da\u00df die Seiten zus\u00e4tzliche Steher (d.h. senkrechte, abgespannte Stangen) brauchen. 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