{"id":2143,"date":"2014-10-12T22:27:40","date_gmt":"2014-10-12T21:27:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2143"},"modified":"2014-10-29T22:49:36","modified_gmt":"2014-10-29T21:49:36","slug":"gut-beschirmt-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2143","title":{"rendered":"Gut beschirmt"},"content":{"rendered":"<p>Das n\u00e4chste Projekt kombiniert endlich eines der beiden Hobbys, die mich derzeit so ablenken, mit dem historischen Hobby: stricken. Historisch geht da normalerweise nicht viel &#8211; Str\u00fcmpfe, Armstutzl, vielleicht noch Hausm\u00fctzen f\u00fcr M\u00e4nner oder Geldstr\u00fcmpfe, das war&#8217;s weitestgehend schon. Aber dann fand ich in einem Ravelry-Forum ein <a href=\"http:\/\/www.ravelry.com\/discuss\/historic-knitting\/2981412\/1-25\" target=\"_blank\">Bild von einem Sonnenschirm-Bezug aus gestrickter Spitze<\/a>. Boah!<\/p>\n<p>Ich hatte schon ein bi\u00dfchen Spitze gestrickt und es immer doof gefunden, das selbst deutschsprachige StrickerInnen von &#8222;Lace&#8220; schrieben. Wieso mu\u00df man etwas Englisch benennen, wenn es ein deutsches Wort gleicher Bedeutung gibt, das nicht einmal lang und umst\u00e4ndlich ist? Seit ich mich auf die Suche nach Anleitungen f\u00fcr so ein Spitzen-Schirmdach begeben habe, finde ich das zwar immer noch doof, bin aber irgendwie dankbar, da\u00df dieses im Vergleich geradezu grobschl\u00e4chtige Zeug, das unter &#8222;Lace&#8220; firmiert, einen anderen Namen hat als das, was ich nun entdeckte. Eine v\u00f6llig neue Welt tat sich auf! <!--more--><\/p>\n<p>Es ist eine seltsame Welt, denn die Vorlagen stammen gr\u00f6\u00dftenteils aus dem deutschen Sprachraum, aber f\u00fcr das, was man meistens danach strickt, gibt es nur im Englischen einen gescheiten Begriff: Doilies. Spitzendeckchen. Oder Spitzen-Tischdecken, denn manche sind fast 2 m im Durchmesser. Englischsprachige Raveler nennen diese Anleitungen bzw. die danach gestrickten Projekte z.b. &#8222;Nieblings&#8220; oder &#8222;Duchrows&#8220;*, nach dem Autor, und geben sich alle M\u00fche, die deutschen Anleitungen zu verstehen &#8211; genau andersrum als es auf Ravelry sonst der Fall ist. Die meisten B\u00fccher oder Hefte, die solche Muster enthalten, f\u00fchren das Wort &#8222;Kunststricken&#8220; im Titel. Besser k\u00f6nnte man das nicht benennen. <\/p>\n<p>Es war nicht leicht, eine Anleitung zu finden. Zwar gibt es Nachdrucke der Niebling-Muster, aber wenn man so ein Heft kauft, wei\u00df man nicht, was man darin finden wird. Ein Heft z.b. hat ausschlie\u00dflich Muster, bei denen eine Spitze an einen Mittelteil aus Stoff angestrickt wird &#8211; v\u00f6llig ungeeignet. Muster f\u00fcr kleine Platz-Sets sind ungeeignet und bei gro\u00dfen Decken ist die Frage, ob es einen abgrenzbaren Mittelteil gibt, nach dem man zu stricken aufh\u00f6ren kann, und wie gro\u00df der w\u00fcrde, wenn man nur diesen strickt. Bei einem Sonnenschirm-Dach sind 2 cm hin oder her durchaus entscheidend. <\/p>\n<p>Was ist &#8222;mittelstarke Kunstseide&#8220;? Ist mit Nadelst\u00e4rke 2 1\/2 die heutige 2,5 mm gemeint? Nein, denn ein Muster forderte Nadelst\u00e4rke 8\/0. Das gibt es bei Ami-Ma\u00dfen und ist auf deutsch 0,5 mm. Anscheinend hat man zu Herrn Nieblings Zeiten mit Nadelst\u00e4rken operiert, die den heutigen Ami-Ma\u00dfen entsprechen. <\/p>\n<p>Dann mu\u00df das Muster 8 Achsen haben, weil der Schirm 8 Speichen hat, und das fertige Deckchen mu\u00df so gro\u00df sein wie der Durchmesser des Schirmdachs. Letzteres ist das gr\u00f6\u00dfte Problem, denn die meisten Muster, die ich fand, waren f\u00fcr Nadelst\u00e4rken \u00fcber 2mm gemacht, mit entsprechend dickem Garn, was mir f\u00fcr das 19. Jh. zu grob erschien. Allzu modern sollte das Muster auch nicht sein. <\/p>\n<p>Ich entschied mich f\u00fcr ein Deckchen, das bei Nadelst\u00e4rke 2 1\/2 (3 mm) 80 cm Durchmesser haben sollte. Als Garn Maulbeerseide 20\/2 vom <a href=\"http:\/\/das-wollschaf.de\">Wollschaf<\/a>, das entspricht in etwa Knopflochseide, dazu Nadelst\u00e4rke 1,5. Ein Nadelspiel f\u00fcr die ersten paar Runden hatte ich schon (HiyaHiya), aber f\u00fcr sp\u00e4ter brauchte ich noch eine Rundnadel. Die meisten Marken haben 3mm als kleinste Gr\u00f6\u00dfe f\u00fcr Rundnadeln. ChiaoGoo Lace geht runter bis 2mm, Addi Lace bis 1,5 mm, und wenn man so stricken will, wie es im 18. und 19. Jh. \u00fcblich war und wie es manche (erstaunlich wenige, finde ich) Kunststrick-Muster fordern, bleibt nur noch die chinesische Marke HiyaHiya mit der kleinsten Nadelst\u00e4rke 0,7 mm. Wobei&#8230;  das bezieht sich nur auf Rundnadeln. Als Nadelspiele gibt es z.B. Karbonz 1 mm. <\/p>\n<p>*) Herbert Niebling und Christine Duchrow <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das n\u00e4chste Projekt kombiniert endlich eines der beiden Hobbys, die mich derzeit so ablenken, mit dem historischen Hobby: stricken. Historisch geht da normalerweise nicht viel &#8211; Str\u00fcmpfe, Armstutzl, vielleicht noch Hausm\u00fctzen f\u00fcr M\u00e4nner oder Geldstr\u00fcmpfe, das war&#8217;s weitestgehend schon. 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