{"id":2292,"date":"2015-11-25T21:04:04","date_gmt":"2015-11-25T20:04:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2292"},"modified":"2015-12-04T14:51:05","modified_gmt":"2015-12-04T13:51:05","slug":"mehr-wollverarbeitung-vliese-kaufen-und-waschen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2292","title":{"rendered":"Mehr Wollverarbeitung: Vliese kaufen und waschen"},"content":{"rendered":"<p>Wie im ersten Artikel dieser Kategorie (Wollverarbeitung) erw\u00e4hnt, hat mich im Sommer die Neugier auf alte, seltene Schafrassen, oder genauer auf deren Wolle gepackt. Da, wo man normalerweise Spinnfasern kauft, findet man die eher nicht, da mu\u00df man schon direkt zum Z\u00fcchter gehen. Auf eBay wird auch Rohwolle angeboten, aber da wei\u00df man nie, was f\u00fcr eine Qualit\u00e4t man bekommt. Das kann auch v\u00f6llig verfilzt und vollgeschissen sein und daher nur f\u00fcr den Komposthaufen taugen. Auf Facebook gibt es Gruppen wie z.B. &#8222;Spinnfutter? Hier kann man es kaufen&#8220; sowie diverse Spinn-Gruppen, in denen manchmal auch Rohwolle angeboten wird. Meistens von Leuten, die selber spinnen und daher wissen, welche Sorte Vlies Geld wert ist und welche nicht. Wenn man eine Weile in diesen Gruppen mitgelesen hat, kann man auch einsch\u00e4tzen, wer die Kompetenz hat, ein Vlies zu beurteilen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163933.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163933-300x224.jpg\" alt=\"20150703_163933\" width=\"300\" height=\"224\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2306\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163933-300x224.jpg 300w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163933.jpg 643w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nAb Mai habe ich auf die Schafschur gelauert, um frische Vliese abzugreifen, denn ich hatte in entsprechenden Foren gelesen, da\u00df das Wollwachs und\/oder Lanolin im Lauf der Zeit verharzt und dann nur noch schwer auszuwaschen ist. Vliese vom Vorjahr waren damit raus. Man wei\u00df ja auch nicht, wie sie gelagert wurden: Wom\u00f6glich feucht und mit allem Schafschei\u00df drin in Plastik gestopft? Mal abgesehen vom B\u00e4h tut das der Faserqualit\u00e4t bestimmt nichts Gutes. Und wer wei\u00df, was da an Motten und Teppichk\u00e4fern&#8230; danke, habe ich selber schon genug von.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nWorauf sollte man also beim Kauf achten? Folgende Tips hat man mir in diversen Foren gegeben:<!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>\nDas Vlies sollte gut geschoren sein, d.h. mit m\u00f6glichst wenig Nachschnitt. Der entsteht, wenn der Scherer nicht dicht genug an der Haut entlangschneidet und deshalb nochmal dr\u00fcbergehen mu\u00df. Dann ist die Wolle nicht so lang, wie sie sein k\u00f6nnte, und es entstehen Knubbel sehr kurzer Wolle, die f\u00fcr nichts gut sind, die man bei Verkauf per Gewicht aber mitbezahlt. <\/li>\n<li>Die Unterwolle sollte nicht verfilzt sein, d.h. sie mu\u00df sich leicht auseinanderziehen lassen.<\/li>\n<li>Es sollte nicht allzu viel Fremdmaterial in der Wolle sein, also z.B. Erde, Pflanzenteile, Insekten oder Kacke. Auch da bezahlt man per Gewicht zuviel mit, vor allem aber hat man das Problem, das Zeug aus der Wolle rauszukriegen. Es gibt gewisse Partien eines Vlieses, die ein guter Verk\u00e4ufer aussortiert, bevor er das Verkaufsgewicht bestimmt: Verkackte Popowolle, verfilzte Bauchwolle und die eigentlich recht gute, aber bei Stallhaltung oft stark von Pflanzenkram durchsetzte Nackenwolle.<\/li>\n<li>Vorzugsweise diesj\u00e4hrige Wolle kaufen, weil das Wollfett mit der Zeit verharzt und dann nur noch schwer rauszukriegen ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu der Frage, wie man ein Vlies waschen sollte, gibt es ungef\u00e4hr so viele Antworten, wie es Leute gibt, die Vliese waschen. Sicher ist: Haare tierischen Ursprungs, also auch Menschenhaare, leiden unter dem Einflu\u00df von Basen. Klassische Seifen, auch als besonders mild gepriesene Oliven\u00f6lseifen, sind basisch und daher eher sch\u00e4dlich. Das gilt auch f\u00fcr Waschsoda, das manchmal zum Waschen von Vliesen empfohlen wird. Das bedeutet nicht zwangsl\u00e4ufig, da\u00df Seife oder Soda nicht zum Waschen von Vliesen geeignet w\u00e4ren: Ich habe einige meiner Vliese erfolgreich in Waschsoda-L\u00f6sungen gewaschen. Man mu\u00df sich aber bewu\u00dft sein, da\u00df Basen die Neigung der Wolle zum filzen erh\u00f6hen, und entsprechend verfahren.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nKlar ist, da\u00df man alles vermeiden sollte, was man bei der Filzherstellung macht: die Wolle mit hei\u00dfem Seifenwasser \u00fcbergie\u00dfen und sie dann massieren. Damit ist auch klar, was vermieden werden mu\u00df: Basisches Milieu plus pl\u00f6tzliche Temperaturwechsel plus Agitation.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nMein Waschprogramm im vergangenen Sommer sah so aus:<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nGrooo\u00dfes Gef\u00e4\u00df (z.B. einen alten Waschkessel) in den Garten stellen, Vlies rein, Wasser aus dem Gartenschlauch drauf, \u00fcber Nacht einweichen lassen. Am n\u00e4chsten Tag war das Wasser ziemlich ekelig. Ich habe den Garten damit gegossen; wahrscheinlich war es gleichzeitig auch noch D\u00fcnger.<br \/>\n<div id=\"attachment_2304\" style=\"width: 294px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163939_medium2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2304\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163939_medium2-284x300.jpg\" alt=\"Bentheimer Landschaf im Einweichwasser. Mjam!\" width=\"284\" height=\"300\" class=\"size-medium wp-image-2304\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163939_medium2-284x300.jpg 284w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163939_medium2.jpg 605w\" sizes=\"auto, (max-width: 284px) 100vw, 284px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2304\" class=\"wp-caption-text\">Bentheimer Landschaf im Einweichwasser. Mjam!<\/p><\/div><br \/>\nTag 2: Tensid (mal Waschsoda, mal Geschirrsp\u00fclmittel) in den Kessel, in hei\u00dfem Wasser unter R\u00fchren aufl\u00f6sen, Vlies rein, so lange hei\u00dfes Wasser (um die 70\u00b0-80\u00b0) draufkippen, bis Vlies bedeckt oder das Gef\u00e4\u00df voll war. Kein r\u00fchren, nur sanftes runterdr\u00fccken, bis das ganze Vlies untergetaucht war. Stehen lassen, bis es ausgek\u00fchlt war, meist \u00fcber Nacht. Rausnehmen, abtropfen lassen. Zweck dieser Phase war, das Wollfett und den darin klebenden Schmutz zu l\u00f6sen, und das geht umso besser, je hei\u00dfer das Wasser ist.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nJe nachdem, wie dreckig das Vlies danach noch wirkte, habe ich diesen Vorgang wiederholt oder ging zu Phase zwei \u00fcber: Waschmaschine. Das Vlies kam in einen alten Kopfkissen- oder Bettbezug (je nach Gr\u00f6\u00dfe) und dann ab in die Waschmaschine, Wollprogramm 30\u00b0. Bei den meisten Vliesen waren zwei WaMa-Durchg\u00e4nge n\u00f6tig, bei manchen auch drei. Das schien mehr mit der Gr\u00f6\u00dfe des Vlieses als mit der Menge an Dreck zusammenzuh\u00e4ngen. Die WaMa sp\u00fclt auch eigentlich nur noch den Dreck raus; das L\u00f6sen des Wollfetts hat ja vorher schon der hei\u00dfe Tensid-Bottich erledigt. Deshalb waren Durchgang 2 und 3 dann auch meistens mit kaltem Wasser, aber immer noch Wollprogramm.<br \/>\n&nbsp;<div id=\"attachment_2308\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163945.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2308\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163945-215x300.jpg\" alt=\"Trocknen auf einem alten Laken\" width=\"215\" height=\"300\" class=\"size-medium wp-image-2308\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163945-215x300.jpg 215w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163945-733x1024.jpg 733w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20150703_163945.jpg 795w\" sizes=\"auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2308\" class=\"wp-caption-text\">Trocknen auf einem alten Laken<\/p><\/div><br \/>\nNach dieser Behandlung waren alle Vliese weitgehend (aber nicht v\u00f6llig) fettfrei, schienen aber nicht gelitten zu haben. Richtig vliesf\u00f6rmig waren sie sp\u00e4testens nach der Waschmaschine nicht mehr, aber keins war verfilzt, und das ist das Wichtigste. In Zukunft w\u00fcrde ich allerdings sicherheitshalber zwei Dinge \u00e4ndern: <\/p>\n<ol>\n<li>ein abschlie\u00dfendes Bad in Wasser mit Essig oder Zitronens\u00e4ure drin, um die Basen auszugleichen, oder<\/li>\n<li>Wollwaschmittel, das sollte pH-neutral sein. Sagt die Perwoll-Webseite, wohingegen ein \u00d6ko-Wollwaschmittel als &#8222;mit Oliven\u00f6lseife&#8220; angepriesen wird. Seife in Wollwaschmittel?! Da kann ich ja gleich mit Kernseife waschen! (<a href=\"http:\/\/www.ravelry.com\/discuss\/fiber-prep\/3249228\/26-50#37\" target=\"_blank\">Tun manche Leute sogar, mit selbergemachter<\/a>. Darf man aber nicht mit allen Wollsorten machen, sagen sie.)<\/li>\n<li>Wenn es bei Aldi mal wieder diese Plastikk\u00f6rbe gibt, wahlweise dicht oder als Gitter, dann kaufe ich mir von jeder Sorte einen. Wenn man die ineinanderstellt, hat man eine Waschwanne mit Siebeinsatz und mu\u00df nicht immer bis zum Ellenbogen ins stinkige Wasser, um das Vlies herauszuheben.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie im ersten Artikel dieser Kategorie (Wollverarbeitung) erw\u00e4hnt, hat mich im Sommer die Neugier auf alte, seltene Schafrassen, oder genauer auf deren Wolle gepackt. 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