{"id":2573,"date":"2018-10-13T19:01:04","date_gmt":"2018-10-13T18:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2573"},"modified":"2018-10-13T19:27:03","modified_gmt":"2018-10-13T18:27:03","slug":"nachts-im-museum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2573","title":{"rendered":"Nachts im Museum \u2014 Details 1"},"content":{"rendered":"<p>Ich wollte ja schon lange mal ein paar spannende Detailfotos historischer Textilien zeigen, aber erst seit gestern habe ich Bildmaterial ohne Urheberrechtsprobleme. Als ich das letzte Mal Gelegenheit hatte, in einem Museum Fotos zu machen, hatte ich in einem Anfall geistiger Umnachtung darauf verzichtet, die gscheite Kamera mitzunehmen. Die kann doch auch nur 13MP, genau wie die Handycam, also reicht das Handy doch, oder? Pustekuchen. War ich entt\u00e4uscht, als ich daheim die Fotos auspackte! <\/p>\n<p>Aber gestern war ich bei einem <a href=\"https:\/\/www.bayerisches-nationalmuseum.de\/index.php?id=47&#038;no_cache=1&#038;tx_ttnews%5Btt_news%5D=2226&#038;cHash=ec480718d5ce42c2ec7916aeb3280c74\">Bloggerwalk im Bay<del>e<\/del>rischen Nationalmuseum<\/a>, und als ich dann die Bilder sichtete, war klar: Jetzt mu\u00df es raus!<\/p>\n<p>Das Handy hatte ich nat\u00fcrlich auch dabei, so da\u00df man hier den Unterschied sch\u00f6n sehen kann: <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/leuchter1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/leuchter1.jpg\" alt=\"\" width=\"489\" height=\"600\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2575\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/leuchter1.jpg 489w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/leuchter1-245x300.jpg 245w\" sizes=\"auto, (max-width: 489px) 100vw, 489px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/leuchter2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/leuchter2.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"600\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2576\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/leuchter2.jpg 530w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/leuchter2-265x300.jpg 265w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aber kommen wir zum Wesentlichen: Die Klamotten. Wenn man aus Richtung der Jagdabteilung kommt, lockt schon von Ferne eine Robe \u00e0 la Fran\u00e7aise aus Baumwollstoff, und man denkt: Och, h\u00fcbsch. Chintz. Und ja, an manchen Stellen gl\u00e4nzt der Stoff auch wie gechintzt. Aber nein, der handels\u00fcbliche Zitz des 18. Jahrhunderts war gedruckt \u2013 dieser hier ist bemalt. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe1-237x300.jpg\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"300\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2579\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe1-237x300.jpg 237w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe1.jpg 474w\" sizes=\"auto, (max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><\/a><!--more--><\/p>\n<p>Ich habe lange an den maximal vergr\u00f6\u00dferten Fotos rumgegr\u00fcbelt, woher man wei\u00df, da\u00df der Stoff bemalt ist. Die Auswahl der Farben ist n\u00e4mlich exakt die gleiche wie bei krappgef\u00e4rbten Zitzen. Vor allem das leicht ins gr\u00e4uliche neigende Violett ist genau jener Farbton, den man erh\u00e4lt, wenn man mit Krapp auf einer schwachen Eisenbeize f\u00e4rbt. Es gibt nur einige wenige Stellen, die so aussehen, als m\u00fc\u00dften sie definitiv gemalt sein, n\u00e4mlich da, wo Farb\u00fcberg\u00e4nge angedeutet werden sollen. Flie\u00dfende \u00dcberg\u00e4nge kann man im Modeldruck nicht darstellen, also wird gewisserma\u00dfen schraffiert. Diese Schraffuren wiederum d\u00fcrfen nicht allzu fein sein, sonst bricht dort das Holz der Druckmodel zu schnell. Deshalb sind die Zitz-Muster der Zeit ziemlich, nun ja, holzschnittartig. An diesem Stoff nun gibt es einige wenige Stellen, wo diese Schraffuren zu fein aussehen, eher wie mit fast trockenem Pinsel auf die Oberfl\u00e4che gehaucht. Beim folgenden Bild w\u00e4re das z.B. das Blau ganz links unten \u2013 allerdings ist das Blau, und Indigo wurde meines Wissens sowieso oft h\u00e4ndisch aufgemalt, nachdem die Rotf\u00e4rbung durch war.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe2.jpg\" alt=\"\" width=\"998\" height=\"887\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2580\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe2.jpg 998w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe2-300x267.jpg 300w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe2-768x683.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 998px) 100vw, 998px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In diesem zweiten Bild ist es Rot. Ich vermute ja, da\u00df die Farben nicht alle direkt auf den Stoff gepinselt wurde, sonder da\u00df der Maler unterschiedliche Beizen auf den Stoff gemalt hat, und da\u00df dann der Stoff genau so in ein Krapp-Bad getaucht wurde wie bedruckte Zitze. Die verschiedenen Beizen zeigten sich dann als verschiedene Farbt\u00f6ne: Rot, Violett, Rosa und Schwarz. Da Krapp, wie die meisten Pflanzenfarben, nur dann dauerhaft im Stoff bleibt, wenn dieser zuvor gebeizt wurde, konnte man die restlichen Stellen nach dem F\u00e4rben wieder wei\u00df waschen und dann die anderen Farben \u2013 Gelb und Blau \u2013 aufmalen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe3.jpg\" alt=\"\" width=\"552\" height=\"503\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2581\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe3.jpg 552w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe3-300x273.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 552px) 100vw, 552px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und weil ich jetzt echt Hunger kriege, nur noch ein Bild, weil es sich sch\u00f6n als \u00dcbergang zum n\u00e4chsten Detail-Thema eignet: \u00c4rmel. <\/p>\n<p>Als ich meine erste Zitz-Robe n\u00e4hte, frug ich mich, wie man die Volants vers\u00e4ubert, wenn man sie nicht ausz\u00e4cken kann (was vern\u00fcnftig nur bei gutem Taft geht). Optisch am sch\u00f6nsten ist sicherlich, wenn man ein Futter aufdoppelt, aber schon damals wu\u00dfte ich, da\u00df das, was die Handarbeitslehrerin sch\u00f6n fand, nichts mit dem zu tun hat, was man in 18. Jahrhundert machte. Und \u00fcberhaupt kommt Volant von <em>voler<\/em> (fliegen), und doppellagiger Stoff ist deutlich weniger flugf\u00e4hig als einlagiger.<\/p>\n<p>Die Antwort gab mir damals irgendein Gem\u00e4lde in irgendeiner Ausstellung, in der man mal wieder nicht fotografieren durfte (<em>grrrrr<\/em>): zweimal schmal umgebugt, wie man es halt so macht beim vers\u00e4ubern. Da\u00df das bei den in Bogen geschnittenen Kanten von \u00c4rmelvolants nicht gerade einfach ist, ist dann halt ein Fall von &#8222;heul doch&#8220;. Dank der Roten Robe habe ich jetzt endlich ein Beweisfoto daf\u00fcr. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem bitte ich zu beachten: Roter N\u00e4hfaden, der manchmal entlang der Kante nach au\u00dfen tritt (also auch nicht ordentlicher als meine Werke!). Zwischen den gereihten Falten (die recht steif aussehen; vermutlich liegt der Stoff doppelt oder 3fach) zeigt sich hie und da roter Reihfaden. Und an der Oberkante, mitten im gereihten Teil, wurde anscheinend sogar gest\u00fcckelt. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe4-300x244.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"244\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2585\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe4-300x244.jpg 300w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe4-768x624.jpg 768w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe4-1024x832.jpg 1024w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/roterobe4.jpg 1161w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wollte ja schon lange mal ein paar spannende Detailfotos historischer Textilien zeigen, aber erst seit gestern habe ich Bildmaterial ohne Urheberrechtsprobleme. 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