{"id":2638,"date":"2019-04-20T01:28:19","date_gmt":"2019-04-20T00:28:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2638"},"modified":"2019-11-04T16:29:13","modified_gmt":"2019-11-04T15:29:13","slug":"kammgarnspinnerei","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2638","title":{"rendered":"Kammgarnspinnerei"},"content":{"rendered":"<p>Zum Calimanco-Projekt:<\/p>\n<p>Den Schu\u00df werde ich wohl selber spinnen m\u00fcssen, denn es ist schon schwer genug, \u00fcberhaupt einf\u00e4diges Wollgarn zu bekommen, geschweige denn in d\u00fcnn, geschweige denn als Kettgarn geeignet. Au\u00dferdem hei\u00dft es in den diversen Quellen immer wieder, die Garne seien aus besonders langstapeliger und gl\u00e4nzender Wolle gesponnen worden. Beim Versuch, herauszufinden, was f\u00fcr Schafrassen das gewesen sein k\u00f6nnten, landete ich immer wieder bei englischen Longwools: Perendale, Romney, Wensleydale, Leicester Longwool, Cotswold und Coopworth wurden h\u00e4ufiger genannt. Auch Bluefaced Leicester wurde genannt, aber ich frage mich, ob da nicht eine Verwechslung mit Leicester Longwool vorlag. Die einzige nicht-englische Rasse, die mir genannt wurde und geeignet erschien, war Gotland.<\/p>\n<p>Zuerst war ich etwas verwirrt, da\u00df anscheinend so gar keine au\u00dferbritische Rasse auftauchte. <!--more-->Aber beim weiteren Recherchieren wurde deutlich, da\u00df offenbar alle Wolldamaste und -brokate und sehr wahrscheinlich alle Calimancos von Norwich aus nach ganz Europa und Nordamerika exportiert wurden. Da liegt es dann nahe, da\u00df die Wolle ebenfalls aus England stammte. Der englische Begriff f\u00fcr Kammgarn, <em>worsted<\/em>, soll ja auch nach Worstead benannt sein, das von Norwich ungef\u00e4hr zweimal umfallen entfernt ist. Bleibt noch die Frage, was zuerst da war: Langaarige englische Schafe, f\u00fcr deren un-flauschige Wolle man sich eine m\u00f6glichst gewinnbringende Verwendung \u00fcberlegte, oder die Nachfrage der Weber, f\u00fcr die man extra noch langhaarigere Schafe z\u00fcchtete? Aber f\u00fcr mein Projekt ist das unwichtig.<\/p>\n<p>Da ich nicht auch noch Rohvliese aus England importieren und h\u00e4ndisch k\u00e4mmen will, kommen f\u00fcr mich nur solche Schafrassen in Frage, f\u00fcr die ich fertige Kammz\u00fcge kaufen kann. Dadurch fallen z.B. Cotswold und Leicester Longwool raus. Wobei kommerzielle Kammz\u00fcge, nach allem, was ich wei\u00df, eigentlich nicht gek\u00e4mmt sind, sondern Kardenb\u00e4nder. D.h. die Wolle wird kardiert, dann in l\u00e4ngliche B\u00e4nder aufgeteilt und diese gesteckt, was die Fasern \u00e4hnlich parallelisiert wie es beim k\u00e4mmen der Fall w\u00e4re, aber doch anders als bei einem handgek\u00e4mmten Kammzug. Das w\u00fcrde eigentlich f\u00fcr h\u00e4ndische Verarbeitung ab Vlies sprechen, aber der Tag hat halt nur 24 Stunden (schrieb sie zur Geisterstund&#8216;).<\/p>\n<p>Hier nun die Ergebnisse meiner bisherigen Spinn-Tests:<\/p>\n<p><strong>Wensleydale<\/strong>: Ziemlich grob, 40-60 mic. Ich kenne die langen Locken; laut Anbieter 20-30 cm Stapell\u00e4nge, was eigentlich toll w\u00e4re. Aber. Ich pflege beim spinnen ein St\u00fcck Kardenband abzurei\u00dfen und es \u00fcber das Schwungrad meines Spinnrads zu schlagen, um es aufzulockern. Dabei flogen mir Flocken um die Ohren, die aus kurzen (bis 5 cm) Fasern bestanden. Also viel zu kurz f\u00fcr diese Rasse. Auch die restlichen Fasern waren sehr viel k\u00fcrzer als 20 cm, und da Wensley sehr glatt ist, mu\u00dfte das Garn ziemlich dick werden, weil es sonst nicht zusammengehalten h\u00e4tte. Offenbar hat der Anbieter hier, met verl\u00f6ff, met verl\u00f6ff, Schei\u00dfqualit\u00e4t geliefert. Obendrein ist die Wolle eher gelblich, w\u00e4hrend die Calimanco-Stoffproben richtig wei\u00dfe Streifen aufweisen. Falls also die Garne nicht noch irgendwie gebleicht wurden, ist Wensleydale nicht die Schafrasse der Weber von Norwich. (Nachtrag: Wikipedia sagt, Wensleydale wurde erst im 19. Jh. gez\u00fcchtet, und zwar aus Teeswater und New Leicester, heute Bluefaced Leicester genannt. F\u00fcrs 18. Jh. also h\u00f6chstens dann geeignet, wenn alle anderen Stricke rei\u00dfen.)<\/p>\n<p><strong>Gotland<\/strong> \u00e4hnelt Wensleydale insofern, als es grob, flutschig und langstapelig ist, aber es ist meistens grau, und das pa\u00dft nicht zu den bunten Farben der Stoffproben. Zwar kann man mittlerweile auch wei\u00dfe Kardenb\u00e4nder kaufen, aber ich wurde gewarnt, da\u00df die von worldofwool.co.uk minderwertig seien, also werde ich sie vorraussichtlich nicht testen.<\/p>\n<p><strong>Perendale<\/strong>: Etwas feiner (um 30 mic) und k\u00fcrzer (8-12 cm) als Wensley, aber <em>tats\u00e4chlich<\/em> l\u00e4nger, weil &#8211;\u00a0 siehe unter Wensley. Daher leicht im kurzen Auszug zu spinnen. Nur leicht gelblich, geringf\u00fcgig gl\u00e4nzend. Als neuseel\u00e4ndische Rasse kommen sie streng genommen auch nicht in Frage.<\/p>\n<p><strong>Romney<\/strong>: Noch etwas feiner (knapp unter 30 mic) und k\u00fcrzer (80 mm), mit deutlich mehr Crimp. Sehr leicht d\u00fcnn zu spinnren. H\u00e4tte ich pers\u00f6nlich nicht f\u00fcr longwool gehalten. Das fertige Garn hat auch nicht auffallend mehr oder weniger Glanz als z.B. Perendale.<\/p>\n<p><strong>Bluefaced Leicester<\/strong>: \u00c4hnlich wie Romney, aber noch feiner, unwesentlich l\u00e4nger (80-95). Aber teuer.<\/p>\n<p>Von der Stapell\u00e4nge her sind eigentlich die meisten bisher genannten nicht besonders lang, besonders wenn man bedenkt, da\u00df es im allgemeinen hei\u00dft, da\u00df Fasern unter 6-7 cm zu kurz zum k\u00e4mmen seien. EDIT Und tats\u00e4chlich hat sp\u00e4tere Recherche ergeben (siehe n\u00e4chster Eintrag), da\u00df Romney und Bluefaced Leicester nur noch theoretisch oder vielleicht aus Gr\u00fcnden der Tradition zu den <em>Longwools<\/em> z\u00e4hlen: Das Romney war um 1805 auf dem Weg zur mittelstapeligen Flauschwolle, das Dishley aka New Leicester aka Bluefaced Leicester war schon angekommen. Und tsch\u00fcss.<\/p>\n<p>Was bedeutet das nun f\u00fcr mein Projekt?\u00a0 Soll ich mich damit zufriedengeben, da\u00df es die n\u00f6tigen Wollsorten nicht mehr gibt, und einfach diejenige w\u00e4hlen, die sich am besten spinnen l\u00e4\u00dft?<\/p>\n<p>Was w\u00e4ren die Alternativen? Das Tog zweiwolliger Rassen ist definitiv zu grob, das habe ich mit Ouessant und Islandschaf schon durch. Selbst wenn sich eine Rasse mit weichem Tog f\u00e4nde, w\u00e4re es mir bei diesem Projekt zu viel Fertigungstiefe.<\/p>\n<p>Was mir Hoffnung gibt:<\/p>\n<p>Calimancos wurden atlasbindig gewebt. Folglich sieht man von der Kette fast nichts. Ich k\u00f6nnte also gezwirntes Garn f\u00fcr die Kette zukaufen, notfalls auch Streichgarn. Das 28\/2 von Venne soll Kammgarn sein, ist aber dicker als mein bisher gesponnenes Kammgarn, und wohl auch zu dick f\u00fcr calimanco, auch wenn ich da die Fadendicke nur erahnen kann.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil des ber\u00fchmten Glanzes wurde, den Quellen zufolge, durch kalandern bewerkstelligt. Die Bedeutung der Faser f\u00fcr den Glanz des Gewebes w\u00e4re demnach geringer als bisher angenommen. Wenn dem so w\u00e4re, k\u00f6nnte man vielleicht ebensogut hochfeine Merino w\u00e4hlen. Vielleicht. Aber wo nehme ich dann einen Kalander her?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Calimanco-Projekt: Den Schu\u00df werde ich wohl selber spinnen m\u00fcssen, denn es ist schon schwer genug, \u00fcberhaupt einf\u00e4diges Wollgarn zu bekommen, geschweige denn in d\u00fcnn, geschweige denn als Kettgarn geeignet. 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