{"id":2734,"date":"2019-05-15T21:32:00","date_gmt":"2019-05-15T20:32:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2734"},"modified":"2023-03-24T15:17:14","modified_gmt":"2023-03-24T14:17:14","slug":"calimanco-in-textquellen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2734","title":{"rendered":"Calimanco in Textquellen"},"content":{"rendered":"\r\n<p>Je l\u00e4nger ich in google books und archive.org w\u00fchlte, desto mehr Schreibweisen von Calimanco \/ callimanco \/ calamanco \/ Kalamank \/ Kalmang \/ calamandre fand ich, und mit diesen als Suchbegriff immer mehr Textquellen. Der \u00dcbersichtlichkeit halber widme ich ihnen einen extra Artikel.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Antworten auf drei Fragen hoffe ich darin zu finden:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ol class=\"wp-block-list\">\r\n<li><span style=\"color: #a00000;\">Ist die Kette einf\u00e4dig oder gezwirnt? Und der Schu\u00df?<\/span><\/li>\r\n<li><span style=\"color: #0000ff;\">Welche Webart?<\/span><\/li>\r\n<li>Wof\u00fcr wurde Kalamank verwendet?<\/li>\r\n<\/ol>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die letzte Frage ist eigentlich schon beantwortet, aber falls Info dazu als Beifang ins Netz geht, wird sie auch eingesammelt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Zun\u00e4chst zwei Ausz\u00fcge aus zeitgen\u00f6ssischen Warenlexika. Den ersten hatte ich schon vorher gelesen; der zweite h\u00e4tte bereits Zweifel an der Schu\u00dfstreifen-These wecken m\u00fcssen, aber weil der eigentlich nach dem Betrachtungszeitraum liegt, hatte ich zuerst nicht reingeschaut.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Johann Christian Schedels\u00a0<em>neues und vollst\u00e4ndiges Waaren-Lexikon<\/em>, Offenbach: Wei\u00df und Brede, 1789<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p><strong>Kalamank<\/strong>, ein wollener, entweder glatter, getreifter oder geblumter Zeug, dessen Kette gew\u00f6hnlich\u00a0<strong><span style=\"color: #a00000;\">aus einem groben Faden Wasch- und einem Faden Fettwolle<\/span><\/strong>\u00a0zusammengesetzt wird. Der Einschlag ist jederzeit Waschwolle, weil der Einschu\u00df nicht stark eingeschlagen wird. Der, so nach dem Weben erst gef\u00e4rbt wird, erh\u00e4lt mit dem Kalander eine vorz\u00fcgliche Gl\u00e4tte, und hei\u00dft hernach Wollen<strong><span style=\"color: #0000ff;\">atla\u00df<\/span><\/strong>. [\u2026]<br \/>Der englische Kalmank ist achtzehn Zoll breit und und in St\u00fccken von zwei und drei\u00dfig Yards. (<em>Das stimmt genau mit den Notizen in der <a href=\"https:\/\/digitaltmuseum.se\/011103856360\/anders-berchs-provsamling-digital-utstallning\">Berch-Sammlung<\/a> \u00fcberein. -d. S\u00e4zz.<\/em>) Der s\u00e4chsische kommt diesem in der G\u00fcte am n\u00e4chsten.<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>G.P.H. Norrmann,\u00a0<em>Vollst\u00e4ndigeres W\u00f6rterbuch der Produkten- und Waarenkunde<\/em>, Hamburg: Carl Ernst Bohm, 1805<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p><strong>Kalamank<\/strong>, Kalmang, Kalmank, in England seiner Dauerhaftigkeit <br \/>wegen auch <em>Lasting<\/em> genannt, ist ein gek\u00f6perter, atlasartiger [\u2026] wollener Zeug [&#8230;] Eigentlich giebt es zwey Hauptarten, nemlich: 1) den\u00a0<strong><span style=\"color: #0000ff;\">gek\u00f6perten<\/span><\/strong> entweder nur glatten und einf\u00e4rbigen, oder gestreiften von allerley Farben; oder 2) den gebl\u00fcmten, welcher eigentlich ein wollener Damast ist [\u2026]<br \/>Die erstere Art, sowohl den glatten einfarbigen, als auch den getreiften, macht man mit einerley Handgriffen, nur erh\u00e4lt der letzte\u00a0<strong>eine gestreifte Kette<\/strong>; [\u2026]<br \/>Der gestreifte Kalmank unterscheidet sich gr\u00f6\u00dftentheils nur durch seine Streifen, die aber nicht vom Weben, sondern nur vom\u00a0<strong>Scheren der Kette herr\u00fchren<\/strong>; oft erh\u00e4lt er, wie der glatte, einen\u00a0<strong><span style=\"color: #0000ff;\">K\u00f6per<\/span><\/strong>, der durch alle Streifen in gerader Linie fortl\u00e4uft, zuweilen wird er aber auch mit einem sogenannten <span style=\"color: #0000ff;\">Grad oder Wiederkehr<\/span> gewebt, \u2026 (S. 915f)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>(Hervorhebungen jeweils von mir.)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich habe eine Weile gebraucht, das mit dem Scheren zu verstehen \u2013 sind es nicht nur Samte, die geschoren werden? Aber nein, die Kette wird mit Streifen <em>gesch\u00e4rt<\/em>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Was mit zu denken gibt ist die Andeutung, da\u00df die Kette zweif\u00e4dig sein soll (je ein Faden Wasch- und Fettwolle (dazu gleich noch) und da\u00df die gestreiften Kalmangs gek\u00f6pert sein sollen. Erstens sieht es nicht nach K\u00f6per aus (etwaige Grate sind minimal, wie man sie auch bei Atlas findet) und zweitens schreibt Schedel von Wollatlas.\u00a0 \u201c<strong>oft<\/strong> erh\u00e4lt er, wie der glatte, einen K\u00f6per??? \u2013 und wenn nicht, welche Webart ist es dann? Ist es oft K\u00f6per, aber manchmal auch Atlas? \u201cGrad oder Wiederkehr??? klingt allerdings schon verd\u00e4chtig nach Fischgrat oder Spitzk\u00f6per \u2013 als Alternative zum normalen K\u00f6per, bei dem der Grat &#8220; in gerader Linie fortl\u00e4uft&#8220;.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Zur Wasch- und Fettwolle:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Peter Nath. Sprengels\u00a0<em>Handwerke und K\u00fcnste in Tabellen : Die Woll- und Seidenfabriken<\/em>. Berlin: Verlag der Buchhandlung der Realschule, 1776<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Der Fabrikant \u00fcberliefert nunmehro die Wolle dem Wollk\u00e4mmer, der die feine in Fettwolle, die grobe aber in Waschwolle verwandelt. [\u2026] Die Waschwolle ist, wie gedacht, die gr\u00f6bste, und wird zum Aufzug der Kette gebraucht, die Fettwolle aber ist die k\u00fcrzeste und feinste, und wird gemeiniglich zum Einschlag leichter und glatter Zeuge genommen. Beyde Arten haben das miteinander gemein, da\u00df sie gek\u00e4mmet werden, die Waschwolle wird aber vorher noch mit Seife gewaschen, die Fettwolle dagegen mit Baum\u00f6l genetzet. (S. 20f)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Und ist es nicht zum kotzen, da\u00df ich dieses Buch trotz aller Recherche erst finde, als ich nicht mehr nach den diversen Schreibweisen von Kalmang suche, sondern nach den Stichw\u00f6rtern \u201cFettwolle + Waschwolle????\u00a0Denn der gute Mann hat auch \u00fcber Calimanco was zu sagen, und zwar mehr als alles, was ich bis dahin gefunden hatte!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Zum Beispiel hier:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Oefters <span style=\"color: #a00000;\">mu\u00df aber die Kette, wie beym Kallmang [\u2026] doppelt seyn<\/span>, und in diesem Falle mu\u00df das Garn vorl\u00e4ufig doppeliret oder dubliret und hiern\u00e4chst gezwirnet werden. (S. 30)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Mist, wirklich eine 2f\u00e4dig gezwirnte Kette! Dabei m\u00fc\u00dfte eine einf\u00e4dige doch eigentlich viel mehr Glanz haben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Doch ist ein solcher <span style=\"color: #0000f;\">Kieper<\/span> zuweilen schwach und unmerklich, wie beym Kalmang\u2026 (S. 84)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ok, dann ist es eben doch ein K\u00f6per. &#8222;Schwach und unmerklich&#8220; k\u00f6nnte auf Kreuzk\u00f6per hindeuten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auf S. 97 geht es zur Sache, aber der Scan ist sehr schwer zu lesen\u2026 1200 bis 1600 Kettf\u00e4den, verteilt auf auf ca. 50 cm sind das 24 bzw. 32 F\/cm. *schluck*<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">5 Sch\u00e4fte und Tritte<\/span>. 5 F\u00e4den pro Riet. <br \/>Hm. Kreuzk\u00f6per (AKA &#8222;falscher Atlas&#8220;) kenne ich eigentlich 4-sch\u00e4ftig. Denn wer 5 Sch\u00e4fte hat, kann auch gleich 5-bindigen <em>richtigen<\/em> Atlas weben und braucht sich daher nicht mit falschem Atlas abzugeben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Der\u00a0<span style=\"color: #a00000;\"><strong>einfache<\/strong>\u00a0Einschu\u00df<\/span> wird nicht gar zu dicht eingeschlagen. (S. 98)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Immerhin der Schu\u00df ist einf\u00e4dig. Aber wenn ich die Fadensysteme um 90\u00b0 drehe, m\u00fc\u00dfte ich mit einer einfarbigen, einf\u00e4digen Kette arbeiten und einem bunten, gezwirnten Schu\u00df. Auch doof. Menno.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Wenn man nun die Schn\u00fcrung des Kalmangs \u00fcberhaupt in der XXVII Fig. n\u00e4her betrachtet, so ergiebt sich, da\u00df <span style=\"color: #0000ff;\">bey jedem getretenen Fu\u00dfschemmel [Tritt] vier Sch\u00e4fte hinauf, und nur ein einziger mit dem f\u00fcnften Theil der Kette hinab gehet<\/span>. (S. 100)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Aha. Ein 4\/1-Kettk\u00f6per also. Ich sehe das Schiffchen schon st\u00e4ndig U-Boot spielen \u2013 mit nur je einem F\u00fcnftel der Kette gesenkt wird der Fachboden recht l\u00f6chrig.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Bey dem gestreiften Kalmang ist noch zu bemerken, da\u00df man zum Einschlag entweder wei\u00dfes Garn, oder doch Garn von einer blassen Farbe nimmt, oder auch von einer Farbe, die am mehresten in der Kette vorkommt, und alles dieses aus keiner andern Ursache, als damit der einschlag den Farben der Kette keinen Abbruch thut. [\u2026]<\/p>\r\n<p>Die Mode verlangt, da\u00df der Kalmang steif, und auf der rechten Seite vorz\u00fcglich gl\u00e4nzend seyn mu\u00df. (S. 100)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Steif und gl\u00e4nzend. Ich sag\u2019s ja: Au\u00dfer Buntheit und Glanz mu\u00dfte Kalmang mit Seide nichts gemeinsam haben, um als Seide der kleinen Leute durchzugehen.<br \/>Da\u00df das eine Fadensystem wei\u00df oder zumindest bla\u00df ist, hatte ich immerhin richtig gesehen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Jetzt noch die auf S. 100 erw\u00e4hnte Patrone. Ich habe keine Ahnung, warum dort (wenn ich es richtig lese) 10 Sch\u00e4fte aufgef\u00fchrt sind, obwohl die Bl\u00f6cke 1-5 und 6-10 jeweils genau gleich sind. Man kann also eigentlich 6-10 ignorieren. Ein Kringel, Punkt oder ausgef\u00fclltes K\u00e4stchen stellt normalerweise eine Senkung dar, und wenn man den kleinen Punkt neben jedem Kringel ignoriert (was mit sehr zupa\u00df kommt, weil ich keine Ahnung habe, was der hei\u00dfen soll), dann kommen da tats\u00e4chlich 4 Hebungen und 1 Sekung pro Tritt raus. Au\u00dferdem sind diese Senkungen jeweils um 2 gegen\u00fcber der vorigen verschoben, so da\u00df der K\u00f6pergrat nicht gar so deutlich hervortritt wie bei einem normalen K\u00f6per.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"180\" height=\"300\" class=\"wp-image-2718\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/kalmang-patrone-1776-180x300.jpg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/kalmang-patrone-1776-180x300.jpg 180w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/kalmang-patrone-1776.jpg 294w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/>\r\n<figcaption>Patrone nach Sprengel<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Und das ist \u2013 ich habe das extra noch bei Erika Arndt verifiziert, nicht da\u00df ich Schmarrn erz\u00e4hle \u2013 ein f\u00fcnfbindiger Atlas, kein K\u00f6per. Also warum schreiben alle diese B\u00fccher von K\u00f6per? Falls das ein Fehler war, den einer vom anderen abgeschrieben hat, wie zuverl\u00e4ssig sind dann die anderen Angaben, z.b. die \u00fcber die gezwirnte Kette? Oder fiel 5-bindiger Atlas damals in die Kategorie K\u00f6per? Das w\u00e4re seltsam, weil unlogisch, aber wer wei\u00df.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Mit Hilfe der Warped Weavers, einer Gruppe auf Ravelry, habe ich noch ein paar englischsprachige Quellen aufgetan, die ich bisher nicht gefunden hatte, weil sie zeitlich eigentlich zu sp\u00e4t sind.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>John James, <em>History of the worsted manufacture in England,<\/em> London: Longman, Brown, Green, Longmans, &amp; Roberts,1857<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auf den Seiten 362f beschreibt James verschiedene Kammgarnstoffe, die in der Zeit um 1802 in England produziert wurden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Russels, a kind of lasting, manufactured of double warp and single weft, and with a <span style=\"color: #0000ff;\">???ve heald twill like the calimanco<\/span> which it resembled in all respects except being stouter, having a double warp. [&#8230;] They were used for ladies\u2019 petticoats, boots, shoes, and men\u2019s Waistcoats.<\/p>\r\n<p>Lastings, a stout fabric only eighteen inches wide, with double warps, (sometimes of three threads,) and single weft, made with a ???ve heald twill of Nottinghamshire and best Lincolnshire wool. [&#8230;]<\/p>\r\n<p>Calimancoes, plain and striped stout stuffs, seventeen inches wide, and twenty-nine yards long, both made with <span style=\"color: #a00000;\">single warps<\/span>, and glazed in ???nishing, chie?y employed for making ladies\u2019 petticoats and chair-seating.<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auch hier ist also die Rede von 5-sch\u00e4ftigem K\u00f6per. Im Gegensatz zu den deutschsprachigen Quellen hei\u00dft aber, da\u00df die Kette einf\u00e4dig sei. Interessant ist, da\u00df hier <em>lasting<\/em> auftaucht, der eine zweif\u00e4dige Kette hat \u2013 und laut Warenkunde-Buch von Norrmann 1805 wird Kalamank &#8222;in England seiner Dauerhaftigkeit wegen auch <em>Lasting<\/em> genannt&#8220;. Vielleicht ist das ja der Grund f\u00fcr die Widerspr\u00fcche? In England wird zwischen Russel, Lasting und Calimanco unterschieden, in Deutschland nicht?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Leider ist das bisher die einzige Quelle, die eine explizite Aussage zur Frage &#8222;ein- oder zweif\u00e4dig&#8220; macht. Es gibt aber noch eine Patrone in<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Pilo Blakeman, <em>The Weaver&#8217;s Assistant, explaining in a familar manner, the first principles of the art of weaving<\/em>. Bridgeport: N.L. Skinner, 1818<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2737\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/calimanco-draft.jpg\" alt=\"\" width=\"490\" height=\"177\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/calimanco-draft.jpg 490w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/calimanco-draft-300x108.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 490px) 100vw, 490px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Da hier die Bindepunkte direkt nebeneinanderliegen, haben wir es tats\u00e4chlich mit einem K\u00f6per zu tun. Ich denke, man k\u00f6nnte ihn als gebrochenen K\u00f6per bezeichnen, einen Cousin des Fischgr\u00e4ts. Damit w\u00e4ren wir wieder bei Herrn Norrmann und seinem &#8222;Grad oder Wiederkehr&#8220; \u2013 der aber nur &#8222;zuweilen&#8220; angewendet werde.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Hier noch zum Vergleich die Patrone f\u00fcr einen normalen 4\/1-K\u00f6per (der einzige, bei dem jeweils 4 Sch\u00e4fte heben und einer senkt), die Patrone nach Schedel, und die Patrone nach Blakeman.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-gallery columns-3 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\r\n<li class=\"blocks-gallery-item\">\r\n<figure><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2748\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2748\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190515-223447_iWeaveIt.jpg\" alt=\"\" width=\"427\" height=\"460\" data-id=\"2748\" data-link=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2748\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190515-223447_iWeaveIt.jpg 427w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190515-223447_iWeaveIt-278x300.jpg 278w\" sizes=\"auto, (max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/li>\r\n<li class=\"blocks-gallery-item\">\r\n<figure><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2749\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2749\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190515-223425_iWeaveIt.jpg\" alt=\"\" width=\"428\" height=\"461\" data-id=\"2749\" data-link=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2749\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190515-223425_iWeaveIt.jpg 428w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190515-223425_iWeaveIt-279x300.jpg 279w\" sizes=\"auto, (max-width: 428px) 100vw, 428px\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/li>\r\n<li class=\"blocks-gallery-item\">\r\n<figure><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2750\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2750\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190515-223606_iWeaveIt.jpg\" alt=\"\" width=\"411\" height=\"426\" data-id=\"2750\" data-link=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2750\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190515-223606_iWeaveIt.jpg 411w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190515-223606_iWeaveIt-289x300.jpg 289w\" sizes=\"auto, (max-width: 411px) 100vw, 411px\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Der Atlas in der Mitte ergibt eindeutig das &#8222;glatteste&#8220; Gewebebild, und das entspricht am ehesten den Stoffproben aus dem Nordiska Museet. Obendrein ergeben sich bei Atlas immer dann Wellenlinien, wenn ein Streifen nur zwei F\u00e4den breit ist (mittleres Bild unten), genau wie in den Proben. Beim Blakeman-K\u00f6per funktioniert das nur, wenn man den Streifen genau auf eine bestimmte Weise positioniert (rechtes Bild, der 1. und 4. Streifen von links \u2013 bei den anderen Streifen geht es sich nicht aus).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-gallery columns-3 is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\r\n<li class=\"blocks-gallery-item\">\r\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"510\" height=\"378\" class=\"wp-image-2635\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/calim1.jpg\" alt=\"\" data-id=\"2635\" data-link=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2635\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/calim1.jpg 510w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/calim1-300x222.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/figure>\r\n<\/li>\r\n<li class=\"blocks-gallery-item\">\r\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"594\" height=\"700\" class=\"wp-image-2767\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190521-220002_iWeaveIt.jpg\" alt=\"\" data-id=\"2767\" data-link=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2767\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190521-220002_iWeaveIt.jpg 594w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190521-220002_iWeaveIt-255x300.jpg 255w\" sizes=\"auto, (max-width: 594px) 100vw, 594px\" \/><\/figure>\r\n<\/li>\r\n<li class=\"blocks-gallery-item\">\r\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"535\" height=\"701\" class=\"wp-image-2766\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190521-215351_iWeaveIt.jpg\" alt=\"\" data-id=\"2766\" data-link=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2766\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190521-215351_iWeaveIt.jpg 535w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Screenshot_20190521-215351_iWeaveIt-229x300.jpg 229w\" sizes=\"auto, (max-width: 535px) 100vw, 535px\" \/><\/figure>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir haben Quellen, die f\u00fcr einf\u00e4dige Ketten sprechen, und solche f\u00fcr zweifach gezwirnte. Wir haben Quellen, die K\u00f6per schreiben, und solche, die Atlas zeigen. <br \/>Vielleicht ist ganz einfach beides richtig. Vielleicht gab es regionale Unterschiede in der Definition oder in der Produktion. Dann kann ich f\u00fcr mein Projekt auch das ausw\u00e4hlen, was mir am besten taugt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nachtrag<\/strong><\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das mit dem K\u00f6per vs. Atlas lie\u00df mir keine Ruhe. Mir kam die Idee, da\u00df man damals vielleicht gar nicht zwischen K\u00f6per und Atlas unterschieden hat. Und so grub ich mich nochmal durch die einschl\u00e4gigen B\u00fccher.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Peter Nath. Sprengels\u00a0<em>Handwerke und K\u00fcnste in Tabellen : Die Woll- und Seidenfabriken<\/em>. Berlin: Verlag der Buchhandlung der Realschule, 1776<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Von den glatten wollenen Zeugen \u2014 Unter dieser Benennung verstehe ich alle diejenigen Zeugarten, die weder gekiepert noch facionieret sind&#8230;&#8220; (S. 69)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Joh. Heinrich Moritz Poppe, <em>Technologisches Lexicon<\/em>. Dritter Theil H-M. Stuttgardt und T\u00fcbingen: J.G. Cotta&#8217;sche Buchhandlung, 1818<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>&#8222;Keper, K\u00f6per, Kieper. So nennt man beym Zeugweben die nicht rechtwinklicht, sondern diagonaliter durchkreuzte Verbindung des Einschlags mit der Kette, [&#8230;] Je mehr Sch\u00e4fte vorhanden sind, worin die Kette verteilt ist, desto schr\u00e4ger wird auch die K\u00f6perverbindung. So hat z.B. der Atlas, der mit acht Sch\u00e4ften gewebt ist, einen weit st\u00e4rkern K\u00f6per, als Barchent, den man mit drey Sch\u00e4ften gewebt hat. (S. 227)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Aha. Man unterschied also tats\u00e4chlich nicht Leinwand-, K\u00f6per- und Atlasbindung, sondern glatte, gek\u00f6perte und gemusterte Zeuge, und &#8222;der K\u00f6per&#8220; ist die Diagonalrippe. Jetzt verstehe ich auch, warum der K\u00f6per beim Kalmang &#8222;schwach und unmerklich&#8220; (Sprengel S. 84) ist: Man sieht bei Atlasbindungen fast keine Rippen. Poppe meint mit dem &#8222;weit st\u00e4rkern K\u00f6per&#8220; offenbar die Steigung der K\u00f6perrippe.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Jetzt m\u00fcssen wir nur noch rausfinden, ob das mit dem englischen <em>twill <\/em>\u00e4hnlich ist. Wenn ja, l\u00f6st sich das R\u00e4tsel in Wohlgefallen auf.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Pilo Blakeman, <em>The Weaver&#8217;s Assistant, explaining in a familar manner, the first principles of the art of weaving<\/em>. Bridgeport: N.L. Skinner, 1818<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>TWILL \u2014 A certain rise of the threads in cloth, sometimes called (but very improperly) <em>trill<\/em>, and sometimes properly, <em>wale<\/em>. (S. 1)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Und <em>wale<\/em> ist im heutigen Sprachgebrauch die Diagonalrippe eines K\u00f6pers oder die L\u00e4ngsrippe eines Cords. Naruhodo ne.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Je l\u00e4nger ich in google books und archive.org w\u00fchlte, desto mehr Schreibweisen von Calimanco \/ callimanco \/ calamanco \/ Kalamank \/ Kalmang \/ calamandre fand ich, und mit diesen als Suchbegriff immer mehr Textquellen. 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