{"id":2812,"date":"2020-07-14T20:00:59","date_gmt":"2020-07-14T19:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2812"},"modified":"2020-07-14T17:34:24","modified_gmt":"2020-07-14T16:34:24","slug":"nachts-im-museum-details-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2812","title":{"rendered":"Nachts im Museum \u2014 Details 3"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem mein heimisches Computer-Setup dem covid-19-bedingten Homeoffice weichen mu\u00dfte, kam ich monatelang nicht mehr an meine gesammelten Bilder ran. Jetzt geht es wieder, allerdings habe ich vergessen, welche Details aus GNM und BNM ich pr\u00e4sentieren wollte. Ich habe daher einfach ein paar Bilder herausgesucht, die ich spannend fand, auch ohne Zusammenhang untereinander.<\/p>\n<h2>Rote Robe, um 1740 (BNM)<\/h2>\n<p>Die Rote Robe habe ich zwar schon in den beiden ersten &#8222;Nachts im Museum&#8220;-Artikeln erw\u00e4hnt, aber vergessen die Datierung des Museums hinzuzuf\u00fcgen. Man geht davon aus, da\u00df es um 1740 als Andrienne gefertigt und dann um oder vor 1775 so abge\u00e4ndert, da\u00df die Taille anliegt. Wahrscheinlich kam bei dieser Gelegenheit auch die Comp\u00e8re dazu; 1740 w\u00e4re daf\u00fcr doch etwas fr\u00fch.<\/p>\n<p>Den Stoff und die \u00c4rmel haben wir schon genauer betrachtet.<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-2812 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2820'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/rote-robe-saum-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2819'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/rote-robe-knopfleiste-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2821'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/streiftaft-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Saum der Roten Robe hat irgendeine Art Kantenschutz. Man kommt leider nicht nah genug ran, um zu erkennen, was es ist. F\u00fcr mich sieht es nach einem um den Saum gelegten Band aus, wie man es sonst v.a. von Wollr\u00f6cken kennt. Oft sieht man so einen Kantenschutz nicht; bisher kannte ich nur einen Vorsto\u00df aus einem helleren Stoff.<\/p>\n<p>Den zweiten Bildausschnitt, der ungef\u00e4hr auf die Solarplexus-Region zielt, habe ich vor allem wegen der St\u00fcckelnaht in der R\u00fcsche gew\u00e4hlt. Eindeutig eine R\u00fcckstichnaht, aber dieses Garn! Ein gravottisches, dickes, naturfarbenes Leinengarn, viel dicker als die F\u00e4den des Stoffes. Die R\u00fcsche wurde mit dem gleichen Garn angen\u00e4ht. Bei den \u00c4rmelr\u00fcschen hingegen hat man einen d\u00fcnnen roten Faden genomen. Warum? Weder die Comp\u00e8re noch die R\u00fcschendeko darauf noch \u00c4rmelvolants entsprechen dem Zeitgeschmack von 1740 umadum; alle drei m\u00fcssen nachtr\u00e4glich ge\u00e4ndert worden sein, und dann doch wohl gleichzeitig auf einen Sitz. Jedenfalls ist es recht faszinierend, da\u00df man sich offenbar nicht weiter bem\u00fchrt hat, diese St\u00fcckelnaht wenigstens zu verstecken, oh nein! Brettlbreit sitzt sie mittig auf der Oberseite.<\/p>\n<p>Posamentenkn\u00f6pfe sind auch etwas, das man nicht alle Tage auf einer Comp\u00e8re sieht. Auch sie m\u00fc\u00dften nachtr\u00e4glich hinzugekommen sein. Die untersten sind noch weitgehend unversehrt, die oberen ziemlich berieben und der der oberste im Bild sieht so aus, als h\u00e4tte man mit dickerem Seidenzwirn versucht, die sich aufl\u00f6senden Wickungen aus ungesponnenem Filament festzuhalten. Das zugeh\u00f6rige Knopfloch ist ausgerissen und auf der gegen\u00fcberliegenden Seite, unterhalb der St\u00fcckelung, ist die Kante der R\u00fcsche ausgefranst. Dieses Kleid wurde nach seiner Verwandlung offenbar noch oft getragen.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich, weil ich es nicht oft genug betonen kann: Links \u00fcber rechts gekn\u00f6pft! Nein, nicht nur bei dieser Robe, sondern auch bei der aus gestreiftem Taft (um 1750), ach was, bei\u00a0 praktisch allen.<\/p>\n<h2>Schn\u00fcrbrust, s\u00fcddeutsch (?), Mitte 18. Jh. (BNM)<\/h2>\n<div id='gallery-2' class='gallery galleryid-2812 gallery-columns-4 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2813'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/sbrust-ges-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Schn\u00fcrbrust Mitte 18. Jh.\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2814'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/sbrust-innen-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2815'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/sbrust-nahtband-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2816'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/sbrust-futter-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/sbrust-futter-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/sbrust-futter-300x297.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Die auf der Museumstafel mit einem Fragezeichen versehene Angabe zur regionalen Herkunft r\u00fchrt wohl daher, da\u00df es im grob s\u00fcddeutschen Raum einige \u00e4hnliche Exemplare gibt \u2013 die meisten haben zwar echte Stecker und Schn\u00fcrungen, aber manche (z.B. &#8222;Adrett geschn\u00fcrt&#8220;, Kat.-Nr. 4-8) tun nur so, wie dieses hier. Es gibt sie mit sichtbaren Tunneln\u00e4hten und ohne, aber immer mit dekorativem Seiden-Oberstoff.<\/p>\n<p>Nach innen lassen sie einen ja eher selten schauen, daf\u00fcr mu\u00df man schon die Kamera in die H\u00f6he halten und hoffen, da\u00df der Autofokus richtig fokussiert. Wie so oft ist das Futter gest\u00fcckelt: Aus einem cremefarbenen, dichten Leinen unten, einem eher locker gewebten und windig wirkenden Leinen mit leichtem Rosaton oben, und oben neben der Schn\u00fcrung ein schwach gestreifter K\u00f6per mit wechselnder Gratrichtung. Ich war ja schon lange hinter der Frage her, ob und inwiefern Fischgrat f\u00fcr Kleidung verwendet wurde, aber leider ist das Foto nicht gut genug, um sagen zu k\u00f6nnen, ob das hier ein Fischgrat ist oder &#8222;nur&#8220; ein normaler Spitzk\u00f6per. Und selbst wenn, w\u00e4re es nur ein Flicken. *seufz*<\/p>\n<p>Auf eine sache m\u00f6chte ich noch eben die Aufmerksamkeit lenken: Die Schn\u00fcr\u00f6sen. Sie sind bestimmt wie \u00fcblich umstochen, aber nichts davon schl\u00e4gt sich auf die Futterseite durch. Bei der alleruntersten \u00d6se meine ich unter Vergr\u00f6\u00dferung die \u00d6senstiche zu erkennen, wie sie den nach innen umgeschlagenen Oberstoff umfangen. Entweder hat es so lange F\u00e4den aus dem Leinen gezogen, bis es sich von den \u00d6senstichen gel\u00f6st hatte, oder man hat nie ernsthaft versucht, das Leinen mitzufassen. Da\u00df das Futter ausgewechselt wurde, ist m\u00f6glich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Eher war es bei der Herstellung ebenso egal wie die unterschliedlich zusammengest\u00fcckelten Stoffe.<\/p>\n<p>Wie bei anscheinend den meisten (grob) s\u00fcddeutschen Schn\u00fcrbr\u00fcsten werden auch hier die N\u00e4hte zwischen den Schnitteilen von farblich passendem Schu\u00dfripsband mit Picots abgedeckt (siehe auch <a href=\"http:\/\/marquise.de\/de\/ethno\/bayern\/18mieder\/dachaumieder.shtml\">das Dachauer Mieder<\/a>). Das gleiche Band bildet auch die Schein-Schn\u00fcrung, von der man im Detailbild sch\u00f6n sehen kann, da\u00df sie nicht \u00fcber die gesamte Breite hin und her geht, sondern in der Mitte einmal mit sich selbst verschlungen wurde. Was der graue B\u00f6bbel unterhalb der ersten Verschlingung ist, kann ich leider auch nicht sagen, das gibt das Bildmaterial nicht her.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem mein heimisches Computer-Setup dem covid-19-bedingten Homeoffice weichen mu\u00dfte, kam ich monatelang nicht mehr an meine gesammelten Bilder ran. Jetzt geht es wieder, allerdings habe ich vergessen, welche Details aus GNM und BNM ich pr\u00e4sentieren wollte. 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