{"id":2825,"date":"2020-07-20T21:05:21","date_gmt":"2020-07-20T20:05:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2825"},"modified":"2020-07-22T22:10:16","modified_gmt":"2020-07-22T21:10:16","slug":"nachts-im-museum-details-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=2825","title":{"rendered":"Nachts im Museum \u2014 Details 4"},"content":{"rendered":"<h2>M\u00e4dchenkleid (Jacke und Rock), Frankreich, um 1785<\/h2>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-2825 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2838'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/blaues-kinderkleid-gesamt-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2837'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/blaues-klinderkleid-vorderkante-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2839'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/blaues-kinderkleid-stoff-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Seit Jahren predige ich, da\u00df Dupionseide f\u00fcr Repro-Kleidung des 18. Jh. nicht geeignet sei, und dann kommt so ein Kleid daher. Aber eigentlich widerspricht es meiner Aussage nicht, wie ich sogleich darlegen werde.<\/p>\n<p>Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, da\u00df ein leinwandbindiger Seidenstoff mit Verdickungen automatisch Dupion sei. Das ist, wie der Mathematiker sagt, eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. Oder anders ausgedr\u00fcckt: Jede Dupionseide ist leinwandbindig und hat Verdickungen, aber nicht jede leinwandbindige Seide mit Verdickungen ist Dupion.<!--more--><\/p>\n<p>Der Stoff dieses Kleides ist IMO keine Dupionseide, aber um es genau sagen zu k\u00f6nnen, m\u00fc\u00dfte ich den Stoff viel genauer sehen k\u00f6nnen. Aber es ist eigentlich egal, denn dieses Kleid ist ein Einzelst\u00fcck, eine Singularit\u00e4t, und daher nicht geeignet zu beweisen, da\u00df Dupio eben doch &#8222;erlaubt&#8220; sein m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Am Ende des Bloggerwalks fragte ich den Kurator, ob etwas \u00fcber die Provenienz oder sonst etwas bekannt sei. Die Antwort lautete: Nein, wir wissen auch nichts, und Oberstoff mit Verdickungen kannte man anderweitig auch nicht.<\/p>\n<h2>Sonnenschirm, S\u00fcddeutschland oder \u00d6sterreich, 1780er<\/h2>\n<div id='gallery-2' class='gallery galleryid-2825 gallery-columns-4 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2834'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/gnm_schirm_ges-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2833'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/gnm_schirm3-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2836'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/gnm_schirm2-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2835'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/gnm_schirm1-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Erhaltene Sonnenschirme aus dem 18. Jh. sieht man nicht so oft. Was an diesem so besonders ist: Die Bespannung ist nicht, wie sonst \u00fcblich, aus Seidentaft, sondern aus Leinen, bedruckt in der Art von Kupferstichen. Das Gestell ist aus Holz und nicht, wie ich eher erwartet h\u00e4tte, Fischbein.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, da\u00df ich einen Sonnenschirm aus Leinen w\u00fcrde haben wollen, so h\u00fcbsch er auch ist. Aber im Vergleich zu Seide ist Leinen sauschwer \u2013 bei etwas, das man mit einer Hand \u00fcber sich halten soll, z\u00e4hlt jedes Gramm. Und bevor jemand fragt: F\u00fcr einen Schirm, den man nicht selber tr\u00e4gt, sondern irgendein Lakai, ist der Stiel zu kurz.<\/p>\n<h2>Zwei Haarbeutel, um 1770 (GNM) bzw. 3. Viertel 18. Jh. (BNM)<\/h2>\n<div id='gallery-3' class='gallery galleryid-2825 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2828'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/bourse_gnm-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?attachment_id=2827'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/bourse_bnm-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl>\n\t\t\t<br style='clear: both' \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>&#8222;Der aggressive Puder hat ihn stark angegriffen&#8220;, schreibt das GNM zu seinem Exemplar (links). Auch im Buch &#8222;Kleiderwechsel&#8220; (Jutta Zander-Seidel, 2002) wird der Puder als aggressiv beschrieben und daf\u00fcr verantwortlich gemacht, da\u00df nur wenige Haarbeutel erhalten sind, obwohl es deren einemal viele gegeben haben m\u00fcsse. (S. 24, auf der gegen\u00fcberliegenden Seite kann man auch die R\u00fcckseite sehen.)<\/p>\n<p>Nun sagen aber alle zeitgen\u00f6ssischen Quellen*, die ich bisher gelesen habe, da\u00df der <a href=\"http:\/\/marquise.de\/de\/1700\/kosmetik_3.shtml\">Puder \u00fcblicherweise aus Mehl (normales oder St\u00e4rke)<\/a> bestand, dazu evtl. Violenwurzel, Kohle, Ocker und\/oder Duftstoffe. Nichts davon erscheint mir besonders aggressiv. Ich vermute vielmehr, da\u00df es an der Farbe liegt: Alle Haarbeutel sind schwarz, und schwarz hat erfahrungsgem\u00e4\u00df ein paar Probleme. Zum einen braucht man f\u00fcr dauerhaftes und wirklich schwarzes Schwarz entweder sehr gro\u00dfe Mengen F\u00e4rbedroge, oder man hilft mit Eisensalzen nach (was billiger ist), oder beides. Und Eisensalze sind tats\u00e4chlich aggressiv. Zum anderen &#8222;schluckt&#8220; Schwarz das meiste Licht, auch UV-Strahlung, und UV-Strahlung ist&#8230; genau, aggressiv. In meinem Fundus habe ich einen <a href=\"http:\/\/marquise.de\/de\/1700\/howto\/stoff\/18fabrics.shtml\">Lampas lis\u00e9r\u00e9 mit schwarzen Musterf\u00e4den<\/a> (runterscrollen, nach was gr\u00fcnem schauen), die sich weit st\u00e4rker zersetzt haben als alle anderen. Aber nur auf der Vorderseite. Infolgedaher postuliere ich, da\u00df nicht der Puder all die Haarbeutel zerst\u00f6rt hat, sondern Beizen und Tageslicht.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte die Aufmerksamkeit des geneigten Publikums noch auf den grandiosen Pl\u00fcsch des BNM-Exemplars hinweisen. Leider ist das Foto nicht ganz scharf, so da\u00df man nicht hineinzoomen kann. In der Digitalsammlung der Biblioth\u00e8que National der France kann man <a href=\"http:\/\/catalogue.bnf.fr\/ark:\/12148\/cb40505575t\">Stoffproben von pluche<\/a> betrachten, die aus der Richelieu-Sammlung von 1736\/37 stammen. M\u00f6glicherweise wurde bei diesem Haarbeutel etwas \u00e4hnliches verbaut?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">*) z.B.<br \/>\nJohann Bartholom\u00e4us Trommdorff. Kallopistria, oder die Kunst der Toilette f\u00fcr die elegante Welt. Erfurt 1805, ab S. 154 (<a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=cck6AAAAcAAJ&amp;printsec=frontcover&amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;cad=0#v=onepage&amp;q&amp;f=false\">google books<\/a>)<br \/>\n<span dir=\"ltr\">Carl F. A. Hochheimer. <\/span><span class=\"fn\"><span dir=\"ltr\">Allgemeines \u00f6konomisch-chemisch-technologisches Haus- und Kunstbuch oder Sammlung ausgesuchter Vorschriften<\/span><\/span>:\u00a0<span class=\"subtitle\"><span dir=\"ltr\">zum Gebrauch f\u00fcr Haus- und Landwirthe, Professionisten, K\u00fcnstler und Kunstliebhaber, Bd. 3. Leipzig, 1800, S. 174 (<a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=vQhruiy3m6MC&amp;printsec=frontcover&amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;cad=0#v=onepage&amp;q&amp;f=false\">google books<\/a>)<br \/>\nJohann Heinrich Zedlers Gro\u00dfes vollst\u00e4ndiges Universal-Lexicon aller Wissenschaftne und K\u00fcnste. Halle und Leipzig, 1732-1754. <a href=\"https:\/\/www.zedler-lexikon.de\/index.html?c=blaettern&amp;seitenzahl=598&amp;bandnummer=29&amp;view=150&amp;l=de\">Spalte 1170<\/a><\/span><\/span><br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4dchenkleid (Jacke und Rock), Frankreich, um 1785 Seit Jahren predige ich, da\u00df Dupionseide f\u00fcr Repro-Kleidung des 18. Jh. nicht geeignet sei, und dann kommt so ein Kleid daher. 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