{"id":442,"date":"2010-05-29T22:51:58","date_gmt":"2010-05-29T21:51:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=442"},"modified":"2011-09-22T22:01:49","modified_gmt":"2011-09-22T21:01:49","slug":"trachtenmieder-die-unendliche-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=442","title":{"rendered":"Trachtenmieder &#8211; die unendliche Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Tja, bis zum gesetzten Termin habe ich das Mieder nicht fertiggekriegt. Stattdessen habe ich das &#8222;Nanny Ogg&#8220;-Kleid, d.h. die schwarze Tourn\u00fcre, um einen \u00dcberrock erg\u00e4nzt, weil das, anders als das Mieder, in der verbleibenden Zeit zu schaffen war. \u00dcberrock, das ist die geraffte &#8222;Sch\u00fcrze&#8220;, die man oft vorn an Tourn\u00fcrenkleidern hat, in Kombination mit einem hinteren Teil, der gerafft sein kann oder nicht. Bei erhaltenen Tourn\u00fcrenkleidern ist der \u00dcberrock meist in den Rock integriert, aber ich habe das Kleid so angelegt, da\u00df der \u00dcberrock extra ist. D.h. man kann Taille und Rock einfach so tragen (z.B. f\u00fcr die Nanny-Rolle oder f\u00fcr l\u00e4ndliche bzw. Dienstboten 1880er bis ca. 1910) oder mit dem \u00dcberrock f\u00fcr 1880er sonn- und feiertags. <!--more--><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nLeider kam der \u00dcberrock an Pfingsten trotzdem nicht zum Einsatz, weil ich beim Einpacken die Schn\u00fcrstiefel stehengelassen hatte, so da\u00df ich das ganze Wochenende in Holzschuhen rumlaufen mu\u00dfte. Da konnte ich Sonntagsstaat nat\u00fcrlich knicken. \ud83d\ude41 Das Schwarze hatte ich am Sonntag trotzdem an, und mit der wei\u00dfen Latzsch\u00fcrze und dem wei\u00dfen Kopftuch hielten mich einige f\u00fcr eine Nonne. *augenroll* Heilig&#8217;s Blechle!<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nDen \u00dcberrock, genauer gesagt den vorderen Sch\u00fcrzenteil, habe ich recht langwierig an der Schneiderpuppe drapiert, bis es so aussah, wie ich es wollte. Danach habe ich es noch einmal ausgebreitet, um zu sehen, wie der Schnitt h\u00e4tte aussehen m\u00fcssen. Das Foto unten zeigt oben die Taillen-Kante mit gehefteten Abn\u00e4hern, unten links die untere Spitze. Rechts und links sind zwar je drei Falten eingelegt (durch eingeb\u00fcgelte Knicke markiert), aber symmetrisch ist es nicht. Das ist f\u00fcr <em>tabliers<\/em>, wie die Tourn\u00fcrensch\u00fcrzen auch in den deutschsprachigen Modezeitschriften der Zeit hei\u00dfen, nicht weiter ungew\u00f6hnlich. Eine mehr oder weniger symmetrische f\u00fcnfeckige Form des Schnitteils ist mehrfach belegt.<br \/>\n<div id=\"attachment_446\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/ueberrock1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-446\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/ueberrock1-150x150.jpg\" alt=\"\u00dcberrock\" title=\"ueberrock\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"size-thumbnail wp-image-446\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-446\" class=\"wp-caption-text\">\u00dcberrock<\/p><\/div><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nNachdem ich die Falten wieder eingelegt hatte, habe ich auf beiden Seiten eine Art Bundband aufgesetzt, um sie festzuhalten und zu vers\u00e4ubern, das Tablier an den hinteren Teil des \u00dcberrocks gen\u00e4ht und obenrum ein Bundband angesetzt, das linksseitig mit Haken und \u00d6se verschlossen wird. Der hintere Teil des \u00dcberrocks ist einfach ein Rechteck, ca. 150 cm breit und ca. 15 cm k\u00fcrzer als der Rock, obenrum so in Falten gelegt (mehr und tiefere Falten in der hinteren Mitte, zur hinteren Mitte schauend), da\u00df er von Seitennaht zu Seitennaht reicht.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nNebenher habe ich es noch geschafft, das Trachtenmieder zu leimen. Zur Erinnerung: Es besteht aus einer \u00e4u\u00dferen Schicht aus Wollsatin, darunter einer Schicht aus dichtem, aber d\u00fcnnem Leinen, damit sich die Peddigst\u00e4be nicht, <a href=\"\/projektblog\/?cat=6\">wie beim ersten Mieder-Versuch<\/a>, nach au\u00dfen bohren k\u00f6nnen, und dann einer Schicht dickeren &#8222;Bauernleinens&#8220;. Zwischen dem d\u00fcnnen und dem dicken Leinen liegen die St\u00e4be. Die Technik, eine innere Schicht des Mieders zu leimen, um es zus\u00e4tzlich zu versteifen, wird noch heute in Trachtenschneiderkursen gelehrt; da\u00df das keine moderne Erfindung ist, zeigt die <a href=\"\/de\/ethno\/bayern\/mieder2.shtml\">Sektion eines erhaltenen Mieders<\/a>. Die einschl\u00e4gigen Kurse verwenden Mehlpapp, d.h. aus Mehl und Wasser gekochten Leim, was unter Authentik-Gesichtspunkten als durchaus plausibel erscheint.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nWegen der vielen Parallel-Projekte war ich aber zu faul, Mehlpapp zu kochen und ihn erstmal auf ein Probest\u00fcck loszulassen. Ein Probest\u00fcck w\u00e4re wegen Mangel an Erfahrung mit Mehlpapp aber n\u00f6tig gewesen, denn wenn der Leim bis auf die bestickte \u00e4u\u00dfere Schicht durchgesuppt h\u00e4tte&#8230; na, denken wir besser nicht dr\u00fcber nach, was ich dann getan h\u00e4tte. Jedenfalls habe ich auf ein mehrfach bew\u00e4hrtes Steifleim-Mittel zur\u00fcckgegriffen, von dem ich wei\u00df, ob und wie weit es suppt: Ponal. Variante &#8222;Classic&#8220;. Scheu\u00dflicher denglisher Name, aber trotzdem geiles Zeug. Das Foto zeigt das frisch eingeleimte R\u00fcckenteil. Wenn der Leim angezogen hat, wird er durchsichtig. <\/p>\n<div id=\"attachment_447\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/geleimt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-447\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/geleimt-150x150.jpg\" alt=\"R\u00fcckenteil des Trachtenmieders, frisch geleimt\" title=\"geleimt\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"size-thumbnail wp-image-447\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-447\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckenteil des Trachtenmieders, frisch geleimt<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tja, bis zum gesetzten Termin habe ich das Mieder nicht fertiggekriegt. Stattdessen habe ich das &#8222;Nanny Ogg&#8220;-Kleid, d.h. die schwarze Tourn\u00fcre, um einen \u00dcberrock erg\u00e4nzt, weil das, anders als das Mieder, in der verbleibenden Zeit zu schaffen war. \u00dcberrock, das &hellip; <a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=442\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26,46,20],"tags":[],"class_list":["post-442","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1880er-schwarz","category-biedermeiertracht","category-trachtenmieder-2"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/442","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=442"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/442\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1377,"href":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/442\/revisions\/1377"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}