{"id":596,"date":"2010-07-02T23:52:08","date_gmt":"2010-07-02T22:52:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=596"},"modified":"2010-07-08T22:57:37","modified_gmt":"2010-07-08T21:57:37","slug":"blaumachen-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/?p=596","title":{"rendered":"Blaumachen"},"content":{"rendered":"<p>So, heute hab&#8216; ich es dem fleckig-blauen Stoff ordentlich gegeben!<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nDas Rezept f\u00fcr die Indigok\u00fcpe habe ich einer Userin im <a href=\"http:\/\/www.flinkhand.de\/forum\/\">Flinkhand-Forum<\/a> zu verdanken.<br \/>\nIndigo ist in Wasser oder Alkohol nicht l\u00f6slich, aber in Laugen. Also mu\u00df man dem Wasser zuerst eine Lauge zugeben. In den meisten Rezepten ist das Natronlauge (NaOH aka \u00c4tznatron), die man aber in Reinform nicht \u00fcberall kaufen kann. Historische Rezepte (18.Jh.) verwenden stattdessen z.B. Pottasche oder Ammoniak (den man im Mittelalter noch aus Urin gewann &#8211; daher die be<em>r\u00fcch<\/em>tigte Urink\u00fcpe); das vorliegende Rezept arbeitet mit Waschsoda. Auch Rohrreiniger, die NaOH enthalten, sind geeignet. Das Aufl\u00f6sen in einer Lauge reicht zum f\u00e4rben aber noch nicht: Der Farbstoff kann sich erst fest mit dem Stoff verbinden, wenn er reduziert wurde, d.h. wenn der Sauerstoff entzogen wurde. Daf\u00fcr benutzt man Natriumdithionit, das in manchen Rezepten auch als Hydrosulfit bezeichnet wird. Das Zeug ist noch schwerer zu bekommen als NaOH (<a href=\"http:\/\/www.traub-wolle.de\">Traub<\/a> bietet es noch an), aber Entf\u00e4rber aus der Drogerie enthalten es &#8211; die &#8222;kr\u00e4ftigeren&#8220; mehr als 30% davon. Der Rest ist meistens &#8211; aha! &#8211; Soda und nat\u00fcrlich Parf\u00fcm. <!--more--><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nF\u00fcr eine Indigok\u00fcpe werden 55-60\u00b0 Temperatur empfohlen. Da das Wetter seit Tagen hei\u00df und sonnig ist, hat die Solaranlage den Wasserkessel auf \u00fcber 65\u00b0 aufgeheizt, d.h. ich konnte das Wasser aus dem Hahn benutzen, ohne gro\u00df den Herd bem\u00fchen zu m\u00fcssen, was bei der geplanten Menge von 1 kg Wolle und dementsprechend ca. 50 Litern Wasser nicht unwichtig ist. Ich setzte die Stammk\u00fcpe in einem Topf auf dem Herd an, um den 60\u00b0 recht nahe zu kommen. Derweil f\u00fcllte ich mehrere Eimer hei\u00dfen Wassers in den gro\u00dfen Waschkessel vor dem Haus und weichte den Stoff und das Garn in Wasser ein. Die folgenden Mengenangaben sind alle zirka-Angaben: In 7-8 Liter Wasser @60\u00b0 kamen 30 g Soda und sicherheitshalber noch ein E\u00dfl\u00f6ffel Rohrreiniger, die ich gut verr\u00fchrte, dann 150 g Entf\u00e4rber und 70-80 g Indigo. Nach Zugabe des Indigos sollte man nurmehr vorsichtig r\u00fchren, um nicht unn\u00f6tig Sauerstoff in die Suppe einzubringen. Wer in Chemie aufgepa\u00dft hat, wei\u00df, da\u00df Oxydation das Gegenteil von Reduktion ist, d.h. in diesem Stadium ist Sauerstoff b\u00f6\u00f6\u00f6se. Zu diesem Zeitpunkt stinkt die Br\u00fche irgendwie unangenehm &#8211; schwer zu sagen, wonach. Im gro\u00dfen F\u00e4rbebad wird es ertr\u00e4glicher.<br \/>\n<div id=\"attachment_601\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/stammkuepe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-601\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/stammkuepe-300x214.jpg\" alt=\"Die Stammk\u00fcpe beim Einr\u00fchren des Indigos: Sie wird allm\u00e4hlich gelb.\" title=\"stammkuepe\" width=\"300\" height=\"214\" class=\"size-medium wp-image-601\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-601\" class=\"wp-caption-text\">Die Stammk\u00fcpe mit noch nicht ganz einger\u00fchrtem Indigo: Sie wird allm\u00e4hlich gelb.<\/p><\/div><br \/>\nDen Topf mit der Stammk\u00fcpe habe ich nach einigen Minuten, als der Inhalt tr\u00fcb-gelb geworden war, in den Waschkessel gekippt, und zwar ohne Pl\u00e4tschern (was bedeutet h\u00e4tte, Sauerstoff einzubringen). Danach wurde die durchn\u00e4\u00dfte Wolle eingelegt, ca. 30 min. dringelassen und hin und wieder vorsichtig umger\u00fchrt.<br \/>\n<div id=\"attachment_613\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/kuepe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-613\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/kuepe-300x210.jpg\" alt=\"Die K\u00fcpe mit dem eingelegten Stoff. Die Oberfl\u00e4che oxydiert zu Blau.\" title=\"kuepe\" width=\"300\" height=\"210\" class=\"size-medium wp-image-613\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-613\" class=\"wp-caption-text\">Die K\u00fcpe mit dem eingelegten Stoff. Die Oberfl\u00e4che oxydiert zu Blau.<\/p><\/div><br \/>\nWenn man den Stoff herausholt, ist er erstmal leuchtend gelb, aber das \u00e4ndet sich schnell. Um m\u00f6glichst wenig Farbe zu verschwenden, zog ich Einmalhandschuhe an (Indigo kann sehr hartn\u00e4ckig sein) und wrang den Stoff aus, w\u00e4hrend ich ihn herausholte. Danach breitete ich ihn schnell \u00fcber zwei W\u00e4schest\u00e4nder und achtete darauf, da\u00df sich keine Falten bildeten, damit die Luft \u00fcberall gleichm\u00e4\u00dfig herankam. Das n\u00e4mlich ist das Geheimnis des Blaumachens: Da\u00df der zu Gelb reduzierte Indigo durch Luftsauerstoff allm\u00e4hlich wieder zu Blau oxydiert &#8211; aber erst, nachdem man den Stoff herausgeholt hat.<br \/>\n<div id=\"attachment_607\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/wolle_red1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-607\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/wolle_red1-150x150.jpg\" alt=\"Die Wolle ist schon teilweise zu Blau oxydiert...\" title=\"wolle_red1\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"size-thumbnail wp-image-607\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-607\" class=\"wp-caption-text\">Die Wolle ist schon teilweise zu Blau oxydiert...<\/p><\/div>&nbsp;<div id=\"attachment_608\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/wolle_red2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-608\" src=\"http:\/\/www.contouche.de\/projektblog\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/wolle_red2-150x150.jpg\" alt=\"... und jetzt fast ganz\" title=\"wolle_red2\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"size-thumbnail wp-image-608\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-608\" class=\"wp-caption-text\">... und jetzt fast ganz<\/p><\/div><\/p>\n<p>Der fleckige Stoff kam in einem mittleren, etwas gr\u00fcnlichen Blauton wieder heraus, war aber nur noch ganz leicht fleckig. Vermutlich wurde die vorhandene Farbe, das Indigocarmin, durch das zugegebene Natriumdithionit reduziert und wurde dadurch praktisch farblos &#8211; genau so wie bei den ersten Versuchen, als ich noch glaubte, da\u00df es sich um Indigopulver handele.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, heute hab&#8216; ich es dem fleckig-blauen Stoff ordentlich gegeben! &nbsp; Das Rezept f\u00fcr die Indigok\u00fcpe habe ich einer Userin im Flinkhand-Forum zu verdanken. Indigo ist in Wasser oder Alkohol nicht l\u00f6slich, aber in Laugen. 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