Letzte Ölung

Vor ein paar Wochen zog ich aus, um Metallrohr für die Mittelstange zu suchen, sowie für die letzten drei Seitenstangen, für die der Vorrat nicht gereicht hatte. Nach einigem herumtelefonieren geriet ich an einen Traditionsbetrieb, dessen Inhaber Methusalems Großonkel sein muß. Aus dem Fernsehen kennt man ja diverse Sorten Messis, aber nun lernte ich eine neue Spezies kennen: den Metallmessi. Denke Dir ein Viertel, das nicht ganz auf halbem Weg zwischen Altstadt und Stadtrand liegt. Zentral genug, daß jedes freie Grundstück ruckzuck bebaut wird, Mieten über 10 €/m². Ein Bretterzaun zwischen zwei 4-bis 5-stöckigen Gebäuden der Zwischenkriegszeit. Darin eine Brettertür mit kleinem, handgeschriebenem Namensschild. Wer nicht weiß, was er sucht, käme nicht auf die Idee, daß sich dahinter ein Metallwarenhandel verbirgt. Schiebt man das Tor auf, bietet sich dahinter dieses Bild:

Wo ist denn da das Büro? Antwort: In dem niedrigen Gebäude da hinten. Um dorthin zu gelangen, muß man über die am Boden liegenden Stangen balancieren. Steht man im Eingang zum Bürogebäude und schaut zurück Richtung Brettertür, sieht das so aus:
Das mit Papier- und Metallkram völlig zugemüllte Büro roch so stark nach Moder, daß ich es keine fünf Minuten darin aushielt. Das Dach einer Halle wird anscheinend nur von Stahlstreben hochgehalten, die sich hier auf ein Schwerlastregal und dort auf eine Mauer stützen. Auf dem Regal liegen Preßbündel von Getränkedosen, und unten liegen, zwischen Metallblechen und Eimern voller Metallspäne, zusammengeknüllte Katzenfutterschälchen aus Alu. Man könnte sie ja nochmal verticken… Nachdem die Tochter-cum-Bürokraft dem schwerhörigen Chef meinen Wunsch übersetzt hatte, kroch jener durch die diversen Schober und über den Hof, um das Gesuchte zu finden. Das Rohr für die Mittelstange fand er nicht, aber immerhin ein Rohrstück für die drei Seitenstangen, die noch ohne waren.
 
Heute Abend habe ich dieses Rohrstück zurechtgesägt, so daß die Seitenstangen nun fertig sind. Die neueren drei wackeln etwas mehr als die ursprünglichen, weil die Wandstärke nur 0,8 beträgt, während ich von den Stangen für Wandstärke 2,0 abgeraspelt hatte. Macht nix: Wenn das Zelt mit seinem ganzen Gewicht darauf hängt, wackelt nichts mehr.
 
Füher diese Woche kam das Rohrstück für die Mittelstange an. Das konnte ich nur in Stahl auftreiben, mit Außendurchmesser 48 und Wandstärke 2, also Stabilitäts-Overkill. Kostenpunkt: Zwei Bier für einen Hobbykollegen. 😉 Die Stange hat 45, also mußte ich 1 mm abraspeln (48-2=44). Das geraspelte habe ich mit einem Schwingschleifer und 40er Papier etwas geglättet, ein Loch in ein Ende der Stange gebohrt für den Messingpin, der durch die Zeltspitze gesteckt wird, Pin eingehämmert, die Stange mit Leinöl eingeölt.

Die dunklere Stange links ist die Mittelstange mit ihrer Stahlhülse


 
Die Schlaufen am Dach, in die die Knebel eingehängt werden, sind auch fertig. Dafür habe ich die Reste des blau gefärbten Garns genommen, das ich für Fensterkordeln nicht gebraucht hatte. Zwei Stränge davon, und zwei Stränge des gleichen, aber ungefärbten Garns zusammengeknotet, ein Ende über eine Türklinke gehängt und das andere in den Akkuschrauber eingehängt und dann so lange gedreht, bis das Ganze eine schön dichte Kordel ergibt. Die Schlaufen habe ich dicht unterhalb der Lederflicken angebracht, durch die die Seitenstangen gesteckt werden. Die Lederflicken sind übrigens die Reste der einteiligen FrüMi-Schuhe, die ich im Frühjahr genäht habe.

Die Mittelstange habe ich soeben mit Leinöl eingeölt. Bin gespannt, wie lange es dauert, bis sie trocken ist. Das Eschenholz scheint nicht so stark zu saugen wie das Fichtenholz der Seitenstangen.
 
Damit sollte nun alles für einen Probeaufbau bereit sein. An den unteren Enden der Nähte fehlen noch Seilschlaufen, aber die haben Zeit bis zum eigentlichen Aufbau. Die Heringe dafür habe ich sowieso noch nicht.

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