…und das Vorderteil ist fast fertig. *bling*

Die schrägen Tunnel unterhalb des Stickerei-Streifens sind in zwischen fertig, nur die großen Pailletten für die Blume (da, wo die Lücke im Paillettenbogen ist) fehlen noch. Das andere Vorderteil ist inzwischen in den Stickrahmen eingespannt.
… und das erste Musterteil glänzt, daß es einem in den Augen wehtut.

Bogen in Goldplätt
Es besteht aus 1,3 mm breitem, vergoldetem Plätt (=Plasch), der im Zickzack gelegt und bei jedem Zick und Zack mit einem Seidenfaden festgenäht wurde. Um der Biegung folgen zu können, mußte ich an der Innenbahn dichter stapeln als an der Außenbahn, und hin und wieder habe ich einen etwas kürzeren “Zick” gemacht, der vom nachfolgenden überlappt wird. continue reading »
Nach einer ersten Anprobe auf der Schneiderpuppe fand ich, daß der Kragenverlauf falsch war: Wie in der Schnittübersicht im vorigen Beitrag zu sehen, ist der Halsausschnitt rund, der des Leibls aber V-förmig. Zusammen sah das nicht gut aus. Also verpaßte ich dem Bescheißerl ebenfalls einen V-Ausschnitt.
Damit wäre die Tracht fertig gewesen, hätte ich nicht obendrein beschlossen, die Miederhaken weiter einwärts zu setzen. Dort, wo sie ursprünglich saßen, waren sie eigentlich ganz richtig, aber bei meiner Figur macht sich ein schmaleres Geschnür besser. Also setzte ich alle Haken um ca. 2 cm weiter auf die vordere Mitte zu.

Gestern kam die Geschnürkette an, juhuuu! Nun mußte ich endlich Farbe bekennen und die Miederhaken annähen. Außenstehende fragen sich wahrscheinlich, was daran so schlimm ist, daß ich da seit drei Wochen so ein Gewese drum mache.
Nun, es gibt in der Literatur ziemlich viele verschiedenen Arten, die Haken zu befestigen. Ich meine nicht die Technik, sondern… das Layout. Manchmal ist das Geschnür oben sehr breit und unten sehr schmal, oder oben und unten recht breit, manchmal sind die Haken in einer schrägen, aber geraden Linie angeordnet, manchmal in einer mehr oder minder gebogenen. Mal sitzt der obere Haken so weit oben, daß ich ihn mitten auf die Stickerei setzen müßte, mal sitzt er unterhalb der Stickerei, so daß der Übertritt halb frei hinge. Mal sitzen die Haken schräg nach oben weisend, mal horizontal.

Original aus dem Bayrischen Nationalmuseum

Original aus dem Bayrischen Nationalmuseum
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Da es mir bei der Tracht ebenso wie bei anderer historischer Kleidung um Authentizität zu tun ist, versuchte ich herauszufinden, wie ich den Rock an der Taille behandeln sollte. Ich ackerte sämtliche Bilder durch, die mit meine Bücher (Szeibert-Sülzenfuhs und Laturell, siehe Bibliothek) und Google Bildersuche boten. Viel war von den Röcken nicht zu sehen, aber den Texten bei Szeibert-Sülzenfuhs zufolge habe ich die Wahl, ob ich stiftle, reihe oder in Falten lege. Monika Hoede (Trachtenberaterin für den Bezirk Schwaben) widersprach dem nicht. Also werde ich Falten legen, wie ich es immer mache: Hintenrum viel Weite auf die Hintere Mitte zu, vornerum am Sparfleck gar nicht, seitlich auf die Seite zu. continue reading »
Damit ich bis zu einem gewissen Termin in Tracht auftreten kann, fehlt außer dem fertigen Mieder und der Geschnürkette noch einiges. Am Wochenende habe ich Bücher gewälzt, um herauszufinden, was:
ein Miederleibl,
ein Fürtuch (=Schürze),
ein Rock,
ein Bescheißerl, d.i. eine Art Chemisette mit plissiertem Kragen,
evtl. ein Halstuch, das besser paßt als diejenigen, die ich schon habe
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Aus irgendeinem Grund kann ich mich nicht entscheiden, wie genau ich die Miederhaken positionieren soll. Ich habe sie immerhin schon mal aufgelegt und dann ausgemessen, wie lang die Geschnürkette mindestens sein muß: Vier Meter. Und da ich gern mehrmals rum schnüren würde, wären mir acht Meter lieber.

Dann ging ich auf die Suche nach Anbietern und Preisen. continue reading »
Oha, die letzte Nachricht in dieser Kategorie war im letzten Mai und handelte vom leimen. Irgendwann letztes Jahr habe ich es noch geschafft, das Futter, das ich aus dem Trachtenmieder Nr. 1 rausgerupft hatte (als einzig rettbares Teil davon), auf das neue anzupassen und darauf festzuheften. Danach versuchte ich, Wollband in der richtigen Breite (ca. 2 cm) zu bekommen, um die Kanten zu versäubern. Ich ging sogar auf eine Trachtenmesse, in der Hoffnung, daß man da so etwas – oder notfalls auch (Seiden-)Taft – hätte. Meine Befürchtungen bestätigten sich: Den meisten Trachtenträgern ist die Authentik ziemlich egal; daher gibt es nur Einfaßbänder aus Viskose. continue reading »
Da die Tage länger werden, kann ich auch länger am Mieder arbeiten. Beide Vorderteile sind inzwischen fertig.
Die Stickerei wird oben und unten von einem Doppeltunnel umrahmt, mit je einem Peddigrohr-Stab darin. Darunter liegen schräg nach außen geneigte, leicht gebogene Doppeltunnel. Beim Original waren die Tunnel mit fein glattgeschliffenen Fischbeinstäben gefüllt. continue reading »
Anders als zuerst geplant, habe ich den Oberstoff samt untergelegtem Leinen zuerst auf die äußere der beiden Basislagen (d.h. der Lagen, zwischen die die Stäbe gelegt werden) geheftet und die Stickerei durch alle drei Lagen geführt. Das verlieh der Stickerei eine gewisse Stabilität, die für Stickerei über Kartonauflagen wichtig ist, damit sich nichts verzieht.
Danach wurde die innere Basislage aus altem, mittelfeinem und dicht gewebtem Bauernleinen aufgelegt und entlang der Kanten angeheftet. Dicht gewebt muß diese Lage sein, weil sie später mit Holzleim versteift werden wird und der Leim nicht bis auf die äußeren Schichten durchtriefen soll. Und da, wo gerade mal kein Leim ist, sollen die Enden der Peddig-Stäbe sich trotzdem nicht nach innen durchmendeln. Modernes Leinen ist dafür meistens nicht dicht genug.