Am zweiten Abend in Franzensbad kam endlich das Ballkleid zum Zug.


Fazit: Muß geändert werden.
Das Oberteil sitzt gut, aber die Ärmel nicht. Kommt davon, wenn man keine End-Anprobe machen kann. Vorn unten ist das Armloch zu eng, was zwar die zeitgenössische Schultern-zurück-Haltung fördert, aber zusammen mit der Enge der Ärmel führte das dazu, daß ich mit den Händen kaum auf die andere Körperseite hinüberkam. Aus rein optischen Gründen gehärt die Schulternaht oben auch näher an die Berthe. Also doch wieder eine höhere Ärmelkugel!
Kaum war ich aus Franzensbad zurück, kam auch schon der schwarze Seidenorganza für den Schleppenschutz an. Den muß ich nun falten und anbringen. Die Ärmel sind auch gerade herausgetrennt; der Ersatz harrt einer Anprobe.

Anfang Oktober war es endlich soweit: Die veranstaltung, für die ich monatelang geplant und geschafft hatte, der Enkel-Ball in Franzensbad (Františkovy Lázně).


Fazit: Sitzt, paßt, wackelt nicht und hat null Luft.
Zu ändern: Nichts. Angesichts der ersten Bilder dachte ich noch, daß der Rock zu kurz wäre, weil man gar so viel von den Stiefeln sah. Aber das lag wohl nur am Wind.

Der Hut ist übrigens von Lorkande.

Zugegeben, die letzte Etappe bestand größtenteils aus zwei Wochenenden Extreme Powernähing, ist also eigentlich mehr als eine Etappe.

Beim Probedrapieren hatte ich ja schon festgestellt, daß ich im Großen und Ganzen nur zwei volle Stoffbreiten zu je knapp 3 Metern Länge brauchte. Also mußte ich nur die Enden, die auf der Schleppe liegen, rund schneiden und versäubern. Von Hand, versteht sich. Und dann wieder drauf auf den Rock, am Bund festheften und an einigen strategischen Stellen mit ein paar Stichen am Rock befestigen, damit die Drapage nicht bei jeder Bewegung verrutscht.

Stufe Blau von vorn

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Ball-Schuhe

Sep 11, 2012

Meinen Recherchen zufolge sollten die Ballschuhe in etwa die Form moderner Pumps haben, vorzugsweise mit Riemen über den Spann oder mit Zunge, und auf jeden Fall mit Louis-XV-Absatz. Leider sind solche Absätze gerade überhaupt nicht in Mode, so daß in normalen Schuhläden nichts passendes zu finden war. Bei Tanz- und Brauschuhen sind derzeit die Chancen besser, aber auch da war die Auswahl nicht groß. Schließlich fand ich welche bei Harr, allerdings in nur weiß. Aber da es Satinschuhe sind, kann man sie fäben.
 
Kleiner Tip, falls Du auch einmal diese Schuhe bestellen wolltest: Es heißt dort im Shop, die Schuhe fielen “mindestens eine Größe kleiner” aus. Damit sind halbe Größen gemeint, d.h. wer normalerweise Größe 38 hat, sollte mindestens 38,5 bestellen. Die Schuhe fallen aber nicht nur recht kurz aus, sondern sind auch noch sehr schmal. Ich brauchte für meine breiten Quanten drei (!) halbe Größen größer.
 
Ich war drauf und dran, in einem anderen Tanzschuh-Laden spezielle Farbe zum Einfärben von Satinschuhen zu erstehen. Aber eigentlich… hatte ich doch noch haufenweise Seidenmalfarbe, die ich schon seit Jahren nicht mehr benutzt hatte und wohl auch so bald nicht mehr benutzen werde. Beim Schwarz färben kann ja eigentlich nicht viel passieren: Falls es nicht so richtig klappt, kann man immer noch mal darüberpinseln. Na dann!
 
Zuerst habe ich die Schuhe mit einem Schwamm angefeuchtet, damit die Farbe gut verläuft und keine Ränder bildet. Beim Färben von Garn und Stoff macht man das ganz ähnlich. Dann habe ich sie einfach mit einem großen Pinsel angemalt.

Das klappte ganz gut – allerdings stellte sich nach dem Trocknen raus, daß die Farbe doch nicht ganz gleichmäßig war, und die Farbe ganz allgemein eher anthrazit als schwarz. Also nochmal drüber, wieder trocknen, und dann nochmal. Trotzdem waren es alles in allem nur zehn, vielleicht 15 Milliliter Farbe.

Balltaille

Sep 11, 2012

Die Balltaille ist mittlerweile zugeschnitten, angepaßt und zusammengenäht. Beim Zuschneiden hatte ich, wie immer, kompetente Hilfe.

Wie immer habe ich die beiden Lagen der Schnitteile rechts auf rechts zusammengenäht und dann gewendet, um sie gleich zu versäubern. Es muß wohl am Taft gelegen haben, daß ich diesmal mehr Schwierigkeiten damit hatte, die Nähte nach dem Wenden auseinanderzubügeln: Taft hält einmal eingebügelte Falten so gern fest. Da mußte ich vorsichtig sein. Die Lösung:

Gerolltes Handtuch als Bügelkissen

Richtig fertig

Aug 19, 2012

Bei der letzten Anprobe, bevor ich mich traute, den Knopfschluß zu machen, stellte sich heraus, daß es obenrum mal wieder zu eng und in der Taille immer noch zu weit war. Wie kann das gehen, nachdem ich einen angepaßten Schnitt nochmal hatte anpassen lassen?
 
Ich habe also die Vorderkanten nochmal aufgemacht und noch größere Unter-/Übertritte angebracht. Hilft ja nix. Aber jetzt ist das Kleid wirklich fertig, mit Knöpfen, Taillenband und neuen Schößchenbelegen.

Die Schnittkante sollte nun von den Falten der schwarzen Drapage verdeckt werden. Also mußten die Enden der Falten im schwarzen Stoff unter dem Oberteil verschwinden, d.h. ich mußte die Schnittkante an der Taille entlang feststecken. Die Falten habe ich ebenfalls enlang der Taillenlinie festegesteckt, so daß sie ziemlich steil abwärts laufen.

Hintenherum müssen sie aber wieder rauf, zu dem Punkt rechts hinten auf dem Po. Das geht nur, wenn die Falten nach unten immer flacher auslaufen, um spitz auf eine zweite, von hinten oben kommende Falte zu treffen – oder der Faltenbruch verschwindet geflechtartig unter einem anderen. Im Foto habe ich beide Varianten ausprobiert; ich glaube, das mit dem Geflecht funktioniert am besten.

Untenrum schaut die Drapage etwas seltsam aus, weil ich die Puppe für das Foto gedreht habe. Die Schleppe, von zwei Ballen Seide beschwert, blieb liegen, so daß nun das Ende der Drapage um die Puppe gewickelt ist.

Von dem schwarzen Stoff brauchte ich – bis zum Ende der Schleppe gemessen – knapp drei Meter, von dem blauen zweieinhalb. Und damit ist der Rock noch lange nicht fertig. Bin ich froh, daß ich mir damals je 10 m auf Halde gelegt habe! Jetzt müßte ich mindestens doppelt so viel pro Meter abdrücken.

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Nach einigen Metern Faltenstreifen bügeln hatte ich davon erstmal die Nase voll. Also habe ich mich zur Abwechslung an der Rockdrapage versucht – noch ohne Stücke von den Stoffballen zu schneiden.


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Ballkleid-Unterrock

Aug 3, 2012

Da ich nun mit schwarzem Stoff hantieren muß, fällt mir erst auf, daß die Tage schon wieder um einiges kürzer geworden sind.
Als Basis für das Rockfutter des Ballkleides habe ich mal wieder den einen TV-Unterrockschnitt benutzt, den ich auch für späte Tournüren verwende. Ich habe ihn mit den Schnittdiagrammen für Schleppenröcke in Lechner & Beeg verglichen: Die Hinterbahn ist dort ebenfalls 120 cm breit. Für eine Schleppe erscheint diese Menge auch sinnvoll. Auf Höhe der Oberschenkel und Knie zeigt das Buch horizontale Tunnel mit Zugbändern darin, die die Rockweite hinten zusammenraffen, so daß sich die Schleppe erst ab den Knien ausbreiten kann – ein Stil, der v.a. in den späten 1870ern als “Balayeuse” (Fegerin) sehr in Mode war und bei der Vorlage für mein Ballkleid durchaus noch eine Rolle spielt.

Schlepprock, Innenseite. Lechner & Beeg, 1886

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Chintz!

Jul 31, 2012

Der schwarze Chintz fürs Ballkleid ist da! Leider ist er nicht oder nur marginal fester als mein cremefarbener Altbestand. Auf jeden Fall muß ich jetzt den Schnitt für die Balltaille machen. Der Schnitt ist schon abgewandelt, als nächstes muß ich einen Probeschnitt machen und anprobieren. Allerdings soll man normalerweise sowieso erst den Rock machen. Beim Tageskleid habe ich es nur deswegen andersrum gemacht, weil ich nicht sicher war, daß der Stoff reicht. Beim Rock mogelt es sich leichter als bei einer Taille.

Das Unterhemd ist auch fertig. Hals- und Armausschnitt könnten noch ein bißchen Spitze brauchen. Eigentlich dachte ich an schmale Weißstickerei-Spitze in kleinen Bögen, die ich noch finden müßte, doch dann fiel mir ein, daß ich von einer Weile eine ganze Karte schmaler (ca. 1 cm), blaßblauer Maschinenklöppelspitze billig auf eBay geschossen hatte. Wegen ihrer Farbe ist sie sowieso nur für relativ moderne Projekte geeignet.