Posts Tagged ‘Färben’

Ein Geldstrumpf des 19. Jh.: Vorbereitungen

Thursday, January 7th, 2016

Vor allem aus dem mittleren 19. Jh. haben sich viele Geldstrümpfe (aka Geldkatzen) erhalten, die meistens gehäkelt sind und oft mit eingearbeiteten Stahlperlen verziert. Ich liebe Stahlperlen und überhaupt Zierobjekte aus facettiertem Stahl! Seit ich das Seidengarn in knopflochseidenstärke beim Wollschaf gefunden und daraus ein Schirmdach gestrickt hatte, wollte ich unbedingt mal einen Geldstrumpf daraus stricken, zumal meine antiken Teile zu klein zum benutzen sind: Mehr als zwei Finger passen nicht hinein, und selbst dann besteht die Gefahr, daß die Seide reißt. Und dann haben die Stahlperlen an der einen auch noch Rost.
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Waid macht Blau

Friday, May 8th, 2015

Angeblich ist Färberwaid doch zweijährig, nicht? Nun, meiner geht jetzt ins 3. bzw. 4. Jahr. Ein paar Pflanzen waren im Weg, also habe ich geerntet. Dann hat letztens jemand auf Facebook gefragt, ob die Pflanze, die sie da geerntet hat, Waid sei, und ich habe versucht, ihr zu erkären, wie man das erkennt. Das ist eine ziemlich gute Frage, denn es ist nicht so leicht, Waid von anderen gelb blühenden Kreuzblütlern zu unterscheiden. Also habe ich mal meine Waid-Färberei fotografiert.

Der Versuchsaufbau.

Der Versuchsaufbau.

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Ein neues Nadelheft

Saturday, December 21st, 2013

Vor einiger Zeit ist mir ein ziemliches Malheur passiert: Ich hatte eine Bargello-Brieftasche in Arbeit, auf richtig feinem Zählstoff (dem feinsten, den es im Laden gab), und als sie halb fertig war, fand ich Mottenbefall auf dem Stickgarn. Also steckte ich das Ganze nach dem Brotbacken in den Ofen, um die Nachwärme zu nutzen. Was ich nicht bedachte: Das Backblech war noch brüllheiß. Das merkte ich erst, als es schmorig zu riechen anfing. *seufz*
Teile der fertigen Stickerei waren verkohlt, und wo ich noch nicht gestickt hatte, war der Trägerstoff z.T. zu brüchig, um noch darauf zu sticken.
 
Ungefähr zwei Jahre lang habe ich das Teil in einer Ecke versteckt, um es nicht mehr anschauen zu müssen. Jetzt im Weihnachtsurlaub fühlte ich mich endlich in der Lage, dem Elend ins Auge zu blicken und wenigstens die noch stabilen Teile so weit zu besticken, daß es für ein Nadelheft reicht. Das alte, grobschlächtigere Bargello-Nadelheft nämlich war bei der gleichen Gelegenheit verbrutzelt. ;-(

Das alte und das neue

Das alte und das neue


Ach ja: Das Stickgarn und das Kantenband sind natürlich selber gefärbt. Und das Muster findet sich so pder ähnlich auf diversen Brieftaschen des 18. Jahrhunderts, z.B. bei Vintagetextile oder hier. Letzteres war meine Vorlage.

Noch mehr Bargello

Wednesday, August 17th, 2011

Da ich nun schon einige gefärbte Wolle hatte, habe ich gleich noch etwas mehr gestickt: Zuerst ein Nadelheft als Geburtstagsgeschenk, dann eine Brieftasche für mich und noch ein Nadelheft für mich – das alte, aus einem weißgrundigen Stoff, war durch das jahrelange Herumziehen schon allzu versifft. Beim Nadelheft habe ich endlich auch mal Log geführt, wie lange das ganze braucht. Ergebnis: 10 Stunden für 8 x 19 cm auf einem Zählstoff mit 8 Fäden pro cm.

Original (oben links), Musterzeichnung (oben rechts), begonnene Stickerei (unten), Nadelheft (unten links)

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Färbeanfall

Wednesday, July 13th, 2011

Inspiriert durch das Färben der Zeltteile, mußte ich mal wieder meinen Vorrat an weißem Wollgarn angreifen.
 
Bei der Bargellostickerei hatte ich schon das Problem, nicht genug Abstufungen desselben Farbtons zu haben. Auch bei floralen Mustern des 18. Jh. sind solche Abstufungen nötig. Einen Anbieter von Stickgarnen habe ich schon einmal an den Rand des Wahnsinns gebracht, weil ich solche Abstufungen von Seidenfilament brauchte, die aber in der Farbkarte kaum zu finden waren. Heutzutags denkt man nun mal nicht an Farbreihen. Deshalb wollte ich nun Farbreihen aus je fünf Abstufungen eines Farbtons färben.
 

Farbreihen


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Bunte Strumpfbänder

Monday, December 13th, 2010

Als ich die erste Raute mit Blau füllte, erschien es mir, als ob vier Helligkeitsstufen pro Farbton nicht genug wären. Deshalb ging ich mittendrin dazu über, von jeder Farbe zwei Reihen zu sticken. Das fand ich aber auch nicht so toll. Eigentlich brauchte ich von jedem Farbton fünf oder gar sechs Helligkeitsstufen. Aber nur von Gelb und Grün hatte ich fünf, von Rot und Blau je vier, und von Violett gar nur drei. Die ungefärbte 20/2er Wolle hatte ich aufgebraucht.
 
Ich nahm also einen fertig gefärbten Strang des drittdunkelsten Blautons und tauchte ihn nochmal in ein weitgehend aufgebrauchtes Indigobad, um einen Farbton zwischen dem zweit- und drittdunkelsten zu erreichen, wo der Farbunterschied am größten war. Für Violett rührte ich eine sehr geringe Menge Cochenille in Wasser und tauchte ein paar Fäden nur sehr kurz ein (=hellrosa), dann fügte ich Eisensulfat hinzu und ließ einen Strang der zweitdunkelsten Farbe ca. 30 min. darin liegen. Das Ergebnis lag, wie erhofft, zwischen der dunkelsten und der zweitdunkelsten Farbe. Damit habe ich für Gelb, Grün, Blau und Lila je fünf Farben.

Schritt 2

Links der Anfang des ersten Strumpfbands, rechts das zweite

Strumpfbänder

Friday, December 10th, 2010

Das Bedürfnis, die vielen schönen selbergefärbten Wollgarne endlich mal zu benutzen, wurde übermächtig.
Nachdem mich die seidenbestickten Taschen etwas frustriert haben, dachte ich kurz darüber nach, sie mit der Wolle zu besticken, aber eigentlich bin ich gerade böse auf sie und mag sie erstmal nicht mehr sehen.
 
Was stickt man sonst noch so mit Wolle? Ah, Bargello, AKA flame stitch, das gefällt mir schon lange. Besonders die Varianten mit hell-dunkel-Farbverläufen, da macht es am allermeisten Spaß, viele Töne von einer Farbe zu haben. Eigentlich sogar noch mehr als ich tatsächlich hatte… also habe ich noch schnell geschaut, was fehlt (extrem helle bzw. dunkle Töne) und brauchte die allerletzten Bestände 20/2er Wolle dafür auf, von jedem gerade nur einen, höchstens vier Stränge zu färben. Diese Farben sind Momentan in der engeren Wahl:
Die Farbauswahl (more…)

Cochenille

Monday, December 6th, 2010

Cochenille-Färbungen

Cochenille-Färbungen

Wie im vorigen Eintrag erwähnt, habe ich mit Cochenille experimentiert. Nun habe ich endlich herausgefunden, wie man damit nicht nur Rosa bzw. Pink und Lila färben kann.
 
Das Ergebnis ist eine Farbreihe von Rosa über Hellrot, Karminrot und Dunkelrot, die einem den Stopsel raushaut. Im Bild ist oben 12/2er Wolle, unten 20/2er. Die Farbunterschiede sind nicht allein den unterschiedlichen Garnen geschuldet: Sie wurden in verschiedenen Töpfen gefärbt. Oben über den zwei Farbreihen siehst Du einen Strang, den ich mit Alaun und etwas Zinn(II)chlorid gebeizt hatte: Ein hübsches Altrosa, aber eine Enttäuschung, wenn man so oft gelesen hatte, daß Cochenille mit Zinnbeize Scharlach- bzw. Karminrot färben soll. Also wie soll das gehen? (more…)

Noch so ein Färbeanfall

Friday, December 3rd, 2010

Die Farben der Saison Nov. 2010

Die Farben der Saison Nov. 2010

Wenn ich meine Drohung wahrmachen und meine 18.-Jh.-Taschen in Wolle anstatt Seide besticken will, dann brauche ich viele verschiedene Farbtöne an Wollgarn. Von der für Stickerei am besten geeigneten 20/2er Wolle habe ich auch schon viele Farben gefärbt, aber derzeit gehen mir neben den Taschen auch Strumpfbänder in Bargello (flame stitch) im Kopf rum, was eher 12/2er Wolle erfordert.
 
Außerdem wollte ich ein paar Meter neu reingekommenen Wollmusselins und ein Stück ebenfalls neuen, weiß-grau gemusterten Fischgratstoff blau einfärben. Damit war klar, daß ich eine Indigoküpe ansetzen müßte. Und zwar in einem möglichst großen Topf, damit die drei Meter Wollstoff gut Platz haben. Mein größter Topf, wenn man von dem 100-Liter-Waschkessel vor der Haustür absieht, der momentan nur gefrorenes Wasser enthält, ist ein 40-Liter-Kupferkessel. Beim Wort “Kupfer” legen viele die Ohren an, weil Kupferbeizen die Farbe verändern können, aber bei Indigoküpen ist das Material des Topfes weitgehend wurscht. (more…)

Taschenstickerei 2

Tuesday, November 23rd, 2010

Wie gesagt, es geht langsam voran, weil ich fast ausschließlich bei Tageslicht sticke, also am Wochenende.
 

Phase 2

Phase 2

Ich kann mich nicht entscheiden, welche Technik ich anwenden will. Die zeitgenössische Vorlage ist komplett in Kettenstich gestickt, aber eben auch mit Wollgarn. Bei der blauen Blume mit roter Mitte habe ich mich in schattiertem Plattstich versucht, aber dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Blütenblättern. Bei der roten Blume in der Mitte habe ich Plattstich mit Kettstich umrandet, aber das wirkt grobschlächtig.
 
Bei den gelben Blüten und den Blättern habe ich probiert, die dunklere Seite in Knopflochstich zu machen, so daß sich dort eine Begrenzungslinie ergibt, die so scharf in Plattstich nicht zu machen ist, wenn nicht auch der Grundstoff sehr fein ist – und das ist Leinen nun mal nicht. (more…)