Gelb, gelb, gelb sind alle meine Kleider

Ich Depp hätte mal ausrechnen sollen, wieviel meine Färbetöpfe fassen – einfach genug ist es ja: Durchmesser in Dezimetern mal Pi, multipliziert mit Höhe in Dezimetern, ergibt das Volumen in Litern. Das sind bei meinen Töpfen gerade mal 10 bzw. 15 Liter.
 
Daß die Töpfe recht klein sind, war mir schon klar. Deshalb wollte ich nach dem Zwiebelschalen-Experiment lieber im 100-Liter-Waschkessel färben, den ich aber, wie gesagt, momentan nicht befeuern kann: Das Abgasloch ist gerade mal 50 cm von einer Hauswand entfernt; die Nachbnarn würden mich lynchen. Aber eine Kaltfärbung müßte doch gehen, und mit Walnußschalen soll man kalt färben können. Also weichte ich ca. 600 g getrocknete, geschnittene Schalen (für die gleiche Menge Wolle) über Nacht ein, kippte das Ganze zu einigen Kübelvoll klaren Wassers in den Waschkessel und legte die Wolle ein. Das Rezept sprach von 48 Std. Färbezeit.
 
Die helle und die "dunkle" Walnußfärbung.
Da die Hälfte der Wolle nur hellbraun werden sollte, nahm ich sie nach 24 Std. raus. Die resultierende Farbe war genau so, wie ich sie haben wollte: Wie Haselnußeis (nocciola). Wegen des warmen Wetters hatte der Sud mittlerweile zu gären angefangen. Nach weiteren 24 Std. war die restliche Wolle leider nicht, wie erwartet, dunkelbraun (chioccolata), sondern eher mittel (bacio). Womöglich war ich durch die zuvor allzu kleinen Töpfe so geschädigt, daß ich diesmal mit der Wassermenge allzu großzügig war: In einem 100-Liter-Kessel verlieren sich 20, 30 Liter Färbesud wie Rohöl im Golf von Mexiko. Ich versuchte eine Überfärbung mit einem Restbestand gemahlener Walnußschale (100 g) in ca. 15 L heißen Wassers (könnte ja sein, daß eine Heißfärbung besser geht als eine Kaltfärbung) und ließ die Wolle ca. 20 Std. im erkaltenden Sud. Die Wolle ist noch nicht trocken, so daß das letzte Wort nicht gesprochen ist, aber ich glaube nicht, daß es viel gebracht hat.
 
Aus dem Zwiebelsud war ein 3-Meter-Stück leichten Wollstoffs ziemlich fleckig rausgekommen, was im Nachhinein nicht weiter überraschend ist, da der Topf so viel kleiner war als gedacht. Ich hielt es für möglich, daß Stoff nur eine bestimmte Menge an Farbe aufnehmen kann, d.h. wenn ich den fleckigen Stoff noch einmal mit Zwiebel überfärbte, würden die dunkleren Partien vielleicht keine oder nur wenig zusätzliche Farbe annehmen, die helleren Partien aber mehr, so daß es sich ausgliche. Zwiebelfärbungen sollen aber heiß sein…
 
Da sich gezeigt hatte, daß heißer Sud im Waschkessel ziemlich gut die Temperatur hält, wagte ich ein neues Experiment: Der 15-Liter-Topf wurde randvoll mit Zwiebelschalen gefüllt und heiß aufgegossen. Während der Sud zog, füllte ich den Waschkessel etwa halbvoll mit heißem (~60°) Wasser. Dann goß ich den Zwiebelsud dazu und legte den Stoff sowie 100g alaungebeizter, naturfarbener Wolle ein. Letztere sollte später mit Indigo überfärbt werden, um ein ordentlich knackiges Grün zu erhalten. Als ich aber nach einigen Minuten die Wolle herauszog, hatte sie ein so strahlendes und gleichmäßiges Kaisergelb angenommen, daß es ein Frevel wäre, es zu überfärben. Der fleckige Stoff blieb gut eine Stunde im Sud, der in dieser Zeit um gerade mal 5°C abkühlte (von knapp 60 auf gute 50°), und war am Ende zwar noch immer fleckig, aber weitaus weniger als zuvor. Wir merken uns: 1. Heißfärbungen im Waschkessel sind auch ohne Feuer möglich, 2. Überfärben mit der gleichen Farbe kann zumindest ein bißchen was bringen.
 
Daß die Flotte die Temperatur so gut hält, macht Hoffnung für die kommende Krappfärbung, die vielleicht auch ohne Unterfeuerung auskommt, was dem Nachbarschaftsfrieden zuträglicher wäre als das beste Ofenrohr.
 
Inzwischen habe ich mit dem Sticken angefangen, am unteren Ende eines Ärmels: Die Umrandungen aus zugekauftem dunkelblauem, indigogefärbtem Garn, die Innenflächen aus der mintfarbenen Stockrosenfärbung. Im Foto hängen noch Reste des Stickvlieses (weiß) in schwer zugänglichen Ecken. Das Stickgarn ist 20/2er Wolle, doppelt genommen und im Spaltstich verstickt.

Stickerei am Manschettenende, mit Resten von Stickvlies

Stickerei am Manschettenende, mit Resten von Stickvlies


A propos Mint: Bilder der Stockrosenfärbung fehlten noch. Bitte sehr:
Stockrosenfärbung: Hätte blau werden sollen. Merkt man, oder?

Stockrosenfärbung: Hätte blau werden sollen. Merkt man, oder?

This entry was posted in Bajuwaren, Färben, Rotes Klappkleid and tagged , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.