Motten!

Da ich gerade mal wieder, wie eigentlich jedes Frühjahr, von Mottenbefall in meinem Stofflager geplagt werde, dachte ich mir, daß es vielleicht auch für andere ganz interessant wäre, was ich mir im Lauf der Jahre über diese Mistviecher und ihre Bekämpfung zusammengelesen habe.
 
F: Was kann von Motten befallen werden?
A: Motten, oder genauer gesagt deren Larven, stehen auf Keratin. Das ist z.B. in Haaren und Federn enthalten. Befallen wird also alles aus Wolle (Strickwolle, Wollvliese, Wollstoffe, Schaffelle), Vogelfedern (Dekofedern für den Hut ebenso wie Daunendecken) und Pelz. Auch Menschenhaare fallen ins Beuteschema. Pflanzenfasern wie Baumwolle und Leinen, aber auch Seide und vor allem Kunstfasern sind für Motten sowas von uninteressant. Allerdings knabbern die Mistviecher diese Fasern durchaus auch an, sofern sie in der Nähe sind. Es scheint, daß die Viecher lieber fluffige Fasern mögen als Stoffe aus fest verzwirnten Garnen mit glatter Oberfläche, also z.B. Federn, Pelz, Wollvlies, Knüpfteppiche, gefilzte Wollstoffe lieber als glatte. Vielleicht wegen der größeren Oberfläche, an der man besser knabbern kann. Bei einem Wollstoff mit aufgerauhter Oberfläche wird z.B. der Faserfluff abgekaut, während die eigentlichen Fäden unberührt bleiben. Ich fand zwar mal Spuren von Befall auf einer Baumwoll-Patchworkdecke – aber nur, weil die Katzen gern darauf schlafen und daher ihre leckeren Haare darauf hinterließen. Das heißt aber auch: In einem Haushalt mit haarenden Viechern finden Motten fast überall etwas zu fressen, nicht nur im Kleiderschrank oder Stofflager.
 
F: Wie erkennt man Mottenbefall?
A: Am besten mit Hilfe von Pheromon-Klebefallen. (Achte darauf, daß sie speziell für Kleidermotten sind! Für Lebensmittelmotten gibt es wieder andere.) Auf der Oberfläche befallener Textilien findet man bei genauem Hinsehen hellgraue Röhren (Durchmesser ca. 1-1,5 mm) aus spinnwebartigem Gespinst, die von den Larven hinterlassen werden, im fortgeschrittenen Stadium die berühmten Löcher im Stoff sowie winzige Krümel in der Farbe des jeweiligen Stoffes, die nichts anderes sind als Mottenlarvenkacke. Die Larven selbst bekommt man nur selten zu sehen, dabei sind sie diejenigen, die den ganzen Schaden verursachen. Und schließlich, wenn es eigentlich schon zu spät ist, an fliegenden Motten – wobei aber nicht jede Motte eine Kleidermotte ist. Erwachsene Kleidermotten sind 5-8 mm lang und goldbeige, während Lebensmittelmotten ca. 8-12 mm lang sind, dunkelbraun und mit einem helleren, orangen Querstreifen über die Flügel.

Gespinströhre

Eine Gespinströhre auf Leinen. Die grauen Krümel sind Mottenlarvenkacke in der Fabe von Katzenhaaren. Ich glaube, rechts unterhalb des großen braunen Krümels eine Larve zu erkennen.


Mottenlarve

Der Verbrecher: Die Larve, die all die Löcher macht, ist nur ca. 3 mm lang


 
F: Ich habe Löcher in Wolle/Federn/Pelz gefunden, aber kein anderes der o.g. Anzeichen. Dafür fand ich leere Hüllen: länglich-oval (ca. 4-8 mm lang, 1-2 mm breit) und quergestreift, wie ein haariges braunes Silberfischchen.
A: Du hast Teppich- oder Pelzkäfer. Die Larven fressen ebenfalls Keratin. Die leeren Hüllen habe ich schon oft gefunden, aber nie den Käfer selbst. Kälte und Hitze (s.u.) helfen bei denen wahrscheinlich auch, Schlupfwespen wohl nicht.

Larve eines Pelz- oder Teppichkäfers


 
F: Stimmt es, daß Lebensmittelmotten auch an Wolle gehen, wenn sie kein Lebensmittel zu fressen finden, und umgekehrt?
A: Ich zwar keine Entomologin, aber das halte ich für ein Gerücht. Wenn Arten so sehr auf eine bestimmte Ernährungsweise angepaßt sind, ist es meistens auch der Stoffwechsel.
 
F: Was kann man gegen Motten tun?
A: Pheromonfallen helfen nicht – sie können nur anzeigen, daß Motten unterwegs sind. Es bleiben nur die Männchen daran kleben, aber beileibe nicht alle, und vor allem könnten sie die nächste Generation schon vorher gezeugt haben. Mottenpapier wirkt eher präventiv, ebenso wie Lavendel und Zedernholz. Alle drei müssen mindestens alle halbe Jahre aufgefrischt werden. Insektenspray müßte man u.U. großräumig verteilen, und ich weiß nicht, ob es auch auf Eier wirkt. Falls nicht, müßte man immer wieder mal sprühen. So viel von dem Zeug würde ich nicht einatmen und v.a. auch meinen Katzen nicht antun wollen. Wer weiß, ob sie nicht Fallout ins Fell bekommen, wenn sie im behandelten Raum schlafen? Den würden sie dann bei der Wäsche auflecken und sich so womöglich allmählich vergiften.
 
Es gibt drei wirklich gute Methoden, schon vorhandene Motten loszuwerden:

  • Kälte: Befallene Textilien für mehrere Tage in die Gefriertruhe stecken, für ein paar Tage herausnehmen und wieder für ein paar Tage hineinstecken. Im Winter kann man die Sachen in den russischen Kühlschrank verfrachten, sollte dafür aber die kältesten Tage (-10° und darunter) erwischen.
  • Hitze: Motteneier und Larven, so heißt es, kratzen bei 60° und mehr ab. Man könnte befallene Textilien in den Backofen stecken oder, falls sie nicht hineinpassen, sie an einem heißen Hochsommertag draußen in voller Sonne ausbreiten. Leider fangen die Mistrviecher an, sich zu vermehren, bevor das Wetter diese Behandlung zuläßt.
  • Nützlinge: Die Schlupfwespe Trichogramma evanescens legt ihre Eier in oder auf die Eier der Motten, und wenn ich mich recht entsinne, fressen die Trichogramma-Larven dann die Motteneier. Dadurch vernichtet sie eine ganze Generation Motten auf einen Schlag, aber für eine komplette Bekämpfung müssen mehrere Schlupfwespen-Generationen losgelassen werden, passend zu den Motten-Generationen (die Nützlings-Anbieter schicken einem rechtzeitig Nachschub). Die Bekämpfung durch Nützlinge ist ökologisch unbedenklich, aber auch ziemlich teuer und nicht unbedingt nachhaltig: Ich habe letztes Jahr 200 € für Nützlinge ausgegeben, hatte den Rest des Jahres Ruhe, aber jetzt ist der Befall kaum weniger schlimm als letztes Jahr.

Meine Empfehlung wäre wie folgt:
 
Wenn, wie bei mir, ein ziemlich großer Teppich befallen ist, den man nicht eben mal in die Sonne legen oder in die Gefriertruhe stecken kann, weil er einfach zu groß und schwer ist, dann lohnt es sich, ihn mit ein paar Nützlingskärtchen in eine Malerfolie einzuwickeln. Allerdings kostet eine Lieferung von 16 Kärtchen (4 Stück in 4 Lieferungen) ungefähr 40-50 Euro, und ein Kärtchen ist, den Angaben der Abieter zufolge, nur für ca. 1/4 Kubikmeter gut. Bedenkt man, daß die Anbieter wahrscheinlich von Kleiderschränken ausgehen, wo ein paar Klamotten relativ locker (d.h. für die Nützlinge leicht zugänglich) herumhängen und -liegen, dann braucht man für einen aufgerollten Teppich (in dem die Nützlinge sich nur in der Fläche bewegen können) oder einen Sack voller Stoffballen vermutlich noch viel mehr. Hat man also Wolle u.ä. in ziemlich großen Mengen, dann bräuchte man Nützlinge für mehrere hundert Euro, so daß sich folgende Methode eher lohnt:
 
Im tiefsten Winter, wenn es so richtig arschkalt (<-10°) ist, alles das, was Motten lecker finden könnten, für mehrere Tage nach draußen schaffen. Bei so tiefen Temperaturen sollte es keine Niederschläge geben. Das gleiche noch einmal im Hochsommer: Wenn die Sonne so richtig runterknallt, eben dieselben potenziell leckeren Sachen draußen ausbreiten. Da Motten eine Gernerationsfolge von etwa drei Wochen haben, müßte man diese Behandlung in etwa diesem Abstand wiederholen. Geht natürlich nicht immer, aber wenn man weiß, daß man ein Mottenproblem hat, sollte man sich bemühen, darnzubleiben, sonst kommen die Mistviecher immer wieder.   Ach ja: Ausgeräumte Schränke sollte man mit Insektenspray aussprühen. Besonders in den Ecken. Siehe auch: Lexikon der Schädlinge

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