Archive for the ‘Allgemein’ Category

Ein neues Werkelvirus

Sunday, July 10th, 2016

In letzter Zeit War es hier ein wenig still, weil die Hauptmethode, meine selber gesponnene Wolle zu verarbeiten, Stricken war – und die meisten dieser Projekte waren nicht historisch.
 
Und jetzt habe ich eine neue Methode, Garn loszuwerden: Weben. Es begann harmlos mit einem gebrauchten Ashford Rigid Heddle Loom. Aber was will man damit schon groß machen? Meterware? Nicht bei dem Tempo. Und die Gatterkämme, die die maximal mögliche Kettdichte bestimmen, eignen sich nur für Sockenwolle und dicker, also z.B. Schals und Tischläufer. Nicht mein Zielgebiet.
 
Und so steht nun seit knapp 2 Monaten der kleinste Webstuhl, den ich finden konnte, in meinem Wohnzimmer. Öxabäck Lilla, 8 Schäfte, 8 Tritte, 1m Webbreite.
 
Das erste Projekt war nur optional historisch: 4schäftiger Rautenköper mit Indigo-Kette und Krapp-Schuß, Industriegarn. Das zweite war eine Seidenschärpe für meinen 18.-Jh.-Banyan. Auf der Suche nach einem historisch verbürgten Muster fand ich auf handweaving.net mehrere Musterbücher von 1677 über 1748 bis 1807.

Das Muster der Schärpe

Das Muster der Schärpe


 
Als nächstes ist nun etwas richtig historisches dran…

Und es ist Zeit, den Namen des Blogs zu ändern, den nur Nähprojekte sind es ja eigentlich schon lange nicht mehr.

Endlich mal ein guter Film über mein Hobby!

Friday, January 31st, 2014

In den letzten Jahren gab es ja immer wieder mal Reportagen über Geschichtsdarstellung, und fast immer kommen die Hobbyisten mehr oder weniger als Spinner rüber, was oft auch an der Auswahl derer liegt, die da – man kann es nicht anders sagen – vorgeführt werden.

Entsprechend vorsichtig war ich auch, als letztes Jahr eine Dame vom BR bei mir aufschlug, die einen Film über Darstellung des 18. Jh. machen wollte. Diese Woche lief er nun im Fernsehen und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

In der Mediathek des BR: Lebendige Geschichte

Schnitt von einem Original abnehmen: Abpausen

Sunday, December 15th, 2013

Dieser Tage hatte ich eine jener Gelegenheiten, nach denen sich wohl jeder Kostümer die Finger abschleckt: Ich durfte den Schnitt von einer originalen Schnürbrust abnehmen. Leider fiel mir erst hinterher ein, daß das ja eigentlich auch ein dokumentierwürdiges Projekt ist, so daß es vom Schnittabnehmen selbst keine Bilder gibt.
 
Wie nimmt man den Schnitt von einem Originalteil ab, ohne ihm Schaden zuzufügen? Bei den meisten Schnürbrüsten ist das relativ einfach, weil man sie flach hinlegen kann. Auch die Nähte sind sehr oft schnurgerade. Das ist einfach. Die Schürbrust, die es mir angetan hatte, ließ sich nicht flach auflegen: Die Schulterteile sind ausgesteift und so in Form gebracht, als ob sie sich um eine Schulter schmiegten. Und auf den Zaddeln sind kleine Wülste befestigt.
 

Der Träger steht vol allein

Der Träger steht vol allein

Flach auflegen? Ein frommer Wunsch!

Flach auflegen? Ein frommer Wunsch!


Meine Methode sieht so aus: Einen dicken Packen großer Zeitungsseiten auf den Tisch legen, als Unterpolsterung. Darauf eine Lage sauberes Seidenpapier, damit keine Druckerschwärze an das gute Stück kommt. Darauf die Schnürbrust, die dort, wo es nötig ist, von zerknülltem Seidenpapier gestützt wird. Darüber wird ein Stück durchsichtiger Folie gelegt; besonders geeignet und günstig finde ich Malerfolie “extra stark” aus dem Baumarkt. Um das Objekt herum wird die Folie fixiert, indem man Stecknadeln schräg in die Zeitungspapier-Unterlage steckt. Je dünner die Unterlage, desto schräger: Der Kopf sollte nicht zu weit hervorstehen, damit man nicht mit dem Ärmel die Nadel unbemerkt wieder herausreißt, und die Nadelspitze sollte den Untergrund nicht zerkratzen. (more…)

Habemus Schneiderpuppe!

Wednesday, March 28th, 2012

Die Aktion mit nur einer Hälfte der Form habe ich mit der anderen Hälfte wiederholt. Die erste Schicht Schaum hatte nämlich eine ganz seltsame Struktur: Auf der Oberfläche wie Filigran, und darunter taten sich z.T. größere Höhlen auf.

Tropfsteinhöhle?

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Stufe 4: Der spannende Moment…

Sunday, March 25th, 2012

… in dem der Elefant ins Wasser rennt.
 
Eine Nacht ließ ich den Schaum trocknen, dann machte ich mich daran, die Form vom Schaum abzulösen.
 
Zuerst riß ich das Gewebeband von Armlöchern und Halsloch ab, um zu sehen, ob alles gut gefüllt sei. War es zu meinem Entsetzten nicht, wie das folgende Foto zeigt. Beache den recht großen Hohlraum am rechten Bildrand.

Armloch

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Stufe 3: Ausschäumen

Saturday, March 24th, 2012

Das mit dem Mehlkleister hat tatsächlich geklappt. Ich hatte nicht mehr nachgeschaut, wie man Mehlpapp richtig kocht, so daß das Zeug womöglich gar kein richtiger Kleister war, aber es reichte, damit die Plastikfolie daran klebte.

Plastikfolie, eingekleistert

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Stufe 2: Form zusammenkleben

Saturday, March 17th, 2012

Diesmal möchte ich nicht die beiden Hälften gesondert mit Bauschaum füllen, wie ich das beim ersten Mal gemacht hatte. Da die Schnittkanten der Hälften sich immer ein wenig verziehen, passen am Ende die Bauschaum-Hälften womöglich nicht mehr genau zusammen. Man könnte sie zwar später passend schnitzen, aber welche der Hälften hat die richtige Form? Die mit dem flachen Bauch oder die mit dem gewölbten? Wenn es letztere wäre, und ich den Bauch flach schnitzte, wäre das falsch. Aber auf den flachen Bauch nachträglich etwas draufarbeiten geht auch nicht.

Fertig zusammengeklebt

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Bauschaum-Schneiderpuppe, zweiter Versuch

Saturday, March 17th, 2012

Da ich demnächst ein paar Gründerzeit-Klamotten machen muß, brauche ich endlich eine Schneiderpuppe mit entsprechender Korsettfigur. Die Fertigschnitte sitzen an mir nie richtig.
 
Beim leicht danebengegangenen ersten Versuch (fürs 18. Jh.) hatte ich zu wenige Gipsbinden. Diesmal hatte ich dreimal so viele gekauft. Was ich nicht bedacht hatte: Je dicker die Schicht, desto länger dauert das Trocknen. Statt etwa einer Stunde stand ich diesmal 4 Stunden herum. Das Eingipsen an sich dürfte die Hälfte davon ausgemacht haben.
Richtig durchgetrocknet war das Teil auch 24 Std. später noch nicht.
 
Die komplette Anleitung, die ich im Verlauf des Projekts verbessernn werde, gibt es hier.

Die Taille wird abgeklebt, um die Falten unter Kontrolle zu halten.

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Motten! – Teil 2

Sunday, October 9th, 2011

Die Mottenplage hat sich mittlerweile über alle Räume ausgebreitet. Beim Staubsaugen fand ich die Spuren ihrer Aktivität in einem kleinen Orientteppich, den ich geschenkt bekommen hatte.
 
Als ich Mottengepsinste in einer Borstenbürste (!) fand und dann obendrein eines der Mistviecher unter dem Teppich im Arbeitszimmer hervorkroch – einem Teppich, der regelmäßig gesaugt wird! – platzte mir der Kragen.
 
Da alle im vorigen Motten-Beitrag aufgelisteten Methoden auf Dauer nicht gefruchtet haben (es blieben halt doch immer wieder genug Mitsviecher übrig, damit es von vorn losging), versuche ich es jetzt mit aushungern: (more…)

Kochen in Bad Windsheim

Saturday, July 30th, 2011

Im Freilichtmuseum Bad Windsheim wurde zum ersten Mal das frisch wiederaufgebaute Jagdschlößchen aus Eyerlohe bespielt. Ich war scharf darauf gewesen, auf dem gemauerten Herd im Keller zu kochen, seit ich das Schlößchen (es ist wirklich recht klein) bei einem früheren Museumsfest fast fertig gesehen hatte. Dieses Jahr war es soweit. Der Zeitrahmen war 1811. Extra dafür hatte ich im Frühjahr zwei Empirekleider genäht, obwohl das schon meine Viertepoche ist. (more…)