Bescheißerl

Ich glaube, ich erwähnte schon, daß man um 1840 meistens einen weißen Kragen unter dem Schultertuch hervorlugen sieht. Laut Szeibert-Sülzenfuhs ist das eine Art Chemisette, Bescheißerl genannt. So etwas ist sinnvoll, um das nicht waschbare Schultertuch und Leibl vor Hautfett zu schützen. Viele Vorlagen fand ich nicht; am besten gefiel mir eine, bei der der dicht plissierte Kragen hintenherum etwas höher ist und hochsteht und vorne wie bei einem V-Ausschnitt hinunterläuft und dabei immer schmaler wird.
 

Kellnerin, 1841. Scan aus Szeibert-Sulzenfuhs.



Den Hauptteil des Bescheißerls habe ich aus einem neu erstandenen, relativ feinen Leinen geschnitten, den Kragenteil aus einem noch feineren und vor allem dichteren – er soll ja stehen, und zwar ohne Draht. Stärke ist das stärkste Geschütz, das ich aufzufahren bereit bin.
 

Den Kragenteil möchte ich nicht plissieren, weil ich mich sonst nach jeder Wäsche totbügle. Er wird rolliert und eingereiht, wie ein Jabot des 18. Jahrhunderts. Die schmale Spitze, die man oft an der Oberkante des Kragens sieht, werde ich mir vermutlich sparen.

This entry was posted in 19. Jahrhundert, Biedermeiertracht and tagged , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.