Nach einer ersten Anprobe auf der Schneiderpuppe fand ich, daß der Kragenverlauf falsch war: Wie in der Schnittübersicht im vorigen Beitrag zu sehen, ist der Halsausschnitt rund, der des Leibls aber V-förmig. Zusammen sah das nicht gut aus. Also verpaßte ich dem Bescheißerl ebenfalls einen V-Ausschnitt.
Damit wäre die Tracht fertig gewesen, hätte ich nicht obendrein beschlossen, die Miederhaken weiter einwärts zu setzen. Dort, wo sie ursprünglich saßen, waren sie eigentlich ganz richtig, aber bei meiner Figur macht sich ein schmaleres Geschnür besser. Also setzte ich alle Haken um ca. 2 cm weiter auf die vordere Mitte zu.

Ich glaube, ich erwähnte schon, daß man um 1840 meistens einen weißen Kragen unter dem Schultertuch hervorlugen sieht. Laut Szeibert-Sülzenfuhs ist das eine Art Chemisette, Bescheißerl genannt. So etwas ist sinnvoll, um das nicht waschbare Schultertuch und Leibl vor Hautfett zu schützen. Viele Vorlagen fand ich nicht; am besten gefiel mir eine, bei der der dicht plissierte Kragen hintenherum etwas höher ist und hochsteht und vorne wie bei einem V-Ausschnitt hinunterläuft und dabei immer schmaler wird.

Kellnerin, 1841. Scan aus Szeibert-Sulzenfuhs.
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Das Miederleibl ist inzwischen fertig.
Die voll gefütternten Ärmel erwiesen sich als zu steif und unangenehm bei der Bewegung. Also kürzte ich das Futter bis auf knapp unter dem Faltenbesatz – den Besatz zu halten, war sowieso der einzige Zweck des Ärmelfutters.

Fertig besetzter Ärmel
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Inzwischen habe ich Schnitte für das Miederleibl bekommen, aber leider muß ich da etwas nacharbeiten: Die Ärmelschnitte gehören offenbar eher in die 1830er bzw. 1850er. Außerdem halte ich es für sinnvoller und der Zeit gemäßer, den gefältelten und bauschigen Oberstoff auf einen Futterärmel zu applizieren, für den kein Schnitt dabei war.
Ich versuchte es mit einem Futterärmel von einem 1790er-Schnitt. Nur leider hat der die Längsnaht ganz woanders als der Oberstoff-Ärmel. Blöd, blöd, blöd. Aber das kriege ich schon irgendwie hin.
Ich lege nun also zuerst den unteren Ärmelteil auf das Futter. Am Handgelenk und obenrum lege ich den Oberstoff in kleine Fältchen, lasse aber den Teil, der später auf der Innenseite des Armes liegen wird, glatt: Ich möchte ja nicht, daß sich später die Fältchen am Mieder aufreiben. Außerdem war das im Biedermeier offenbar so üblich.

Oberhalb davon kommt ein in dichte, kleine Falten gelegter Streifen. In der Unterkante desselben liegt Paketschnur als Paspel.

Wenn dieser Streifen aufgesetzt ist, bleibt immer noch die obere Ärmelkugel zu bedecken. Das muß ein weiterer gefältelter Streifen leisten. Wo sie zusammentreffen, wird ein schmaler Streifen aufgesetzt, um die Stoffkanten zu verdecken.
Dies ist eine Vorschau auf das eigentliche Posting, das erst nach der Hochzeit mit Bildern veröffentlicht wird, um die Überraschung nicht zu verderben.
Inzwischen habe ich Schnitte für das Miederleibl bekommen, aber leider muß ich da etwas nacharbeiten: Die Ärmelschnitte gehören offenbar eher in die 1830er bzw. 1850er. Außerdem halte ich es für sinnvoller und der Zeit gemäßer, den gefältelten und bauschigen Oberstoff auf einen Futterärmel zu applizieren, für den kein Schnitt dabei war. continue reading »
Als ich meine Trachtenbilder durchgeschaut hatte, war mir aufgefallen, daß die Röcke im Biedermeier ordentlich ausgestellt waren. Das wurde zu jener Zeit nicht nur durch recht viele Unterröcke erreicht, sondern auch durch solche mir Roßhaar- und/oder Schnurversteifung (wobei die Schnüre wohl oft aus Roßhaar waren). Es muß also auch noch ein Schnur-Unterrock her.
Was für eine Schnur nehmen? Sie sollte ja recht steif sein, dabei aber auch nicht allzu schwer. Das Hanf-Abspannseil fürs Zelt (6 mm dick) erschien mir etwas zu gravottisch, Paketschnur zu dünn. Da ich aber gerade einiges an Paketschnur hatte, flocht ich je 6 Stränge zu Zöpfen à 3 Meter (=Saumumfang) und versteifte sie z.T. noch mit Ponal. continue reading »
Wie erwähnt, hatte ich die Reste der graublauen Française für den Rock auserwählt. Wie geplant besteht er aus zwei Bahnen à 150 cm Breite und einer à 40 cm, die den Sparfleck vorstellt. Am linken Ende des Sparflecks ist ein Verschlußschlitz eingerichtet, am rechten Ende eine Tasche eingenäht:

Rocktasche
Die Taille wurde, außer am Sparfleck natürlich, in kleine Falten eingelegt, die ca. 7-10 mm unter der vorigen hervortreten und 10-15 mm tief sind. Die Variationsbreite liegt an der Pi-mal-Auge-Technik und daran, daß Falten z.T. nachträglich flacher oder tiefer gemacht wurden, um die gewünschte Weite zu erreichen.

Rockfalten, hintere Mitte
Nun bleibt nur noch, den Rock über Hemd und Mieder anzuprobieren, um die genaue Taillenweite festzustellen. Für den Fall, daß der Rock doch ein bißchen zu eng geraten sein sollte, hat der Bund ein paar Zentimeter Übertritt. Daß unterhalb davon ein Schlitz offenbliebe, würde gnädig vom Fürtuch verdeckt.
Gestern kam die Geschnürkette an, juhuuu! Nun mußte ich endlich Farbe bekennen und die Miederhaken annähen. Außenstehende fragen sich wahrscheinlich, was daran so schlimm ist, daß ich da seit drei Wochen so ein Gewese drum mache.
Nun, es gibt in der Literatur ziemlich viele verschiedenen Arten, die Haken zu befestigen. Ich meine nicht die Technik, sondern… das Layout. Manchmal ist das Geschnür oben sehr breit und unten sehr schmal, oder oben und unten recht breit, manchmal sind die Haken in einer schrägen, aber geraden Linie angeordnet, manchmal in einer mehr oder minder gebogenen. Mal sitzt der obere Haken so weit oben, daß ich ihn mitten auf die Stickerei setzen müßte, mal sitzt er unterhalb der Stickerei, so daß der Übertritt halb frei hinge. Mal sitzen die Haken schräg nach oben weisend, mal horizontal.

Original aus dem Bayrischen Nationalmuseum

Original aus dem Bayrischen Nationalmuseum
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Da es mir bei der Tracht ebenso wie bei anderer historischer Kleidung um Authentizität zu tun ist, versuchte ich herauszufinden, wie ich den Rock an der Taille behandeln sollte. Ich ackerte sämtliche Bilder durch, die mit meine Bücher (Szeibert-Sülzenfuhs und Laturell, siehe Bibliothek) und Google Bildersuche boten. Viel war von den Röcken nicht zu sehen, aber den Texten bei Szeibert-Sülzenfuhs zufolge habe ich die Wahl, ob ich stiftle, reihe oder in Falten lege. Monika Hoede (Trachtenberaterin für den Bezirk Schwaben) widersprach dem nicht. Also werde ich Falten legen, wie ich es immer mache: Hintenrum viel Weite auf die Hintere Mitte zu, vornerum am Sparfleck gar nicht, seitlich auf die Seite zu. continue reading »
Damit ich bis zu einem gewissen Termin in Tracht auftreten kann, fehlt außer dem fertigen Mieder und der Geschnürkette noch einiges. Am Wochenende habe ich Bücher gewälzt, um herauszufinden, was:
ein Miederleibl,
ein Fürtuch (=Schürze),
ein Rock,
ein Bescheißerl, d.i. eine Art Chemisette mit plissiertem Kragen,
evtl. ein Halstuch, das besser paßt als diejenigen, die ich schon habe
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