Färbeanfall

Inspiriert durch das Färben der Zeltteile, mußte ich mal wieder meinen Vorrat an weißem Wollgarn angreifen.
 
Bei der Bargellostickerei hatte ich schon das Problem, nicht genug Abstufungen desselben Farbtons zu haben. Auch bei floralen Mustern des 18. Jh. sind solche Abstufungen nötig. Einen Anbieter von Stickgarnen habe ich schon einmal an den Rand des Wahnsinns gebracht, weil ich solche Abstufungen von Seidenfilament brauchte, die aber in der Farbkarte kaum zu finden waren. Heutzutags denkt man nun mal nicht an Farbreihen. Deshalb wollte ich nun Farbreihen aus je fünf Abstufungen eines Farbtons färben.
 

Farbreihen


 
Der Plan war, in eine hochkonzentrierte Flotte nacheinander je sechs Wucke einzutauchen. Mit jedem Zug sollte weniger Farbstoff übrig sein, so daß jeder Zug heller würde als der vorige.
Zu meinem Erstaunen erwies sich Gelb – die jenige Farbe, die man mit jedem zweiten Unkraut färben kann – als besonders schwierig, weil im ersten Zug Leuchtendgelb bis Hellorange zu erreichen war, während der zweite Zug immer nur ein verbrauntes Fahlgelb ergab. Das ist dann zwar heller als der erste Zug, aber eben nicht der gleiche Farbton. Bei reinem Gelb ging das noch an, aber bei Grün (Gelb+Indigo) wurde es richtig blöd, weil nicht nur der Farbton und die Dosierung des Gelb stimmen mußten, sondern auch die Relation zur Menge an Blau. Indigo ergibt zwar immer den gleichen Farbton, aber wenn die Relation nicht stimmt, hat man entweder ein zu blaues oder ein zu gelbes Grün, um in die Farbreihe zu passen. Deshalb besteht Grün in dem Bild oben auch nur aus den drei (von fünf) Tönen, die halbwegs paßten. (Links daneben liegt noch ein Strang Gelb mit einem Hauch Indigo.)
 
Neben dem mißglückten Grün (im Uhrzeigersinn) liegt ein anderer Grünton, der genau so funktionierte, wie ich mir das gedacht hatte. Es ist Gelb aus Rainfarn mit ein paar Krümeln Einsenvitriol. Dann kommt Gelb und dann Krapprot. Krapp funktionierte eigentlich recht gut, laugte aber so schnell aus, daß ich mehrere Farbbäder ansetzen mußte. Der zweitdunkelste Farbton ist der erste Zug der überdosierten Flotte (zwei Gewichtsanteile Krapp auf einen Teil Wolle); für den allerdunkelsten mußte ich nochmal 200% ansetzen und mit Eisenvitriol nachentwickeln.
 
Der nächste Farbton ist Cochenille. Eigentlich sollte es Karminrot werden, aber das wollte nicht. Bei früheren Versuchen reichten wenige Gramm Zinnchlorür, etwas Hitzezufuhr und warten, um ordentliches Rot zu erzeugen. Diesmal kippte ich den ganzen Rest der Zinnbeize hinein – es dürften um die 20g gewesen sein, und damit etwa so viel wie Cochenille – und trotzdem blieb der Farbton zu bläulich.
 
Der letzte Farbton im Kreis ist, zusammen mit dem Olivgrün, der einfachste: Indigo. Der dunkelste war nur wenige Sekunden inder unverdünnten Stammküpe, der nächste ebenso kurz in der verdünnten Küpe; der hellste war nur für Sekunden in der weitgehend aufgebrauchten Küpe.
 
Inzwischen habe ich noch eine vier-Farben-Abstufung von Rötlichbraun gefärbt, aus Eichenrinde. Auch hier mußte ich mehrere Farbbäder ansetzen, obwohl der erste Zug mit ca. 300% angesetzt war. Für den dunkelsten Farbton habe ich dem 200%-Farbbad ein paar Krümel Eisenvitriol zugesetzt.

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