Taille hat fertig

Die Ärmel sind eingesetzt, die einfarbigen Pseudomanschetten aufgesetzt. Jetzt fehlt nur noch das Taillenband – das hebe ich mir auf, für den Fall, daß ich doch noch ein neues Korsett schaffe. Und die Knöpfe und Knopflöcher hebe ich mir auch noch auf: Wer weiß, ob mir nicht etwas geniales über den Weg läuft.
 
Jetzt geht es an den Rock. Kürzlich wurde ich gefragt, warum ich mit der Taille angefangen habe: Der Rock könne doch bewirken, daß das Taillenschößchen anders sitzt als gedacht. Hmmm, stimmt, warum eigentlich? Tags darauf fiel es mir wieder ein: Weil ich nicht sicher bin, ob der Stoff reicht. Bei einem Rock kann man dann noch mogeln, bei einer Taille nicht.

Fertige Taille mit Futter-Rock



Als ersten Schritt habe ich den Basisrock TV 261 aus eben jenem Chintz zugeschnitten, aus dem auch das Taillenfutter ist. Nun muß ich hoffen, daß die Schneiderpuppe gerade auf ihrem Stiel sitzt, denn ich gedenke den Rock von unten nach oben aufzubauen, so wie bei dem originalen Rock hier. Das bedeutet zweierlei Komplikationen:

  1. Der Saum muß zuerst bestimmt werden, damit ich die Falten-Reihen parallel dazu anbringen kann.
  2. Die Falten am Bund kann ich erst endgültig einlegen, wenn ich oben angekommen bin, denn dort muß der Oberstoff mit in die Falten rein.

Soeben las ich bei den Damen Lechner und Beeg („Die Anfertigung der Damen-Garderobe“. Berlin: Lipperheide, 1886) über den vierteiligen Basisrock, daß die Naht zwischen Seiten- und Hinterbahn ca. 8 cm hinter der Seitenlinie liegt. Gut zu wissen. Kein Wunder, daß ich die Abnäher in der vorder- und Seitenbahn tiefer machen mußte, während ich in die Hinterbahn weniger Falten legen konnte als erwartet. Damit würde auch der beabsichtigte Verschluß in der Seitennaht weiter nach hinten wandern. Vielleicht sollte ich ihn in die Naht zwischen Vorder- und Seitenbahn verlegen, falls die Drapage das zuläßt. Mal sehen, wo ich dann eine Tasche unterbringen kann.

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