Posts Tagged ‘Brieftasche’

Ein neues Nadelheft

Saturday, December 21st, 2013

Vor einiger Zeit ist mir ein ziemliches Malheur passiert: Ich hatte eine Bargello-Brieftasche in Arbeit, auf richtig feinem Zählstoff (dem feinsten, den es im Laden gab), und als sie halb fertig war, fand ich Mottenbefall auf dem Stickgarn. Also steckte ich das Ganze nach dem Brotbacken in den Ofen, um die Nachwärme zu nutzen. Was ich nicht bedachte: Das Backblech war noch brüllheiß. Das merkte ich erst, als es schmorig zu riechen anfing. *seufz*
Teile der fertigen Stickerei waren verkohlt, und wo ich noch nicht gestickt hatte, war der Trägerstoff z.T. zu brüchig, um noch darauf zu sticken.
 
Ungefähr zwei Jahre lang habe ich das Teil in einer Ecke versteckt, um es nicht mehr anschauen zu müssen. Jetzt im Weihnachtsurlaub fühlte ich mich endlich in der Lage, dem Elend ins Auge zu blicken und wenigstens die noch stabilen Teile so weit zu besticken, daß es für ein Nadelheft reicht. Das alte, grobschlächtigere Bargello-Nadelheft nämlich war bei der gleichen Gelegenheit verbrutzelt. ;-(

Das alte und das neue

Das alte und das neue


Ach ja: Das Stickgarn und das Kantenband sind natürlich selber gefärbt. Und das Muster findet sich so pder ähnlich auf diversen Brieftaschen des 18. Jahrhunderts, z.B. bei Vintagetextile oder hier. Letzteres war meine Vorlage.

Frisch abgestaubt

Thursday, December 5th, 2013

Das letzte Teil des Mieders muß nun darauf warten, daß ich wieder Goldgespinst für die Umrahmung der Tunnel bekomme. Aber weil ich grad so schön in der Übung war mit Lahn-Domptieren (das Zeug ist ganz schön widerspenstig), habe ich ein Projekt wieder hervorgeholt, das ich für längere Zeit auf Eis gelegt hatte:

Der derzeitige Stand

Der derzeitige Stand


 
Eine Brieftasche in Seiden- und Silberstickerei auf cremefarbenem Duchesse Satin. Der 20 cm breite Streifen Satin hat mich damals fast 20 € gekostet, das muß man sich mal vorstellen! Und das Seidenfilament in jeweils vier Grün-, Rot-, Blau- und Gelbtönen kam nochmal auf… ach, hab ich verdrängt, um meine geistige Gesundheit zu schützen. Schweineteuer jedenfalls.
 
Die Vorlage hatte ich bei einem US-Antiquitätenhändler gefunden. Das Original trug unter der Klappe die gestickte Inschrift “Constantinople 1766”, war also vermutlich ein Souvenir. Die Türkei war im 18. Jh. recht bekannt für kunstvolle Stickereien, eine bestickte Brieftasche also ein naheliegendes Mitbringsel von der Grand Tour. Ich werde die Inschrift weglassen, schließlich stammt meine nicht aus Konstantinopel. 😉
 
Ähnliche Teile hat das Museum of Fine Arts in Boston und Colonial Williamsburg (such nach Nummer 1990-3). Im Vergleich mit diesen beiden (die ich damals noch nicht kannte) habe ich mir offenbar gleich das filigranste Examplar ausgesucht, das zu haben war. Typisch. Wenn’s einfach wär, könnt’s ja jeder, gell?