Archive for the ‘18. Jahrhundert’ Category

Kette Leinen, Schuß Wolle

Saturday, October 14th, 2017

Heilig’s Blechle, vor lauter weben und nähen habe ich ein Jahr schon nichts mehr gepostet!

Dabei habe ich in der Zwischenzeit sogar historisches gewebt, nämlich karierte Leinenstoffe nach Stoffproben aus dem 18. Jh. Da war allerdings nichts außerordentlich spannendes oder speziell historisches daran, außer eben, daß jeweils exakt dieses Karo historisch nachweisbar war.

Aber mein jetziges Projekt ist etwas spannender. Ich muß allerdings ein wenig ausholen.

Aus der englischsprachigen Literatur zum 18. Jh. kenne ich einen Stoff namens linsey-woolsey, bestehend aus Leinenkette und wollenem Schuß. Er wird als eher grob, einfach beschrieben, ein Stoff für arme Leute. Aber andererseits wurden Bettvorhönge daraus gemacht, das klingt gar nicht so einfach und sieht auf Fotos erhaltener Stücke auch nicht sonderlich grob aus – manche Exemplare aber schon.
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Schnürbrustfutter 3

Friday, September 2nd, 2016

Hin und her, her und hin. Zuerst hatte ich das Blatt mit 13F/cm gestochen, aber das Gewebe wurde mir nicht dicht genug. Also umgestochen auf 15F/cm. Jetzt ließ sich der Schuß noch schlechter anschlagen, zwischen den einzelnen Schüssen waren riesige Lücken. Also doch zu dicht? Umgestochen auf 12F/cm.

Das ist immer noch Mist: Was ich gerade webe, ist praktisch Stramin. Aber es läßt sich ums Verrecken nicht fester anschlagen! Argh! Mir fiel aber keine Lösung mehr ein, also webe ich das jetzt so ab und hoffe, daß die Nachbehandlung für eine hinreichende Schrumpfung sorgt.

Ein Teil des Problems ist sicherlich die Schlichte: Sie macht die Kettfäden noch steifer, als sie von Natur aus schon sind. Und luftgetrocknetes Leinen ist schon ganz schön steif.

leinen

Schnürbrustfutter, Teil 2

Monday, August 1st, 2016

Weil ich mich zwischenrein bei diversen Parametern umentschieden hatte, mußte ich noch etwas mehr Kette bleichen. Die ist jetzt ca. 3,2 m lang und wird wohl, wenn alles fertig ist, 91 cm breit sein, weil ich mich beim Schären wohl verzählt hatte. Eigentlich sollten es 85 cm sein.

Wenn ich das Schärbrett auf das niedrigst eingestellte Bügelbrett stelle, hat es die richtige Höhe.

Wenn ich das Schärbrett auf das niedrigst eingestellte Bügelbrett stelle, hat es die richtige Höhe. Ich schäre zwei Fäden auf einmal; die Lazy Kate des Spinnrads ersetzt das Spulengestell.

Das bäumen war kein Spaß, weil ich es irgendwie geschafft hatte, einen der 4 Kettzöpfe so zu machen, daß man ihn nicht nach und nach auslassen kann, d.h. ich mußte ihn auf einmal öffnen, und dabei hat er sich etwas verheddert. (more…)

Webprojekt Nummer 3: Handtücher

Thursday, July 21st, 2016

Handtücher sind wohl das beliebteste Experimentierfeld vor allem für Web-Anfänger – so auch für mich. Als Kette wird, neben reiner Baumwolle, auch gern Cottolin empfohlen, ein Leinen-Baumwoll-Gemisch, das leichter zu handhaben sein soll als reines Leinen. Die Reinleinen-Kette meines nächsten Projekts müßte sich schon sehr zickig anstellen, um diese Behauptung zu bestätigen. Die Kettfäden für dieses Projekt (Cottolin Nm 20/2) haben sich um sich selbst und um ihre Nachbar-Kettfäden gedreht und Knoten gebildet, wo es nur ging. Aber auf dem Weg zu Leinenkette, so dachte ich, müßte ich da durch. Vielleicht wird Cottolin ja auch nur empfohlen, damit einem Leinen danach vorkommt wie a gmahde Wiesn.

Natürlich webe ich keine dicken, modern gemusterten Baumwollhandtücher, wie es die meisten tun. Es muß schon was historisches sein. Auf handweaving.net fand ich Webpatronen, die historischen Webbüchern entnommen waren und irgendwie vertraut aussahen. Erst viel später wurde mir klar, warum: Weiße Papiertischdecken sind oft mit ähnlichen Mustern geprägt. Es sind mehr oder weniger einfache, in quadratischen Blöcken angeordnete Versionen von Damast, die schon damals für Tisch- und Bettwäsche beliebt waren, wie der Eintrag “Damast” im Frauenzimmer-Lexicon von 1715 bestätigt.

Den Autoren des 18. Jh. waren 8-schäftige Muster anscheinend zu banal; unter 10 Schäften ist da nichts zu wollen, und auch das galt wohl eher als Pipifax. Eine auf 1677 datierte Sammlung enthielt 8-Schaft-Muster, von denen ich eines auswählte. Zum Vergleich hier mal links “meine” Patrone und daneben eine aus dem 18. Jh. für 30 Schäfte. Beides sind Blockdamaste, nur daß bei der rechten Patrone deutlich mehr Blöcke nötig sind: 6 Blöcke à 5 Schäfte. Ich finde dieses Flechtmuster ja ausgesprochen geil, aber leider kann ich nur 2 Blöcke à 4 Schäfte.

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Jetzt gilt’s! Ein Schnürbrustfutter

Sunday, July 10th, 2016

Von Handwebern hört man oft, eine Kette aus Leinen sei ziemlich schwierig und nichts für Anfänger. Aber ich springe ja immer am tiefen Ende ins Becken, und irgendwo muß man ja anfangen.

Beginnen wir mir der Vorlage. Das ist eine Schnürbrust aus dem Dachauer Stadtmuseum, die ich genauer untersuchen durfte. Damals interessierte ich mich noch nicht fürs Weben, aber zum Glück habe ich gute und sehr detaillierte Fotos gemacht.

Das Futter ist ein 2/1-Köper mit einer Kette aus halbgebleichtem Leinen und einem Schuß aus dem gleichen halbgebleichten Leinen, durchsetzt mit unterschiedlich breiten Streifen aus minimal dickerem, ungebleichtem Leinen.
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Endlich mal ein guter Film über mein Hobby!

Friday, January 31st, 2014

In den letzten Jahren gab es ja immer wieder mal Reportagen über Geschichtsdarstellung, und fast immer kommen die Hobbyisten mehr oder weniger als Spinner rüber, was oft auch an der Auswahl derer liegt, die da – man kann es nicht anders sagen – vorgeführt werden.

Entsprechend vorsichtig war ich auch, als letztes Jahr eine Dame vom BR bei mir aufschlug, die einen Film über Darstellung des 18. Jh. machen wollte. Diese Woche lief er nun im Fernsehen und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

In der Mediathek des BR: Lebendige Geschichte

Schnitt von einem Original abnehmen: Nochmal von vorn

Sunday, December 22nd, 2013

Gerade bin ich dabei, die Beschreibung der originalen Schnürbrust zu verfassen. Beim Betrachten der Fotos fallen mir viele Dtails auf, die ich vor Ort gar nicht bemerkt hatte – vielleicht wegen der vielen gleichzeitigen Eindrücke, vielleicht aber auch, weil zum Teil die Ausleuchtung Schatten wirft, die manche Details sprichwörtlich ein anderem Licht erscheinen lassen. Als ich gerade herausfinden wollte, ob die Zaddeln nun angeschnitten oder angesetzt sind, traf es mich:
 
Ich bin ja so doof!
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Ein neues Nadelheft

Saturday, December 21st, 2013

Vor einiger Zeit ist mir ein ziemliches Malheur passiert: Ich hatte eine Bargello-Brieftasche in Arbeit, auf richtig feinem Zählstoff (dem feinsten, den es im Laden gab), und als sie halb fertig war, fand ich Mottenbefall auf dem Stickgarn. Also steckte ich das Ganze nach dem Brotbacken in den Ofen, um die Nachwärme zu nutzen. Was ich nicht bedachte: Das Backblech war noch brüllheiß. Das merkte ich erst, als es schmorig zu riechen anfing. *seufz*
Teile der fertigen Stickerei waren verkohlt, und wo ich noch nicht gestickt hatte, war der Trägerstoff z.T. zu brüchig, um noch darauf zu sticken.
 
Ungefähr zwei Jahre lang habe ich das Teil in einer Ecke versteckt, um es nicht mehr anschauen zu müssen. Jetzt im Weihnachtsurlaub fühlte ich mich endlich in der Lage, dem Elend ins Auge zu blicken und wenigstens die noch stabilen Teile so weit zu besticken, daß es für ein Nadelheft reicht. Das alte, grobschlächtigere Bargello-Nadelheft nämlich war bei der gleichen Gelegenheit verbrutzelt. ;-(

Das alte und das neue

Das alte und das neue


Ach ja: Das Stickgarn und das Kantenband sind natürlich selber gefärbt. Und das Muster findet sich so pder ähnlich auf diversen Brieftaschen des 18. Jahrhunderts, z.B. bei Vintagetextile oder hier. Letzteres war meine Vorlage.

Schnitt von einem Original abnehmen: Weiterverarbeitung

Sunday, December 15th, 2013

Mit den Abpausfolien und einem Packen Fotos glücklich und enthusiasmiert zuhause angekommen, war die nächste Aufgabe, den Schnitt auf Papier zu übertragen und ins Reine zu zeichnen. Wenn ich den Schnitt im Web zur Verfügung stellen will, muß ich ihn obendrein zu einem Koordinatenschnitt verkleinern.
 
Daheim kann ich endlich wieder auf dem Teppich feststecken. 🙂 Also: Packen Zeitungspapier (für das Folgende ist der Teppich allein zu weich), Packpapier drauf, Folie mit der Zeichnung drauf, am Teppich feststecken – und von der Folie aufs Packpapier durchradeln. Und zwar alles: Umriß, Nahtverlauf, Stückelnähte, Umrisse der Lederbesätze, Ansatznaht des Belegstoffs, Position der Schnürhaken, Tunnelverlauf, Fadenlauf. Dann mit Filzstift die perforierten Linien auf dem Packpapier nachzeichnen, und zwar mit verschiedenen Farben für die verschiedenen Arten von Objekten: Schnitteil-Umrisse in schwarz, Stückelnähte in hellblau etc., sonst verliert man schnell den Überblick.
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Schnitt von einem Original abnehmen: Abpausen

Sunday, December 15th, 2013

Dieser Tage hatte ich eine jener Gelegenheiten, nach denen sich wohl jeder Kostümer die Finger abschleckt: Ich durfte den Schnitt von einer originalen Schnürbrust abnehmen. Leider fiel mir erst hinterher ein, daß das ja eigentlich auch ein dokumentierwürdiges Projekt ist, so daß es vom Schnittabnehmen selbst keine Bilder gibt.
 
Wie nimmt man den Schnitt von einem Originalteil ab, ohne ihm Schaden zuzufügen? Bei den meisten Schnürbrüsten ist das relativ einfach, weil man sie flach hinlegen kann. Auch die Nähte sind sehr oft schnurgerade. Das ist einfach. Die Schürbrust, die es mir angetan hatte, ließ sich nicht flach auflegen: Die Schulterteile sind ausgesteift und so in Form gebracht, als ob sie sich um eine Schulter schmiegten. Und auf den Zaddeln sind kleine Wülste befestigt.
 

Der Träger steht vol allein

Der Träger steht vol allein

Flach auflegen? Ein frommer Wunsch!

Flach auflegen? Ein frommer Wunsch!


Meine Methode sieht so aus: Einen dicken Packen großer Zeitungsseiten auf den Tisch legen, als Unterpolsterung. Darauf eine Lage sauberes Seidenpapier, damit keine Druckerschwärze an das gute Stück kommt. Darauf die Schnürbrust, die dort, wo es nötig ist, von zerknülltem Seidenpapier gestützt wird. Darüber wird ein Stück durchsichtiger Folie gelegt; besonders geeignet und günstig finde ich Malerfolie “extra stark” aus dem Baumarkt. Um das Objekt herum wird die Folie fixiert, indem man Stecknadeln schräg in die Zeitungspapier-Unterlage steckt. Je dünner die Unterlage, desto schräger: Der Kopf sollte nicht zu weit hervorstehen, damit man nicht mit dem Ärmel die Nadel unbemerkt wieder herausreißt, und die Nadelspitze sollte den Untergrund nicht zerkratzen. (more…)