Ballkleid-Unterrock

Da ich nun mit schwarzem Stoff hantieren muß, fällt mir erst auf, daß die Tage schon wieder um einiges kürzer geworden sind.
Als Basis für das Rockfutter des Ballkleides habe ich mal wieder den einen TV-Unterrockschnitt benutzt, den ich auch für späte Tournüren verwende. Ich habe ihn mit den Schnittdiagrammen für Schleppenröcke in Lechner & Beeg verglichen: Die Hinterbahn ist dort ebenfalls 120 cm breit. Für eine Schleppe erscheint diese Menge auch sinnvoll. Auf Höhe der Oberschenkel und Knie zeigt das Buch horizontale Tunnel mit Zugbändern darin, die die Rockweite hinten zusammenraffen, so daß sich die Schleppe erst ab den Knien ausbreiten kann – ein Stil, der v.a. in den späten 1870ern als “Balayeuse” (Fegerin) sehr in Mode war und bei der Vorlage für mein Ballkleid durchaus noch eine Rolle spielt.

Schlepprock, Innenseite. Lechner & Beeg, 1886

Von den 7 Metern Chintz, die ich noch ergattern konnte, sind drei allein für das Rockfutter draufgegangen – mit Stückeln. Für die 10 Meter schwarzen Seidentafts als Oberstoff bedeutet das wohl, daß nicht viel übrigbleiben wird. Der Saumumfang des Rockfutters beträgt mit Schleppe ca. 3,5 Meter, d.h. für die Falten am Saum ist ein Streifen von 3,5 x 3 = 10,5 Metern nötig, 23 cm breit. Zack, sind 2 Meter weg. Wann immer es zu dunkel ist, um zuzuschneiden, schneide ich Streifen von schwarzem Seidenorganza und nähe sie zusammen, um diese Falten zu unterfüttern, damit sie etwas Stand haben.
 
Hier nochmal die Vorlage zum Ballkleid:

Was in der Vorlage grün ist, wird bei mir königsblau. Aber wie könnte diese Draperie von vorn aussehen? Der schwarze Stoff auf der Schleppe sieht so aus, als wäre er von der linken Seite (aus Sicht der Trägerin) herübergezogen und hinten rechts befestigt worden. D.h. diese Draperie muß irgendwo links oder auf der Vorderseite beginnen – und alle Rockdrapagen der Zeit sind so gemacht, daß ihr Beginn bzw. Ende, d.h. die Stoffkante, verborgen ist. Entweder unter einer anderen Draperie oder unter der Taille. Die grüne Draperie muß auch irgendwo vorn unter irgendetwas verborgen beginnen.
 
Also habe ich nochmal die Modekupfer der Zeit durchforstet und folgende Idee gefunden:

Aus Sicht der Trägerin rechts beginnt die (bei mir blaue) Drapage unter der Taille, während die über links nach hinten gezogene, schwarze Drapage unter der blauen Drapage angesetzt ist. Ich glaube, so könnte das gehen. Allerdings: Vorn rechts, unter und vor der grünen Draperie, sehen wir, daß der vordere Rockteil in mindestens zwei Falten gelegt ist. Könnte es sein, daß die schwarze Draperie auf der rechten Körperseite unter der grünen beginnt und sich dann praktisch komplett um den Körper herumzieht? Ich müßte mal ausprobieren, ob das technisch überhaupt möglich ist. Wenn ja, dann wäre das wahrscheinlich ein Stoffverbrauch, daß es einem die Schuhe auszieht.
 
Alternativ wäre auch folgendes möglich, nur daß dann die Rückansicht völlig anders aussähe – was kein Unfall wäre, denn ich versuche eigentlich nicht, exakt ein Kupfer zu kopieren:

Ich stehe ja sehr auf diese flach gefalteten, nach unten zu schmaler werdenden, diagonal um den Körper laufenden Drapierungen. Ein paar Tage noch werde ich die Entscheidung wohl hinausschieben können – so lange, bis die Faltendraperie für den Saum fertig ist.

This entry was posted in 19. Jahrhundert, Ballkleid 1881. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.