Der Kalmang nimmt Gestalt an

Ich stelle gerade fest, daß mein letzter Eintrag zum Thema fast ein Jahr her ist. In der Zwischenzeit habe ich ca. 15 Kilometer Kammgarn gesponnen und gefärbt: je 7 Helligkeitsstufen Blau und Gelb, dazu Weiß, macht 15. Ein Kilometer pro Farbe.

Ach, wegen der Faser: Größtenteils Romney von Heimatwolle, teils auch von das-wollschaf.de, sowie etwas Texel vom Wollschaf. Die unterschiedlichen Fasern haben sich leider auch auf das Färbeergebnis ausgewirkt, indem die Farbe unterschiedlich gut angenommen wurde. Nächstes mal also immer nur eine Faser!

Blau ist bei Hobby-Färber*innen besonders gefürchtet, wohl weil es als Küpenfarbe etwas aufwendiger ist als eine getrocknete Pflanze in Wasser aufzukochen. Tatsächlich ist es einfacher als Gelb, wenn man einen Farbverlauf färben will. Man muß nämlich nur die Küpe immer stärker verdünnen. Bei Gelb hingegen nahmen die verschiedenen Schafrassen die Farbe unterschiedlich gut an, so daß ich teilweise mit 200% (also 200 g Färbedroge pro 100 g Wolle) bei der einen Rasse auf einen blasseren Farbton kam als mit 100% bei einer anderen. Die helleren Töne habe ich mit Färberkamille gemacht. Die dunkelsten zwei Gelbtöne habe ich vorsichtig mit Zwiebelschalen überfärbt, die bei hoher Konzentration einen Kupferton ergäben.

Im Januar kam dann die Kette auf den Webstuhl. Da wurde mir auch klar, daß ich viel mehr Schiffchen brauchen würde als ich hatte: mindestens acht, wenn ich nach einem gelben Streifen die 7 Töne Gelb gegen 7 Töne Blau tausche, plus Weiß. Die Wechselei bremst natürlich auch aus.

Jetzt wurde auch klar, warum es historisch sinnvoll war, Kettstreifen zu machen: Da konnte man dann stupide mit der Schnellschußlade immer eine Schußfarbe eintragen, 30 Yards lang. Der Ballen wurde dann europaweit verkauft; da verteilte sich das Muster so, daß keine zwei Leute pro Dorf das gleiche trugen. Im Kontext des Reenactments ist das natürlich unrealistisch, aber Streifen in Farbabstufungen sind es, der Mühe wegen, ebenso.

 

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