Die Tage werden heller…

… und damit wächst auch die Lust, mal wieder etwas kniffliges zu machen.
 
Trachtenmieder Numero Zwei war zwar langwierig in der Herstellung, aber Wollsatin ist nicht wirklich edel. Schon fast Alltäglich, eigentlich. Etwas richtig feines wäre nicht schlecht… Und der Trend geht bekanntlich zum Zweitmieder. *ahem*
 
Zu allem Überfluß bekam ich auch noch einen Tip, wo gerade dunkelblauer Seiden-Duchesse günstig (d.i. alles unter 60€/m) zu erstehen sei. Nicht günstig genug, um sich gleich 10 m für eine Française oder ein Tournürenkleid auf Halde zu legen, aber den halben Meter für ein Mieder…
 
Schritt 1: Stickmuster aussuchen. D.h. Bücher wälzen, gugeln, grübeln. Für die einen Muster hatte ich nicht das Material, andere waren mir zu überladen. Am Ende habe ich selbst eines entworfen:

Musterentwurf

Den Miederschnitt habe ich übrigens von der Trachtenberatung Schwaben, da kann man diverse Schnitte in verschiedenen Größen kaufen. Die Miederschnitte sind durchaus nicht rein schwäbisch: Die Grundform eines Mieders ist zumindest Ober- und Niederbayern die gleiche.
 
Schritt 2: Schnitteile ausschneiden und zusammenheften. Die Außenlagen bestehen aus dem Duchesse und einem alten Handweb-Leinen, das schön fein und dicht ist. Dicht, damit die Peddig-Stäbe sich später beim Tragen nicht hindurchbohren können.
 
Anders als bei Numero Zwei mache ich die Basis (d.h. die zwei Lagen, zwischen denen die Stäbe liegen) gleich mit, denn die Tunnel werden aus goldenem Vorlegfaden gemacht, der nur alle paar Millimeter mit einem Seidenfaden auf den Stoff aufgenäht wird. Ich hätte das wohl anders gemacht, wenn ich nicht ein Original hätte, bei dem das genau so ist. Daraus ergibt sich, daß die Peddigstäbe nicht nachträglich in fertige Tunnel geschoben werden können – sie müssen gleich beim Sticken vorsichtig an Ort und Stelle bugsiert und dann “eingetunnelt” werden. Also muß die zweite Basis-Lage beim Sticken schon vorhanden sein und mit durchstickt werden.
 
Außerdem braucht man für Goldstickerei einen Stickrahmen, und zum aufspannen muß das Werkstück auf ein größeres Stück Stoff geheftet werden. Dieses größere Stück Stoff dient bei mir gleich als zweite Basis-Lage. Damit das durchsticken nicht zu mühsam wird, und weil Aussteuerleinen viel zu kostbar ist, um später das meiste wegzuschneiden, ist diese zweite Lage ein gewöhnlicher, aber dichter Baumwollstoff.

Vorderteil, auf Trägerstoff geheftet.

Die Musterzeichnung auf dem ersten Bild habe ich mit einem Aufbügel-Stift nachgefahren und auf die Rückseite des Trägerstoffs aufgebügelt. So habe ich das Muster dauerhaft, ohne daß man es später sehen wird.

Stickmuster, aufgebügelt

Auf der Rückseite nützt das Mustern natürlich erstmal nichts. Deshalb übertrage ich es auf die Vorderseite, indem ich Nadeln an den Linien entlang hindurchsteche…

… das Ganze umdrehe, und auf der blauen Seite mit einem weißen Buntstift die Nadeln miteinander verbinde.

Da der Bunstsift sich mit der Zeit abreibt und verblaßt, übertrage ich immer nur das Musterteil, das ich aktuell sticken will.

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