… und damit wächst auch die Lust, mal wieder etwas kniffliges zu machen.
 
Trachtenmieder Numero Zwei war zwar langwierig in der Herstellung, aber Wollsatin ist nicht wirklich edel. Schon fast Alltäglich, eigentlich. Etwas richtig feines wäre nicht schlecht… Und der Trend geht bekanntlich zum Zweitmieder. *ahem*
 
Zu allem Überfluß bekam ich auch noch einen Tip, wo gerade dunkelblauer Seiden-Duchesse günstig (d.i. alles unter 60€/m) zu erstehen sei. Nicht günstig genug, um sich gleich 10 m für eine Française oder ein Tournürenkleid auf Halde zu legen, aber den halben Meter für ein Mieder…
 
Schritt 1: Stickmuster aussuchen. D.h. Bücher wälzen, gugeln, grübeln. Für die einen Muster hatte ich nicht das Material, andere waren mir zu überladen. Am Ende habe ich selbst eines entworfen:

Musterentwurf

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Gestern kam die Geschnürkette an, juhuuu! Nun mußte ich endlich Farbe bekennen und die Miederhaken annähen. Außenstehende fragen sich wahrscheinlich, was daran so schlimm ist, daß ich da seit drei Wochen so ein Gewese drum mache.
 
Nun, es gibt in der Literatur ziemlich viele verschiedenen Arten, die Haken zu befestigen. Ich meine nicht die Technik, sondern… das Layout. Manchmal ist das Geschnür oben sehr breit und unten sehr schmal, oder oben und unten recht breit, manchmal sind die Haken in einer schrägen, aber geraden Linie angeordnet, manchmal in einer mehr oder minder gebogenen. Mal sitzt der obere Haken so weit oben, daß ich ihn mitten auf die Stickerei setzen müßte, mal sitzt er unterhalb der Stickerei, so daß der Übertritt halb frei hinge. Mal sitzen die Haken schräg nach oben weisend, mal horizontal.

Original aus dem Bayrischen Nationalmuseum

Original aus dem Bayrischen Nationalmuseum


Original aus dem Bayrischen Nationalmuseum

Original aus dem Bayrischen Nationalmuseum

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Trachten-Rock

Apr 7, 2011

Da es mir bei der Tracht ebenso wie bei anderer historischer Kleidung um Authentizität zu tun ist, versuchte ich herauszufinden, wie ich den Rock an der Taille behandeln sollte. Ich ackerte sämtliche Bilder durch, die mit meine Bücher (Szeibert-Sülzenfuhs und Laturell, siehe Bibliothek) und Google Bildersuche boten. Viel war von den Röcken nicht zu sehen, aber den Texten bei Szeibert-Sülzenfuhs zufolge habe ich die Wahl, ob ich stiftle, reihe oder in Falten lege. Monika Hoede (Trachtenberaterin für den Bezirk Schwaben) widersprach dem nicht. Also werde ich Falten legen, wie ich es immer mache: Hintenrum viel Weite auf die Hintere Mitte zu, vornerum am Sparfleck gar nicht, seitlich auf die Seite zu. continue reading »

Andere Trachtenteile

Apr 4, 2011

Damit ich bis zu einem gewissen Termin in Tracht auftreten kann, fehlt außer dem fertigen Mieder und der Geschnürkette noch einiges. Am Wochenende habe ich Bücher gewälzt, um herauszufinden, was:
 
ein Miederleibl,
ein Fürtuch (=Schürze),
ein Rock,
ein Bescheißerl, d.i. eine Art Chemisette mit plissiertem Kragen,
evtl. ein Halstuch, das besser paßt als diejenigen, die ich schon habe
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Aus irgendeinem Grund kann ich mich nicht entscheiden, wie genau ich die Miederhaken positionieren soll. Ich habe sie immerhin schon mal aufgelegt und dann ausgemessen, wie lang die Geschnürkette mindestens sein muß: Vier Meter. Und da ich gern mehrmals rum schnüren würde, wären mir acht Meter lieber.
 

Dann ging ich auf die Suche nach Anbietern und Preisen. continue reading »

Oha, die letzte Nachricht in dieser Kategorie war im letzten Mai und handelte vom leimen. Irgendwann letztes Jahr habe ich es noch geschafft, das Futter, das ich aus dem Trachtenmieder Nr. 1 rausgerupft hatte (als einzig rettbares Teil davon), auf das neue anzupassen und darauf festzuheften. Danach versuchte ich, Wollband in der richtigen Breite (ca. 2 cm) zu bekommen, um die Kanten zu versäubern. Ich ging sogar auf eine Trachtenmesse, in der Hoffnung, daß man da so etwas – oder notfalls auch (Seiden-)Taft – hätte. Meine Befürchtungen bestätigten sich: Den meisten Trachtenträgern ist die Authentik ziemlich egal; daher gibt es nur Einfaßbänder aus Viskose. continue reading »

Zwischenstand

Mar 24, 2011

Nun war ich volle sechs Wochen krankgeschrieben (und nicht etwa, wie Medienfritzen gern sagen/schreiben, “ganze” sechs, was implizieren würde, daß sechs Wochen wenig seien) und die meiste Zeit davon ziemlich schlapp. Aber, wie im vorigen Post geschrieben, fürs Nähen reichte es. Dafür muß man ja nur auf dem Sofa sitzen und die Hände bewegen – naja, meistens. Auf dem Sofa zu sitzen, ohne die Hände zu bewegen, hätte mich erst recht fertiggemacht – zwanghafte Handarbeiterinnen wissen, was ich meine.
 
Die Bilanz aus sechs Wochen kann sich sehen lassen. So viel schaffe ich sonst in sechs Monaten, wenn’s reicht: Ein Empiremieder, zwei Empirekleider (ales handgenäht, versteht sich), eine Bargello-Brieftasche, zwei Geburtstagsgeschenke (pssst!), rotes Klappkleid repariert (mußte die Falte im Rücken auslassen, weil ich mich mal wieder vermessen hatte, und deshalb beim laufenden Hund um den Hals rum die Lücke füllen – das hatte seit Sommer 2010 auf der Liste gestanden), an einer Patchworkdecke weitergearbeitet (eins dieser Endlosprojekte), ein Bajuwaren-Unterkleid angefangen. Und noch eins, aber das kommt in einem extra Post…

Tja, bis zum gesetzten Termin habe ich das Mieder nicht fertiggekriegt. Stattdessen habe ich das “Nanny Ogg”-Kleid, d.h. die schwarze Tournüre, um einen Überrock ergänzt, weil das, anders als das Mieder, in der verbleibenden Zeit zu schaffen war. Überrock, das ist die geraffte “Schürze”, die man oft vorn an Tournürenkleidern hat, in Kombination mit einem hinteren Teil, der gerafft sein kann oder nicht. Bei erhaltenen Tournürenkleidern ist der Überrock meist in den Rock integriert, aber ich habe das Kleid so angelegt, daß der Überrock extra ist. D.h. man kann Taille und Rock einfach so tragen (z.B. für die Nanny-Rolle oder für ländliche bzw. Dienstboten 1880er bis ca. 1910) oder mit dem Überrock für 1880er sonn- und feiertags. continue reading »

Geschafft!

Apr 25, 2010

Die Stickerei und Tunnelnäherei am Trachtenmieder ist nun endlich beendet. Fertig bin ich aber noch lange nicht: Jetzt muß das Futter aufgelegt werden, die Teile zusammengesetzt, Kantenband aufgenäht, und die Schnürösen umstickt. Nicht zu reden vom Herauszupfen der Katzenhaare, die ich mit festgenäht habe, einfach weil sie am Stoff klebten wie der Weps am Zwetschgendatschi. Ganz schön viel Arbeit, und nur noch drei Wochen Zeit, in denen ich auch noch ein Zelt und sein Gestänge fertigkriegen muß. Das Zelt wird die nächste Zeit Vorrang haben.
hinten_fertig

Da die Tage länger werden, kann ich auch länger am Mieder arbeiten. Beide Vorderteile sind inzwischen fertig.
Die Stickerei wird oben und unten von einem Doppeltunnel umrahmt, mit je einem Peddigrohr-Stab darin. Darunter liegen schräg nach außen geneigte, leicht gebogene Doppeltunnel. Beim Original waren die Tunnel mit fein glattgeschliffenen Fischbeinstäben gefüllt. continue reading »