Schnürbrustfutter, Teil 2

Weil ich mich zwischenrein bei diversen Parametern umentschieden hatte, mußte ich noch etwas mehr Kette bleichen. Die ist jetzt ca. 3,2 m lang und wird wohl, wenn alles fertig ist, 91 cm breit sein, weil ich mich beim Schären wohl verzählt hatte. Eigentlich sollten es 85 cm sein.

Wenn ich das Schärbrett auf das niedrigst eingestellte Bügelbrett stelle, hat es die richtige Höhe.

Wenn ich das Schärbrett auf das niedrigst eingestellte Bügelbrett stelle, hat es die richtige Höhe. Ich schäre zwei Fäden auf einmal; die Lazy Kate des Spinnrads ersetzt das Spulengestell.

Das bäumen war kein Spaß, weil ich es irgendwie geschafft hatte, einen der 4 Kettzöpfe so zu machen, daß man ihn nicht nach und nach auslassen kann, d.h. ich mußte ihn auf einmal öffnen, und dabei hat er sich etwas verheddert. Continue reading

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Webprojekt Nummer 3: Handtücher

Handtücher sind wohl das beliebteste Experimentierfeld vor allem für Web-Anfänger – so auch für mich. Als Kette wird, neben reiner Baumwolle, auch gern Cottolin empfohlen, ein Leinen-Baumwoll-Gemisch, das leichter zu handhaben sein soll als reines Leinen. Die Reinleinen-Kette meines nächsten Projekts müßte sich schon sehr zickig anstellen, um diese Behauptung zu bestätigen. Die Kettfäden für dieses Projekt (Cottolin Nm 20/2) haben sich um sich selbst und um ihre Nachbar-Kettfäden gedreht und Knoten gebildet, wo es nur ging. Aber auf dem Weg zu Leinenkette, so dachte ich, müßte ich da durch. Vielleicht wird Cottolin ja auch nur empfohlen, damit einem Leinen danach vorkommt wie a gmahde Wiesn.

Natürlich webe ich keine dicken, modern gemusterten Baumwollhandtücher, wie es die meisten tun. Es muß schon was historisches sein. Auf handweaving.net fand ich Webpatronen, die historischen Webbüchern entnommen waren und irgendwie vertraut aussahen. Erst viel später wurde mir klar, warum: Weiße Papiertischdecken sind oft mit ähnlichen Mustern geprägt. Es sind mehr oder weniger einfache, in quadratischen Blöcken angeordnete Versionen von Damast, die schon damals für Tisch- und Bettwäsche beliebt waren, wie der Eintrag “Damast” im Frauenzimmer-Lexicon von 1715 bestätigt.

Den Autoren des 18. Jh. waren 8-schäftige Muster anscheinend zu banal; unter 10 Schäften ist da nichts zu wollen, und auch das galt wohl eher als Pipifax. Eine auf 1677 datierte Sammlung enthielt 8-Schaft-Muster, von denen ich eines auswählte. Zum Vergleich hier mal links “meine” Patrone und daneben eine aus dem 18. Jh. für 30 Schäfte. Beides sind Blockdamaste, nur daß bei der rechten Patrone deutlich mehr Blöcke nötig sind: 6 Blöcke à 5 Schäfte. Ich finde dieses Flechtmuster ja ausgesprochen geil, aber leider kann ich nur 2 Blöcke à 4 Schäfte.

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Jetzt gilt’s! Ein Schnürbrustfutter

Von Handwebern hört man oft, eine Kette aus Leinen sei ziemlich schwierig und nichts für Anfänger. Aber ich springe ja immer am tiefen Ende ins Becken, und irgendwo muß man ja anfangen.

Beginnen wir mir der Vorlage. Das ist eine Schnürbrust aus dem Dachauer Stadtmuseum, die ich genauer untersuchen durfte. Damals interessierte ich mich noch nicht fürs Weben, aber zum Glück habe ich gute und sehr detaillierte Fotos gemacht.

Das Futter ist ein 2/1-Köper mit einer Kette aus halbgebleichtem Leinen und einem Schuß aus dem gleichen halbgebleichten Leinen, durchsetzt mit unterschiedlich breiten Streifen aus minimal dickerem, ungebleichtem Leinen.
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Ein neues Werkelvirus

In letzter Zeit War es hier ein wenig still, weil die Hauptmethode, meine selber gesponnene Wolle zu verarbeiten, Stricken war – und die meisten dieser Projekte waren nicht historisch.
 
Und jetzt habe ich eine neue Methode, Garn loszuwerden: Weben. Es begann harmlos mit einem gebrauchten Ashford Rigid Heddle Loom. Aber was will man damit schon groß machen? Meterware? Nicht bei dem Tempo. Und die Gatterkämme, die die maximal mögliche Kettdichte bestimmen, eignen sich nur für Sockenwolle und dicker, also z.B. Schals und Tischläufer. Nicht mein Zielgebiet.
 
Und so steht nun seit knapp 2 Monaten der kleinste Webstuhl, den ich finden konnte, in meinem Wohnzimmer. Öxabäck Lilla, 8 Schäfte, 8 Tritte, 1m Webbreite.
 
Das erste Projekt war nur optional historisch: 4schäftiger Rautenköper mit Indigo-Kette und Krapp-Schuß, Industriegarn. Das zweite war eine Seidenschärpe für meinen 18.-Jh.-Banyan. Auf der Suche nach einem historisch verbürgten Muster fand ich auf handweaving.net mehrere Musterbücher von 1677 über 1748 bis 1807.

Das Muster der Schärpe

Das Muster der Schärpe


 
Als nächstes ist nun etwas richtig historisches dran…

Und es ist Zeit, den Namen des Blogs zu ändern, den nur Nähprojekte sind es ja eigentlich schon lange nicht mehr.

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Das Geld kann jetzt kommen

Nach dem Muster kamen wieder einige Reihen mit Perlen auf jeder Masche. Diesmal aber etwas dichter als in der ersten Hälfte: Nach jeder Perlen-Reihe 1R re verschränkt und 1R normal re, dann wieder Perlen.

Das ganze so lange, bis der zweite Beutel so lang war wie der erste. Ich dachte kurz darüber nach, wie ich das Ende machen soll. Da ich nicht weiß, wie authentisch die diversen Methoden sind, die heutzutags an solchen Stellen verwendet werden, habe ich sicherheitshalber normal abgekettet und dann überwendlich zusammengenäht.

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Einige Perlen hatte ich noch auf dem Faden, also habe ich den gleich für die Fransen weiterverwendet. Zwei Möglichkeiten: Jede Schlaufe einzeln ansetzen und vernähen, oder alle Schlaufen aus demselben Faden machen, der zwischendrin mit einem zweiten Faden festgenäht wird. Ich entschied mich für letzteres, nicht nur aus Faulheit, sondern auch, weil ich befürchtete, daß die viele Vernäherei einen unschönen Wulst macht.

Die Fransen habe ich bewußt kürzer gemacht als beim Original. Diese langen Troddeln sehe ich vor meinem geistigen Auge sich ständig irgendwo verfangen. Da ist es dann gut, daß das Garn fast zu dick für die Perlen ist: Wenn der Faden mal reißt, fliegen nicht gleich alle Perlen im hohen Bogen davon. Im Nachhinein… hätte ich an den Anfang und ans Ende jeder Franse einen Knoten machen können, um genau das zu verhindern. Allerdings ist es ein ziemliches Gefummel, einen Knoten exakt an die richtige Stelle zu manövrieren. Und einen falsch plazierten Knoten wieder aufzukriegen, ohne das Garn zu beschädigen, ist fast unmöglich.

Nach meiner Rechnung habe ich ca. 3670 Perlen verbraucht. Allein die Fransen schlucken über Tausend.
Länge ohne Fransen 29 cm, Breite variierend zwischen 6 und 6,5 cm. Der Schlitz ist etwa 9 cm lang.

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Geldstrumpf, die Anleitung, Teil 2

Das zweite Muster ist in Worten eher schlecht zu beschreiben, also habe ich mal ausprobiert, wie man auf einer Tablette eine Tabelle malen kann. Man hört ja immer wieder mal von angeblichen IT-Propheten, daß das Ende der Desktops und Laptops nahe sei. Glaubt ihnen nicht! So eine doofe Tabelle läßt sich mit einem ordentlichen Tabellenkalkulationsprogram, Maus und Tastatur um ein vielfaches leichter machen als mit einer abgespeckten App und wischenden Fingern.

1 Kästchen = 1 Masche, blaues Kästchen = Masche mit Perle

1 Kästchen = 1 Masche, blaues Kästchen = Masche mit Perle

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Geldstrumpf, die Anleitung, Teil 1

Ich Hirsch hatte ganz vergessen, aufzuschreiben, wie ich den Geldstrumpf denn nun gemacht habe.

Der Beginn des Schlitzes

Der Beginn des Schlitzes

Den Anschlag habe ich so gemacht wie bei den runden Deckchen, aus denen Sonnenschirm-Dächer werden sollten. Weil ich das nicht so oft mache, vergesse ich immer wieder, wie es geht, aber wofür gibt es Youtube? Such nach “circular cast-on” oder “magic ring cast-on”. Auf englisch gibt es mehr Auswahl und eigentlich muß man das Gelaber auch gar nicht verstehen. Continue reading

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Geldstrumpf, Halbzeit

Eine Vorbereitung habe ich ja noch gar nicht erwähnt: Ein hübsches Perl-Muster aussuchen. Ich fand es ziemlich schnell beim Metmuseum: Schlicht genug, um das Muster nicht mit der Lupe auszählen zu müssen, und dann ist das Original auch noch rot. 2009.300.2942

Zustand am Samstag

Zustand am Samstag

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Ein Geldstrumpf des 19. Jh.: Vorbereitungen

Vor allem aus dem mittleren 19. Jh. haben sich viele Geldstrümpfe (aka Geldkatzen) erhalten, die meistens gehäkelt sind und oft mit eingearbeiteten Stahlperlen verziert. Ich liebe Stahlperlen und überhaupt Zierobjekte aus facettiertem Stahl! Seit ich das Seidengarn in knopflochseidenstärke beim Wollschaf gefunden und daraus ein Schirmdach gestrickt hatte, wollte ich unbedingt mal einen Geldstrumpf daraus stricken, zumal meine antiken Teile zu klein zum benutzen sind: Mehr als zwei Finger passen nicht hinein, und selbst dann besteht die Gefahr, daß die Seide reißt. Und dann haben die Stahlperlen an der einen auch noch Rost.
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Mehr Wollverarbeitung: Vliese kaufen und waschen

Wie im ersten Artikel dieser Kategorie (Wollverarbeitung) erwähnt, hat mich im Sommer die Neugier auf alte, seltene Schafrassen, oder genauer auf deren Wolle gepackt. Da, wo man normalerweise Spinnfasern kauft, findet man die eher nicht, da muß man schon direkt zum Züchter gehen. Auf eBay wird auch Rohwolle angeboten, aber da weiß man nie, was für eine Qualität man bekommt. Das kann auch völlig verfilzt und vollgeschissen sein und daher nur für den Komposthaufen taugen. Auf Facebook gibt es Gruppen wie z.B. “Spinnfutter? Hier kann man es kaufen” sowie diverse Spinn-Gruppen, in denen manchmal auch Rohwolle angeboten wird. Meistens von Leuten, die selber spinnen und daher wissen, welche Sorte Vlies Geld wert ist und welche nicht. Wenn man eine Weile in diesen Gruppen mitgelesen hat, kann man auch einschätzen, wer die Kompetenz hat, ein Vlies zu beurteilen.
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Ab Mai habe ich auf die Schafschur gelauert, um frische Vliese abzugreifen, denn ich hatte in entsprechenden Foren gelesen, daß das Wollwachs und/oder Lanolin im Lauf der Zeit verharzt und dann nur noch schwer auszuwaschen ist. Vliese vom Vorjahr waren damit raus. Man weiß ja auch nicht, wie sie gelagert wurden: Womöglich feucht und mit allem Schafscheiß drin in Plastik gestopft? Mal abgesehen vom Bäh tut das der Faserqualität bestimmt nichts Gutes. Und wer weiß, was da an Motten und Teppichkäfern… danke, habe ich selber schon genug von.
 
Worauf sollte man also beim Kauf achten? Folgende Tips hat man mir in diversen Foren gegeben: Continue reading

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